Markt und Maske
Von Hagen Bonn
Erinnern wir uns: Der jugendliche Peter Parker wird von einer radioaktiv verstrahlten Spinne gebissen und erhält grandiose Kräfte. In seinem selbst entworfenen Kostüm schwingt er fortan als Spider-Man durch die Straßen von Queens (New York) und beschützt seine Nachbarn vor fiesen Schurken.
Die Anfang Dezember neu aufgelegte Comicserie zeigt uns Peter zuerst bei der (erfolglosen) Jobsuche. Rettung verspricht der Anruf eines alten Schulfreundes, der für ihn bei seiner Chefin bürgt. Doch das Vorstellungsgespräch muss ausfallen, denn es ist Spider-Mans Vermächtnis: »Aus großer Macht folgt große Verantwortung.« Da kann er den amoklaufenden Schurken Rhino nicht einfach gewähren lassen. Und überhaupt, in der Stadt stimmt etwas nicht, weiß Peters Kumpel Randy zu berichten, von Beruf Sozialarbeiter: »In East Harlem herrscht Chaos.« Spider-Man wird das bald selbst erleben, was freilich Peter kein Stück weiterbringt, im Gegenteil, der Job … Und da ist Shay, die er eben erst kennengelernt hat.
Alles beim Alten, was die vielen Fronten des Spinnenmannes angeht? Nein. Wenn das Cover noch eine völlig austauschbare Spidey-Pose zeigt, sieht das Rückcover aus, als wäre die Schminkpalette meiner Schwiegermutter in die volle Badewanne gefallen. Auf den zweiten Blick erkennt man, dass beide Cover aufgeklappt ein Bild ergeben und Spider-Man von einer Wuselhorde bedrängt wird. (Natürlich gibt es streng limitierte Auflagen mit Alternativcovern.) Im Innenteil punktet das Heft dann mit der gewohnten Bildmächtigkeit des Zeichnerteams John Romita jr. und Pepe Larraz. Hier darf man ruhig genauer hinschauen, um die Komplexität der Zusammenhänge zu erkennen. Weiter hinten im Heft, in einer anderen Story, treffen wir auf einen alten Bekannten: Norman Osborn. Als Superschurke Green Goblin einst ein mächtiger Feind, ist er nun, vom Wahnsinn befreit, nicht nur Spideys Freund, sondern auch willens, seine Schuld durch gute Taten abzugelten.
Ansonsten gilt: Der Held der Arbeiterklasse ist in seinem Kampf so einsam wie eine Blaumeise auf einer Straßenbarrikade aus Damenhandtaschen. Wir treffen allerorten auf einen extremen Individualismus, der mit seiner Heldenfetischisierung ein Abbild der heutigen Zustände im Markt-Masken-Kapitalismus gibt. Die Produktdiversifikation der Heldenmarken ist dabei fast schon beängstigend kreativ. Fast.
Joe Kelly (Text), Pepe Larraz (Zeichnungen), John Romita jr. (Zeichnungen): Spider-Man 1. Panini-Verlag, Stuttgart 2025, 48 Seiten, 5,99 Euro
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