Top Gun für Riad
Mohammed bin Salman ist wieder vollständig rehabilitiert. Nachdem 2018 der Journalist Jamal Khashoggi im saudischen Konsulat in Istanbul ermordet worden war, wurde Saudi-Arabiens Kronprinz nicht mehr zum offiziellen Staatsbesuch nach Washington geladen. Bis zu diesem Dienstag. Und US-Präsident Donald Trump hatte schon am Vortag ein beträchtliches Geschenk verkündet: Saudi-Arabien soll als erstes Land neben Israel im Nahen Osten F-35-Kampfjets erhalten. Im Gegenzug winken den USA Investitionen in Höhe von 600 Milliarden US-Dollar.
Nicht ohne Stolz schreibt die saudische Tageszeitung Asharq Al-Awsat zu dem angekündigten Deal, das »Königreich« sei »das 21. Land, das sich der ausgewählten Gruppe anschließt, die das Kampfflugzeug besitzen, das als das weltweit fortschrittlichste gilt«. Das Waffengeschäft markiert eine bedeutende Verschiebung der US-Nahostpolitik. Denn seit mehr als vier Jahrzehnten gilt die Doktrin, dass Israel der einzige Akteur in der Region ist, der die modernste US-Waffentechnologie erhält.
Entsprechend hysterisch fallen die Reaktionen in Israel auf den drohenden Verlust der regionalen militärischen Vorherrschaft aus: »Die derzeit größte politische und strategische Bedrohung für Israel geht nicht von Teheran oder Gaza aus, sondern entsteht in Riad«, schreibt Haaretz. Denn die Annäherung zwischen Washington und Riad erfolgt ohne vorherige Normalisierung der Beziehung Saudi-Arabiens zu Israel. Der Tenor: Trump übergeht Tel Avivs Bedenken, und Riad könnte sein Ziel erreichen, einen langfristigen Verteidigungspakt mit den USA zu schließen, ohne auf Israel zugehen zu müssen. In der New York Times hat man dagegen ganz andere Sorgen: Laut einem »Geheimdienstbericht« könnte »China die Technologie erlangen, wenn der Kauf zustande käme«. Denn bin Salman pflege enge Kontakte nach Beijing.
Laut dem israelischen Nachrichtenportal Ynet »ist es verfrüht, in Panik zu geraten«. Die F-35-Jets im israelischen Bestand seien immer noch denen für Saudi-Arabien überlegen. Außerdem behalten sich die USA vor, die Kampfflugzeuge einfach »abzuschalten«, sollten sie sich gegen die falschen Ziele richten. Dennoch, die Gefahr sei plausibel, dass es im Königreich zu einem »Umsturz« kommt, »der extremistische islamistische Elemente an die Macht bringen würde«. Als wäre mit dem Wahhabismus nicht seit jeher die fundamentalistischste Strömung des Islam Staatsdoktrin in Saudi-Arabien. Eine Antwort kennt die Ynet aber auch hierfür: alle Kampfjets kaputtbomben, bevor sie gegen Israel eingesetzt werden könnten. (dss)
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Leserbrief von Istvan Hidy aus Stuttgart (19. November 2025 um 10:24 Uhr)Military Watch berichtet, dass die Wartungskosten des F-35-Programms innerhalb von sechs Jahren um 44 Prozent gestiegen sind – von rund 1,1 Billionen US-Dollar im Jahr 2018 auf 1,58 Billionen US-Dollar im Jahr 2023. Die Kritik konzentriert sich dabei nicht nur auf die hohen Anschaffungskosten, sondern vor allem auf die Lebenszykluskosten des Jets – also Betrieb, Ersatzteile und Wartung. Genau dieser Aspekt wird in der öffentlichen Debatte über die F-35 häufig unterschätzt oder völlig übersehen. Die stark wachsenden Betriebskosten sind mittlerweile einer der zentralen Kritikpunkte am gesamten Programm: Nicht nur die Produktion ist teuer, vor allem der laufende Unterhalt belastet das System massiv. Abgesehen von Saudi-Arabien kann kaum ein Staat diesen Flugzeugtyp langfristig finanzieren – selbst die USA haben zunehmend Schwierigkeiten damit.
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