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Aus: Ausgabe vom 02.12.2025, Seite 1 / Ansichten

Befehl von oben

Familienunternehmer und AfD
Von Arnold Schölzel
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Der Verband der Familienunternehmer e. V. hätte gewarnt sein können: Die Deutsche Bank kündigte ihm sofort den Raum in ihrer Berliner Filiale für seinen nächsten Parlamentarischen Abend, als bekannt wurde, dass er dort am 8. Oktober einen AfD-Bundestagsabgeordneten empfangen hatte. Dieser oder jener deutsche steuerflüchtige, aber patriotische Milliardär von Milch-Müller bis zum Immobilienhai mag für die Ex-Goldman-Sachs-Bankerin Alice »Hitler war Kommunist« Weidel und deren Partei schwärmen – fürstliche Geldgeschenke inbegriffen –, in den oberen Etagen des deutschen Kapitals ist es noch nicht soweit. Mag sein, dass dort einige Spuren des Versuchs, mit Harzburger Front 1929 und »Einbindung« der Nazipartei ins Reichskabinett 1933 aus dem damaligen Schlamassel der Weltwirtschaftskrise herauszukommen, schrecken, gewiss ist das nicht. Das hängt unter anderem vom Angebot der AfD für Extraprofit ab.

Den gewährleistet sie bisher nicht, nur das Gegenteil: Ihre wirtschaftspolitischen Programmpunkte laufen auf Hochrüstung hinaus, aber bei einer Rente in Höhe von 70 Prozent des Durchschnittsverdiensts. Sie will »Remigration«, also Schließung fast aller deutschen Krankenhäuser, Einstellung der meisten Buslinien und Abschreckung noch der letzten Fachkräfte, die überhaupt in das hiesige Paradies kommen wollen. Das wirre Zeug läuft auf Schaden für die Exportquote, also des deutschen Kapitals Heiligstes, hinaus.

Der Rückzug der Familienunternehmer vom Austausch mit führenden AfD-Leuten folgt dem Befehl aus der Herrschaftsriege, Austritte und Mediengezeter tun ihr übriges. Das Bequeme: Es ändert sich nichts. Verbandschefin Marie-Christine Ostermann hatte vor einer Woche erklärt, für einige ihrer Landesverbände habe es die »Brandmauer« ohnehin nie gegeben. An diesem Montag wiederholte das die Chefin des Maschinenbau-Familienunternehmens Trumpf (4,3 Milliarden Euro Umsatz 2024/25) im Handelsblatt. Der Verband darf weitermachen und warten, wann grünes Licht fürs Kuscheln mit Weidel und Co. kommt.

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  • Leserbrief von B.S. aus Ammerland (2. Dezember 2025 um 00:36 Uhr)
    Ehrlich gesagt … ich bin völlig überrascht, dass die »braune Alice« bei einer Bank gearbeitet hat, deren Gründer Marcus Goldman, Jude war. Entweder hat Goldman Sachs den Kompass verloren oder man, sprich Bank, schaut da nicht mehr so genau hin … Business as usual muss es da wohl heißen.
    • Leserbrief von Onlineabonnent/in Oliver S. aus Hundsbach (2. Dezember 2025 um 15:46 Uhr)
      Was zwischen 1933 und 1945 geschah, wird im Sinne der heutigen »globalen Marktteilnehmer« als bedauerlicher Betriebsunfall gewertet. Vom Libanon über Tel Aviv, von Teheran bis nach Riad und Washington hat die herrschende Klasse Geld in das globale Spielkasino investiert und ein Interesse daran, dass es so lange wie möglich weiterläuft. Ebenso wenig wie Krupp oder Flick innerlich überzeugte Antisemiten waren, ist Frau Weidel mit Sicherheit auch keine. Sie ist auch nicht per se ausländer- geschweige denn LGBTQIA+-feindlich. Sie wird einfach gut dafür bezahlt, den berechtigten und gefährlichen Hass der Proleten in eine dem Ausbeutersystem konforme Richtung zu lenken. Dass es dabei Verlierer und Sündenböcke geben muss, ist unvermeidbar: Arbeitslose, Landstreicher, beruflich unqualifizierte Ausländer – irakische Zahnärzte und Raketentechniker ausgenommen –, also grundsätzlich alle, aus denen sich kein Mehrwert herauspressen lässt.

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