Gegründet 1947 Sa. / So., 03. / 4. Januar 2026, Nr. 2
Die junge Welt wird von 3063 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 19.11.2025, Seite 1 / Ansichten

Recht des Stärkeren

UN-Sicherheitsrat zu Gaza
Von Jörg Tiedjen
Israel_Palestinians_87912525.jpg

Der Skandal ist da. Aber kaum jemand scheint ihn wahrzunehmen. Statt dessen wird gefeiert, dass der UN-Sicherheitsrat in New York am Montag (Ortszeit) Donald Trumps 20-Punkte-Plan für Gaza abgesegnet hat. Ohne Gegenstimme und bei Enthaltungen Chinas und Russlands. Letzteres hatte einen eigenen Resolutionsentwurf eingebracht. Der verabschiedete Text »begrüßt die Bildung eines Friedensrats für Gaza, genehmigt die Entsendung einer internationalen Stabilisierungstruppe und ermöglicht die Einrichtung eines palästinensischen Exekutivkomitees zur Wahrnehmung der Regierungsgeschäfte in Gaza«, heißt es frohlockend in einer UN-Mitteilung. Der US-amerikanische UN-Botschafter Mike Waltz sprach von einer »historischen« Entscheidung und einem Neubeginn für Nahost. Auch der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu zeigte sich zufrieden und sieht eine »Ära des Wohlstands« anbrechen. Selbst die Palästinensische Nationalbehörde in Ramallah begrüßte den Beschluss. Schließlich soll sie an dem Kolonialprojekt beteiligt werden.

Genau das ist es aber: ein Kolonialprojekt. Denn die Palästinenser in Gaza sollen nicht nur unter internationale Verwaltung gestellt werden. Mehr noch bleibt der Küstenstreifen auf unabsehbare Zeit von den anderen palästinensischen Gebieten isoliert, und windige Investoren dürfen dort auf den von der israelischen Armee hinterlassenen Trümmerfeldern die Trumpschen Träume von einer »Riviera der Levante« umsetzen. Man braucht nicht erst darauf zu verweisen, dass die israelische Gewalt auch am Dienstag anhielt und erneut in der Westbank ein Journalist des Senders Al-Dschasira getötet wurde, um festzuhalten: Das Votum des Sicherheitsrats widerspricht dem Recht der Palästinenser auf Selbstbestimmung und damit einem fundamentalen UN-Prinzip. Es legt die Saat für weitere Konflikte. Wie aber schon die Sicherheitsratsresolution zur Westsahara von Ende Oktober zeigte: Die UN-Charta ist heute gleich mehreren Vetomächten egal. Das Recht des Stärkeren hat sich im höchsten Weltgremium durchgesetzt.

Friedenspropaganda statt Kriegsspielzeug

Mit dem Winteraktionsabo bieten wir denen ein Einstiegsangebot, die genug haben von der Kriegspropaganda der Mainstreammedien und auf der Suche nach anderen Analysen und Hintergründen sind. Es eignet sich, um sich mit unserer marxistisch-orientierten Blattlinie vertraut zu machen und sich von der Qualität unserer journalistischen Arbeit zu überzeugen. Und mit einem Preis von 25 Euro ist es das ideale Präsent, um liebe Menschen im Umfeld mit 30 Tagen Friedenspropaganda zu beschenken.

links & bündig gegen rechte Bünde

Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.

  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Martin M. aus Paris (19. November 2025 um 13:15 Uhr)
    Dieser kurze Artikel kommt mit Verspätung und hätte m. E. etwas detaillierter gleich nach dem Beschluss des Sicherheitsrates auf der ersten Seite erscheinen müssen. Die Haltungen Chinas und Russlands zeigen auch, dass Palästina – wie auch Westsahara und Kurdistan, um nur einige unterdrückte Nationen und Völker zu erwähnen – im »geopolitischen Spiel« (zynisch gemeint) einen Dreck zählen. Lasst sie halt verrecken.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Peter S. aus Berlin (19. November 2025 um 11:20 Uhr)
    Interessant wäre sicherlich auch, den Verbleib der vor wenigen Jahren erst entdeckten reichen Erdgasfelder im Schelfstreifen vor Gaza zu verfolgen. Diese gehören den Palästinensern. Damals hatten israelische Offizielle vorgeschlagen, die Ausbeutung gemeinsam mit Palästina zu beginnen, was die Hamas empört abgewiesen hatte. Ungefähr ein Jahr später kam es dann (fast wie auf Bestellung) zum Hamas-Überfall auf Israels Grenzstreifen, was Israel den Vorwand bot, die Eigentümer der Erdgasfelder zu vernichten und zu vertreiben und sich die Vorkommen anzueignen. Einiges spricht also dafür, dass der Gaza-Krieg eigentlich ein Rohstoffkrieg des an Bodenschätzen armen Israel war. Für Erdgasfelder im Wert von möglicherweise einigen hundert Milliarden braucht man eben so ein Sender-Gleiwitz-Ereignis, der wahre Grund muss unbedingt verschleiert werden. Jetzt musste die Hamas kapitulieren, internationale Raubkapitalisten (die sich natürlich »Investoren« nennen lassen) teilen die Beute unter sich auf. Die Palästinenser sind raus. Der »Fluch der Bodenschätze« hat wieder zugeschlagen. Dem Land mit den größten Rohstoffvorkommen der Welt (mit rund 25 Prozent aller Bodenschätze des Globus) sei es ins Handbuch geschrieben: Sie werden niemals aufhören mit ihren Eroberungsversuchen. Die Beute ist zu groß, und zu lecker. Wenn man eine Bevölkerung so verdummen kann, dass sie die Köpfe hinhält, statt dagegen auf die Straße zu gehen, ist schon der halbe Weg absolviert.

Mehr aus: Ansichten