Schattenwirtschaft Care-Arbeit
Von Jens Walter
Küche und Bad putzen, Wäsche waschen, Hemden bügeln, Lebensmittel einkaufen, Kinder nach der Schule betreuen – all das bedeutet Unterstützung im privaten Alltag. In Deutschland beschäftigen mindestens vier Millionen Haushalte eine Haushaltshilfe – jedoch meist ohne Anmeldung, Sozialabgaben oder Steuern, wie ein am Dienstag veröffentlichter Kurzbericht des kapitalnahen Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) zeigt. Offiziell registriert sind demnach lediglich rund 275.000 Minijobs in Privathaushalten, hinzu kommen nur wenige sozialversicherungspflichtige Vollzeitstellen. Damit werden mehr als 90 Prozent der bezahlten Tätigkeiten in Privathaushalten informell ausgeübt. Im Jahr 2024 erwirtschafteten sie dem IW Köln zufolge einen Umsatz von etwa 8,6 Milliarden Euro.
Aus der CDU/CSU-Bundestagsfraktion wurden zuletzt Forderungen laut, Minijobs abzuschaffen. IW-Studienautor Dominik Enste warnt vor einem solchen Schritt: Wer Minijobs abschaffe, riskiere einen deutlichen Anstieg der »Schwarzarbeit«. Statt dessen sei entscheidend, Haushaltshilfen stärker in den legalen Arbeitsmarkt einzubinden. Geringfügig bezahlte Jobs eröffneten vielen Personen den Zugang zu regulärer Beschäftigung und erleichterten ihre Integration, betont Enste. Ein Gutscheinmodell nach belgischem Vorbild könne zudem den Einstieg in sozialversicherungspflichtige Arbeit vereinfachen und »illegale Geldströme« eindämmen.
Warum viele Haushalte ihre Hilfe nicht anmelden, zeigt ferner eine parallele, repräsentative IW-Befragung: Mehr als ein Drittel derjenigen, die Haushaltshilfen beschäftigen, glaubt, keine Schwarzarbeit zu betreiben – angeblich sei es nur »Nachbarschaftshilfe«. Eine Fehleinschätzung. Denn lediglich eine gelegentliche Unterstützung im Haushalt darf unversteuert vergütet werden. Wer regelmäßig und gegen Bezahlung putzen lässt, verfolgt aus Sicht des Gesetzes eine Gewinnabsicht – und beschäftigt illegal. Bei durchschnittlich 180 Euro Monatslohn und Stundensätzen von 15 bis 25 Euro dürfte das in der überwiegenden Zahl der Fälle zutreffen.
Rund ein Viertel der Befragten berichtet, dass die Haushaltshilfe selbst keine Anmeldung wünscht. Weitere 15 Prozent empfinden eine legale Beschäftigung als zu kostspielig – obwohl sie über die Minijobzentrale dank steuerlicher Vergünstigungen häufig sogar weniger zahlen würden als bei »Schwarzarbeit«. Denn Ausgaben für Tätigkeiten wie Putzen, Einkaufen und dergleichen können steuerlich geltend gemacht werden. Nur acht Prozent bemängeln den bürokratischen Aufwand.
Prekäre Beschäftigung im Privathaushalt – ein Fall für den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB)? Durchaus. Über staatliche Zuschüsse etwa mittels eines Gutscheinsystems müssten haushaltsnahe Dienstleistungen so reguliert werden, dass »gute Arbeit, sichere Löhne und vernünftige Arbeitsbedingungen geschaffen werden können«, hatte der Dachverband bereits im Juli gefordert. Profitieren würden vor allem Frauen.
Der Beleg: In Deutschland fallen jedes Jahr rund 37 Milliarden Stunden Hausarbeit an – 24 Milliarden davon werden von Frauen geleistet. Diese enorme Belastung schränkt ihre Erwerbstätigkeit stärker ein als Kinderbetreuung oder die Pflege von Angehörigen. Dennoch wird Hausarbeit weiterhin als reine Privatsache betrachtet. Das dürfe nicht so bleiben, betont der DGB.
Zu einer modernen sozialen Infrastruktur gehören nicht nur bedarfsgerechte Angebote der frühkindlichen Bildung und Betreuung sowie ausreichende Pflegekapazitäten. Ebensowichtig sind bezahlbare, verlässliche und qualitativ hochwertige Tätigkeiten im Haushalt, die Familien und Einzelpersonen spürbar entlasten.
Ergo: Care-Arbeit ist zentral für das kollektive Wohlbefinden und bildet die Grundlage dafür, dass Menschen überhaupt einer Erwerbstätigkeit nachgehen können. Dennoch gelten haushaltsnahe Dienstleistungen oft als einfache, wenig wertvolle Tätigkeiten. Diese Abwertung führt dazu, dass solche Arbeiten überwiegend von Frauen – häufig mit Migrationsgeschichte – unter besonders prekären Bedingungen ausgeführt werden.
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Leserbrief von Onlineabonnent/in Erich Lerch aus Nersingen (1. Januar 2026 um 20:58 Uhr)Viele »Arbeitgeber« von Haushaltshilfen wollen diese nicht anmelden, genauso, wie diverse Handwerksarbeiten gerne schwarz vergeben werden. Wir gehörten zur Minderheit derer, die dies lieber legal tun. Ebenso wie wir auf die Dienste von Schwarzarbeitern verzichteten. Aus verschiedenen Gründen. Beim Schwarzarbeiter hast du Pech, wenn sich seine Arbeit als Pfusch herausstellt. Und der Haushaltshilfe steht es schlicht zu, für ihre Arbeit, später auch Rente zu bekommen. Auch wenn die Beträge bescheiden sind, oft läppert es sich doch etwas und ich finde es unwürdig, sich im Alter auf Sozialhilfe verlassen zu müssen. Wir wollten die Angestellten also nur versichert beschäftigen, was sich allerdings als recht schwierig herausstellte. Wir haben schlicht niemanden gefunden.
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