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Aus: Ausgabe vom 06.01.2026, Seite 10 / Feuilleton
HipHop

Taste drücken, laufen lassen

Könnte mehr rauschen: Nas und DJ Premiers HipHop-Album »Light-Years«
Von Thomas Salter
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»I’m like a farmer, planting words« – Nas (l.)

Die Zeit lässt sich vielleicht nicht zurückdrehen, das Band einer Kassette schon. Die schönsten musikalischen Momente lassen sich so loopen, man kann sie immer wieder abspielen. US-Rapper Nas kann ein Liedchen davon singen, oder besser: rappen. Das tut er dann auch auf seinem neuen Album »Light-Years«, für das er sich mit dem genialen Produzenten und Beatbastler DJ Premier (ehemals Gang Starr) zusammengetan hat, um die 90er wieder aufleben zu lassen. Insbesondere in dem Stück »Pause Tape«.

Pause Tapes waren bis Anfang der 90er Jahre eine beliebte Methode, Loops und Beats ohne teure digitale Sampler zu basteln. Man brauchte lediglich ein Tapedeck mit zwei Laufwerken: Ins erste Aufnahmelaufwerk ein leeres Tape einlegen, Pausetaste drücken, anschließend die Record-Taste scharfstellen. In das zweite Laufwerk ein Tape mit einem Soul- oder Funksong laden und abspielen. Wenn die geliebte Stelle kommt, im Aufnahmelaufwerk die Pausentaste lösen … einen Takt laufen lassen, 1, 2, 3, 4 … Pausentaste drücken. Dann das Soul- oder Funktape an die entsprechende Stelle zurückspulen und diesen schweißtreibenden Arbeitsschritt immerfort wiederholen. Rap-Künstler wie Q-Tip (A Tribe Called Quest) oder Posdnuos (De la Soul) produzierten so komplette Stücke, bevor Geräte wie der Emu SP12, später der Akai MPC auf den Markt kamen. Fortan waren nur noch ein paar Handgriffe nötig.

Es lässt sich nicht klären, ob sich DJ Premier für den Track »Pause Tape« der entsprechenden Technik bedient hat, ob er lieber mit dem Akai MPC oder mit einer langweiligen modernen Digital Audio Workstation gearbeitet hat. Jedenfalls rauscht der Song schön kassettig – und Nas rappt zum Beat gewohnt cool und wortgewandt prompt von der guten alten Aufnahmemethode.

Auch sonst steht das Album voll im Zeichen der Nostalgie. »NY State of Mind Pt. 3« ist der Versuch, das gemeinsame Stück »NY State of Mind« (1994) zu einer Trilogie fortzusetzen, fällt aber trotz der hübschen Referenz an das berühmte U-Bahn-Gebimmel des Originals – ein Sample aus »Flight Time« von Donald Byrde – dahinter zurück. Statt Premiers gewohnt inspiriert-komplexem Umgang mit Samples, die er oft »flipped« – meint, die ursprüngliche Position im Takt oder gleich Taktarten zu verändern –, dominiert in dem Track die einfachste Samplingtechnik: Der Refrain besteht schlicht aus dem Refrain von Billy Joels gleichnamiger Schnulze aus dem Jahr 1976.

In »Writers« huldigt Nas der im US-Rap bereits länger vernachlässigten Graffitikunst – ursprünglich eines der vier Basiselemente von HipHop –, doch fällt dem Rapper nach ein paar einleitenden Zeilen nichts weiter ein als ein Namedropping berühmter Sprayer, Taki 183, Jean-Michel Basquiat etc.

Das Album »Light-Years« reiht sich nahtlos ein in das Spätwerk von Nas und Premier, Lieblingselemente werden routiniert montiert und wiederholt. Leider fehlt all dem die Magie, die frühere Platten hatten. Vielleicht rauscht es auch einfach nicht genug.

Nas & DJ Premier: »Light-Years« (Mass Appeal)

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