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Aus: Ausgabe vom 28.11.2025, Seite 3 / Ansichten

Expertise des Tages: Ernährungsreport

Von Kristian Stemmler
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Dass es schmeckt, hoffen die meisten, wie ein neuer Bericht beweist

Unter den Gutachten, Umfragen und Reports, die Woche für Woche einer staunenden Öffentlichkeit präsentiert werden, ist manch Kurioses oder Sinnentleertes dabei. Was aber Landwirtschaftsminister Alois »den kennt fast keiner« Rainer (CSU) am Donnerstag in Berlin servierte, dürfte an Substanzlosigkeit schwer zu toppen sein. Der »Ernährungsreport 2025« mit dem mäßig lustigen Titel »Deutschland, wie es isst« könnte durchaus als Satire durchgehen.

Recht amüsant fängt schon das Vorwort des Ministers an: »Unser Land ist reich an leckeren, ausgezeichneten Lebensmitteln«, schreibt er. Und wer will ihm beim Gedanken an Currywurst oder Döner mit allem widersprechen? Auch die Überschrift des ersten Kapitels kann nicht überraschen: »Beim Essen zählt der Geschmack«. 98 Prozent der vom Institut Forsa im Auftrag des Ministeriums Befragten gaben an, es sei wichtig oder sehr wichtig, dass Essen gut schmeckt. An zweiter Stelle folgt – na, was wohl? –, dass das Essen gesund ist.

So geht es weiter. Das zweite Kapitel heißt: »Die meisten kochen gerne«. 71 Prozent der Befragten essen mindestens einmal am Tag Gemüse und Obst und 64 Prozent Milchprodukte wie Joghurt oder Käse. 24 Prozent nehmen (mehrmals) täglich Fleisch oder Wurst zu sich. Und: Tierwohl und »Bio« sind den Konsumenten seit 2015 wichtiger geworden. Wer hätte das gedacht?

Wer sich durch diese Banalitäten nicht vom Weiterlesen hat abschrecken lassen, findet im Report am Ende doch noch was Aussagekräftiges: nämlich dass deutsche Verbraucher wieder mehr auf den Preis achten. 74 Prozent der Befragten schauen beim Einkaufen auf Angebote. Deutlich mehr als 2020. Dass dies an den enormen Preissteigerungen bei Lebensmitteln liegt, die vor allem Geringverdiener belasten, verschweigt die Studie. Man will dem Leser ja nicht den Appetit verderben.

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich H. aus Stadum (28. November 2025 um 09:56 Uhr)
    Alois, den fast keiner kennt, ist ja auch nicht für die enormen Preissteigerungen bei Lebensmitteln zuständig. Um Zuständigkeit streiten Bundesministerium der Finanzen, Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend und Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Wenn das Kompetenzgerangel abgeschlossen ist, ist es GeringverdienerInnen erlaubt, auf Entlastung zu hoffen.

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