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Aus: Ausgabe vom 02.01.2026, Seite 8 / Kapital & Arbeit
Energiepolitik

Uniper und die OPAL-Leitung

EU-Auflage: Größter deutscher Gasversorger muss Geschäftsanteile an Pipeline verkaufen – wegen Umstellung auf Wasserstoff fehlen Kaufinteressenten
Von Knut Mellenthin
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Winterliche Kulisse: Übernahmestation der 470 Kilometer langen Anbindungsleitung an der Ostsee (Lubmin, 16.12.2022)

Das größte Gasversorgungsunternehmen in Deutschland, Uniper, hat am 16. Dezember den Verkauf des 20prozentigen Anteils angekündigt, den es über eine Tochterfirma an der OPAL-Pipeline hält. Die rund 470 Kilometer lange Leitung führt von Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern durch Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Sachsen bis zur tschechischen Grenze bei Brandov. Gebaut wurde sie ursprünglich, um durch die Nord-Stream-Pipeline strömendes russisches Erdgas zu verteilen.

Damit ist es seit Beginn der Sanktionen 2022 vorbei. Künftig soll OPAL Teil eines ganz Deutschland umfassenden Wasserstoffkernnetzes werden, das eine Gesamtlänge von 9.040 Kilometern bekommen soll. Hauptsächlich sollen dafür bereits bestehende Erdgasleitungen umgestellt werden. Das geschieht, indem Wasserstoff hineingepumpt wird, um die Erdgasreste zu verdrängen. Bis zum Jahresende wurden auf diese Weise rund 400 Kilometer der OPAL-Pipeline durch eine »Initialbefüllung« benutzbar gemacht. Rein theoretisch könnte jetzt schon ständig Wasserstoff durch diesen Abschnitt fließen, der zwischen Lubmin bei Greifswald und Bobbau in Sachsen-Anhalt liegt.

Aber in der Realität fehlt es an interessierter Kundschaft: Experten weisen darauf hin, dass Wasserstoff mindestens dreimal so teuer sein wird wie das bisher verarbeitete Erdgas. Mit dieser Auskunft zitierte der Sender RBB am 11. Dezember eine Vertreterin des Unternehmens Gascade, das die übrigen 80 Prozent Anteile an der OPAL-Pipeline besitzt. »Das ist der Knackpunkt. Wasserstoff muss wettbewerbsfähig sein«, sagte Carina Gewehr dem RBB.

Trotzdem, bis Ende 2030 soll auch die Umstellung des übrig gebliebenen südlichen Abschnitts abgeschlossen sein. Das gesamte Investitionsvolumen des geplanten Wasserstoffkernnetzes wird auf 18,9 Milliarden Euro geschätzt. Bezahlt wird das als »Vorleistung« zunächst größtenteils aus dem Bundeshaushalt.

Mit der Ankündigung der Uniper-Geschäftsleitung vom 16. Dezember ist der 20-Prozent-Anteil an OPAL allerdings noch nicht verkauft, sondern nur die Ausschreibung eröffnet. Interessenten sind eingeladen, zwischen 15. und 29. Januar Namen, Anschrift und »Kontaktdetails« mitzuteilen. Später eingehende Bekundungen von Kaufinteresse würden nicht berücksichtigt, heißt es in einer Mitteilung der Geschäftsleitung.

Uniper stellt sich selbst vor als »europäisches Energieunternehmen mit globaler Reichweite und Operationen in über 40 Ländern«. Man beschäftige etwa 7.500 Menschen und spiele eine »Schlüsselrolle bei der Gewährleistung einer sicheren Energieversorgung in Europa, besonders in unseren Schlüsselmärkten Deutschland, dem Vereinigten Königreich, Schweden und den Niederlanden«. Allein in Deutschland beliefere Uniper rund 1.000 Kommunen und Industrieunternehmen mit Energie und Dienstleistungen. Das Unternehmen sei außerdem »Deutschlands größter Betreiber von Gasspeicheranlagen und Wasserkraftwerken«.

Dass Uniper trotzdem aus der OPAL-Pipeline aussteigen will, oder richtiger gesagt: muss, ist der Erfüllung von umfangreichen und vielfältigen EU-Auflagen geschuldet. Die Vorgeschichte: Durch die Unterbrechung der Nord-Stream-Leitung infolge eines Sprengstoffanschlags und die Notwendigkeit, Ersatz zu sehr viel höheren Preisen zu beschaffen, war Uniper als größter deutscher Gasversorger in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten geraten. Die Bundesregierung sprang ein. Am 21. Dezember 2022 genehmigte die EU-Kommission eine staatliche Beihilfe von bis zu 34,5 Milliarden Euro zur Rettung des Unternehmens. Diese Genehmigung war aber, zur Vermeidung langzeitiger »Wettbewerbsverzerrungen«, mit vielen Auflagen der EU verbunden. Dazu gehörte, dass die Bundesregierung sich verpflichten musste, bis Ende 2023 eine »glaubwürdige Ausstiegsstrategie« vorzulegen, um die staatliche Beteiligung an Uniper bis spätestens Ende 2028 auf höchstens 25 Prozent zu verringern. Das Unternehmen selbst muss bis Ende 2026 bestimmte Teile seines Geschäfts, darunter auch die Beteiligung an OPAL, verkaufen.

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