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Aus: Ausgabe vom 19.11.2025, Seite 3 / Ansichten

Letzte Bastion des Tages: U-Bahnhof Jungfernheide

Von Luca von Ludwig
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Scharfschützen gehören zwar zum Standardrepertoire urbaner Manöver, aber in U-Bahn-Stationen sind sie wohl reichlich deplaziert (Niederaichbach, 28.10.2025)

Wenn in der BRD der Chef sagt, das »Stadtbild« gefällt ihm nicht, dann wird das halbe Land in Bewegung gesetzt, um das zu beheben. Sogar die Bundeswehr – (noch) nicht, um auf die migrantischen Stadtbildstörer zu schießen, aber um einfach mal Präsenz zu zeigen. Begrünung des städtischen Raums, wenn man so will, wenn auch olivgrün. Unter dem überhaupt nicht albernen Manövernamen »Bollwerk Bärlin (sic!) III« kroch das sogenannte Wachbataillon in der Nacht auf Dienstag durch den Berliner U-Bahntunnel an der Jungfernheide.

Natürlich nicht nur zu Dekozwecken: In irgendeiner Amtsstube hat irgendein Soldat mit mehr Abzeichen auf der Schulter entschieden, seinen Untergebenen täte es ganz gut, mal so richtig realitätsnah den Einsatz im urbanen Raum zu proben. Sicherlich eine willkommene Abwechslung zum Gänsemarsch durch entlegene Waldstücke. Trainiert wurde, so die Bundeswehr, der Einsatz »gegen irreguläre Kräfte« im »dynamischen urbanen Umfeld«. Das Wachbataillon, muss man dazu wissen, ist im Kriegsfall mit der Verteidigung von Regierungseinrichtungen und wichtigen Personen betraut.

Beherbergt der U-Bahnhof Jungfernheide ein geheimes NATO-Kommandozentrum? Wird unsere Sicherheit jetzt in der U 7 verteidigt? Oder möchten sich namhafte Politiker hier im Ernstfall einbunkern? Vielleicht hatten die Soldaten ja einfach keine Lust auf einen Platz an der Sonne. Man weiß es nicht. Es sollte hellhörig machen, in welchem Maße sich das Militär neuerdings mit dem Krieg im tiefsten Inneren befasst, erst vor kurzem in Norddeutschland das Manöver »Red Storm Bravo« mit einer Übung zur Niederschlagung von zivilem Widerstand. In der Berliner U-Bahn kam der Bundeswehr immerhin nicht die Polizei in die Quere – im oberbayerischen Erding verteidigten die Ordnungshüter ihr Revier jüngst heldenhaft mit der Waffe in der Hand.

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  • Leserbrief von Reinhard Hopp aus Berlin (19. November 2025 um 10:01 Uhr)
    Dieser destruktive militärische Schwachsinn greift immer weiter und schneller um sich wie ein Flächenbrand, und nirgends ist man mehr vor dieser Bedrohung sicher. Eine zunehmende Kriegsgefahr für uns alle und unser Land!
  • Leserbrief von Tom aus Berlin (19. November 2025 um 01:18 Uhr)
    Was für ein Clickbait für das, die Bundeswehr sowieso ablehnende, von euch sogenannte, Friedenslager. Jeder Pendler, der am Bahnhof Junfernheide in die U-Bahn der Linie U7 umsteigt, weiß, dass der U-Bahnhof zwei Ebenen hat, jede mit Mittelbahnsteig, die Züge Richtung Spandau halten unten, die nach Rudow oben. Das jeweils andere nichtbenutzte Gleis stammt aus einer Bauvorleistung für eine mal geplante, aber nie gebaute U5. Diese beiden Bahnsteigkannten sind vollständig von einem durchgehenden roten Zaun vom benutzen Bahnsteig abgetrennt. Wahrscheinlich hat jeder Pendler dort schon Gruppen von auszubildenden BVG-Mitarbeitern oder Feuerwehr-Azubis gesehen: »In einem Teil des Bahnhofs und dem sich anschließenden nicht genutzten Streckentunnel befindet sich die Feuerwehr-Übungsanlage der Berliner U-Bahn. Sie wurde am 14. Juli 2003 eingeweiht. Die Anlage ist 350 m lang, einschließlich einer 90 m langen Rauchkammer.[6] Neben dem BVG-eigenen Personal trainieren im Notfallübungscenter (NÜC) auch Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei, Notärzten und Technischem Hilfswerk Brandbekämpfung und Evakuierung. Auch ein Notausstieg kann in die Übungen einbezogen werden.[7]« Quelle Wikipedia (Bahnhof Berlin Jungfernheide – Wikipedia https://share.google/nGvuMVDqaAlkfYk0h Also das dort verschiedene Einsatzkräfte üben, ist kein Skandalon, noch sonst irgendwie etwas ungewöhnliches. Höchstens interessant für an der Geschichte der Berliner U-Bahn, all den geplanten und dann nicht verwirklichten Planungen und sogenannten Geistertunneln, interessierten U-Bahn-Nerds.
    • Leserbrief von Onlineabonnent/in Marian R. (20. November 2025 um 08:47 Uhr)
      Zitat: »Clickbait« = reißerische Überschrift. Vielleicht ist der Autor, Herr Tom, der deutschen Sprache nicht mächtig? Trotzdem darf er demnächst die BRD gegen uns Friedenslageraktivisten und den Feind im Osten verteidigen. Dass er Feuerwehrübungen u. ä. mit militärischen vergleicht, zeigt, dass sein Intellekt genau dem als Bundeswehrkanonenfutter benötigten entspricht.
    • Leserbrief von Onlineabonnent/in Joachim S. aus Berlin (19. November 2025 um 12:00 Uhr)
      Lieber Tom, deine Ruhe möchte ich haben. Du wirst wohl erst ernsthaft erschrecken, wenn ein Soldat aus deinem Wäscheschrank tritt, um dich mit an die Front zu nehmen. Und noch was: Gibts für den »Clickbait« auch ein deutsches Wort? Manch einer versteht dich sonst nicht so recht.
    • Leserbrief von Onlineabonnent/in Torsten Andreas S. aus Berlin (19. November 2025 um 11:58 Uhr)
      Klingt informativ, aber bitte was, liebe/r Tom, soll ein sogenanntes (Komma) Friedenslager denn sein? Ist mir vollkommen unbekannt, aber soll von der jW-Leserschaft gegen die Bundeswehr der BRD ausgerichtet sein? Und soll nur dieses Unwesen/Ungetüm betreffen, also ausschließlich diese Kriegsmaschinerie? Liebe/r Tom! Vielen Dank für Ihre/Deine Fleißleistung! Und: Was lesen wir denn sonst so zur Erhellung des Stadt- und Weltbildes? Mehr so alte Welt? Klingt vielversprechend, Tom.

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