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Aus: Ausgabe vom 06.01.2026, Seite 5 / Inland
Einkaufen und Bezahlen

Hier nur Kartenzahlung

Verbraucherschützer: Barzahlung immer öfter nicht möglich. Kritisiert werden sozialer Ausschluss und Eingriff in Privatsphäre
Von Luca von Ludwig
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Selbst wenn man Geld hat, bringt es einem wenig, wenn es nicht als Zahlungsmittel angenommen wird

Dem Klischee nach lautet die traditionelle Begrüßung in deutschen Gaststätten: »Wir nehmen nur bar!« Doch bei immer mehr alltäglichen Geldtransfers stellt sich der Sachverhalt umgekehrt dar, und es wird schwierig, einen Einkauf mit Scheinen und Münzen zu bezahlen. »Die Akzeptanz von Bargeld für Zahlungen im Handel, der Gastronomie und für öffentliche Verwaltungsleistungen sinkt kontinuierlich«, sagte Dorothea Mohn vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) dazu am Montag.

Demnach gebe es durch die zunehmende Verbreitung von Selbstbedienungskassen immer öfter Hürden, Dinge des täglichen Bedarfs in Lebensmittel-, Drogerie- oder Baumärkten bar zu bezahlen. Auch bei Automaten, an denen Tickets für ÖPNV oder für Parkplätze gelöst werden, gebe es Probleme. Viele Behördenleistungen müssen mittlerweile ebenso mit der Karte gezahlt werden. Eine Umfrage im Auftrag des Verbandes habe ergeben, dass 30 Prozent der Menschen im letzten halben Jahr vor dem Problem standen, einen Kauf nicht in bar begleichen zu können.

Dies deckt sich mit den Erhebungen der Bundesbank zum Zahlungsverhalten. 2023 seien demnach bereits nur noch 51 Prozent der Zahlungsvorgänge über Barzahlung abgewickelt worden, ein Minus von sieben Prozent zur vorhergehenden Erhebung für das Jahr 2021. Die Bundesbank stellte weitergehend fest, dass die Debitkarte nicht mehr wie früher vor allem für große Beträge, sondern zunehmend auch für kleine Einkäufe verwendet wurde. Immer mehr Geschäfte nehmen Kartenzahlung an; 80 Prozent waren es 2023 gegenüber rund 60 Prozent 2021.

Der VZBV moniert, dass nicht nur Geschäfte und Behörden die Menschen immer öfter zu bargeldlosen Zahlungsmitteln drängen würden, sondern sich auch der Zugang zu Bargeld verschlechtere. Selbst in einigen Großstädten werden die Bankautomaten in der Nacht immer öfter abgeschlossen, auf dem Land gibt es immer seltener überhaupt welche. Die Banken und Sparkassen hätten wiederum ein handfestes Interesse an der verringerten Relevanz von Bargeld, weil sie dadurch Betriebskosten einsparen können, hieß es in einer Mitteilung zum Thema vom vergangenen März.

Zudem bedeuteten verringerte Möglichkeiten zur Barzahlung auch Einschränkungen insbesondere für Ältere und Jugendliche, so Mohn. Ähnlich sieht das auf jW-Anfrage auch Christin Willnat, Sprecherin für Verbraucherschutz der Linkspartei im Bundestag: »Wenn Bargeld zunehmend ausgeschlossen wird, droht eine schleichende soziale Ausgrenzung ganzer Bevölkerungsgruppen.« Gerade Ältere fühlten sich mit digitalen Zahlungssystemen oft unsicher, während viele Jugendliche keinen Zugang zu einem eigenen Konto hätten. Auch für Wohnungslose und Menschen mit Behinderungen sei Bargeld unverzichtbar.

Eine etwaige gänzliche Abschaffung der Barzahlung lehnen sowohl Willnat als auch Verbraucherschützerin Mohn ab. Bargeld sei »ein wichtiger Bestandteil gesellschaftlicher Teilhabe«, so Willnat, und schütze zudem die Privatsphäre. »Eine Abschaffung würde den Druck zur digitalen Überwachung erhöhen und Macht bei Banken und Zahlungsdienstleistern konzentrieren.« Der VZVB fordert seinerseits eine Bargeldakzeptanzpflicht für Barzahlungen, insbesondere bei Behörden. Auch eine Quote für bargelakzeptierende Automaten, beispielsweise in Supermärkten, sei eine Möglichkeit, Verbrauchern beim Bezahlen die Wahl zu lassen.

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