Kann Schule Ungleichheit reduzieren?
Interview: Kristian Stemmler
Das »Netzwerk gegen Kinderarmut« hat kürzlich einen Forderungskatalog zur Landtagswahl 2026 an mehrere Fraktionen im Landtag übergeben. Was ist das für ein Netzwerk?
Auf Bundesebene wurde das »Netzwerk gegen Kinderarmut« 2016 auf Initiative von Dietmar Bartsch, damals Fraktionsvorsitzender der Linken im Bundestag, gegründet. Ich gehörte zu den Gründungsmitgliedern. Nach diesem Vorbild haben wir im Juni 2017 das Netzwerk Sachsen-Anhalt ins Leben gerufen. Dazu gehören die demokratischen Parteien im Landtag, also Linke, CDU, SPD, Grüne und die FDP, sowie über 30 Vereine und Organisationen, etwa Verdi, DGB, Landesfrauenrat, die Kirchen, die Krankenkassen oder der Kinderschutzbund.
Unsere 39 Forderungen sollen dazu beitragen, dass die Anliegen von Kindern und Jugendlichen im kommenden Koalitionsvertrag sichtbar verankert werden. Mehr als ein Viertel der Kinder und Jugendlichen in unserem Bundesland ist von Armut betroffen. Und bei den jungen Erwachsenen ist es sogar jeder Dritte. Damit sind wir in diesem Bereich bundesweit unter den Schlusslichtern.
Die Wahl ist erst im September 2026. Warum haben Sie die Forderungen jetzt übergeben?
Wir wollten das frühzeitig machen, weil die Parteien jetzt ihre Wahlprogramme aufstellen oder sie auf ihren Parteitagen beschließen. Wir fordern, dass sie entschlossen Kinderarmut bekämpfen.
Ein großer Teil der Forderungen betrifft das Thema Schule.
Schule ist das Thema Nummer eins im Katalog, denn in den Schulen ist man am nächsten dran an den Kindern und Jugendlichen, am nächsten auch an den Fachkräften und an den Eltern.
Sie wollen, dass Sozialarbeit an Schulen gesetzlich verankert wird. Wie wollen Sie das umsetzen?
Wir bieten momentan an mehr als 300 Schulen Schulsozialarbeit an. Diese Stellen werden überwiegend aus europäischen Mitteln bezahlt. Seit 17 Jahren müssen wir in jeder EU-Förderperiode neu begründen, warum die EU Schulsozialarbeit als zusätzliche Leistung finanzieren soll. Deshalb sind die Stellen befristet. Unser Ziel ist, dass gesetzlich festgeschrieben wird, dass in jeder Schule mindestens eine Schulsozialarbeiterstelle vorhanden sein muss.
Eine weitere Forderung ist, Gesundheitserziehung verbindlich im Unterricht einzuführen. Warum ist Ihnen das wichtig?
Das Thema Gesundheit gehört ins Klassenzimmer, verbindlich und altersgerecht. Da soll es etwa um Ernährung, Bewegung, psychische Gesundheit und Suchtprävention gehen. Nicht zuletzt aufgrund der aktuellen Krisen haben wir sehr viele Kinder mit psychischen Auffälligkeiten und viele Schulabbrecher, außerdem Elternhäuser, die nicht intakt sind. Schule ist ein Raum, in dem offen über solche Probleme geredet werden kann. Wir fordern auch ein kostenloses Schulessen für alle.
Es soll auch ein Fach »Lebenskompetenzen« eingeführt werden. Worum soll es da gehen?
Etwa um den Umgang mit Behörden – aber letztlich darum, wie man im Leben klarkommt, wie man Anträge stellt, seine Rechte wahrnimmt. Viele Menschen nehmen ja ihnen zustehende Unterstützungen nicht in Anspruch, weil Kenntnisse fehlen.
Ein zweiter Schwerpunkt ist das Thema Kita. Was fordern Sie da?
Erzieherinnen und Erzieher sollen nicht entlassen werden, sondern wir wollen den Personalschlüssel verbessern. Auch weil wir auf der Basis von Studien wissen, dass inzwischen auch die Problemlagen der Kinder in den Kitas vielfältiger geworden sind. Eine zweite Idee ist, dass multiprofessionelle Teams in Kitas aufgebaut werden, mit Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern sowie Sprachfachkräften.
Ein Aspekt von Armut ist ja auch, dass Teilhabe erschwert wird. Wie will Ihr Netzwerk dort die Situation von Kindern und Jugendlichen verbessern?
Eine Forderung ist ein kostenfreier öffentlicher Personennahverkehr, ÖPNV, für junge Menschen. Kinder aus wohlhabenden Familien werden gefahren oder kriegen frühzeitig ein Moped. Die anderen sind auf den ÖPNV angewiesen. Eine weitere Forderung ist die kostenlose Mitgliedschaft in Vereinen. Wichtig ist: Alle unsere Forderungen haben ein Ziel – kein Kind und Jugendlicher in Sachsen-Anhalt soll verlorengehen.
Eva von Angern ist Vorsitzende der Fraktion Die Linke im Landtag Sachsen-Anhalt
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