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Todesliste

Auf dem Instantmessagingdienst Telegram kursiert eine Todesliste mit 342 Namen von Bundestagsabgeordneten, die am vorigen Mittwoch für das Bundesimpfschutzgesetz gestimmt haben. Sie soll um Namen weiterer prominenter Befürworter strengerer Coronamaßnahmen erweitert werden. Die Plätze auf der Liste sind begehrt, nicht jeder kommt drauf. Es gibt Wartezeiten bis Ende Juli.

FDP-Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki, Kämpfer für die Rechte der Geimpften, Getesteten und mit Füßen getretenen Genesenen hält das Bundesimpfschutzgesetz zwar für illegal und verfassungswidrig und reichte mit der gesamten FDP-Bundestagsfraktion eine Klage beim Bundesverfassungsgericht ein, aber eine pauschale Todesliste mit Abgeordneten, die seine Meinung nicht teilen, hält er für etwas übertrieben. Man müsste von Fall zu Fall entscheiden.

Hoffentlich sind wir nicht alle Opfer einer zweiten Scherzwelle aus dem Dunstkreis der umtriebigen »#allesdichtmachen«-Schauspielertruppe um Jan-Josef Liefers, Heike Makatsch und Ulrich Tukur oder, noch schlimmer, Opfer von Satire und Ironie. Denn dann gnade uns der Herr des Shitstorms.

Zumindest von Liefers ist durchgesickert, dass er noch etwas weit Schlimmeres beabsichtigt. Als Antwort auf Medizinbloggerin »Doc Caro« (Anästhesiologin Dr. Carola Holzner) und ihre »#allemalneschichtmachen«-Gegeninitiative zu »#allesdichtmachen«, will Liefers – quasi als Wiedergutmachung – eine Schicht im Rettungsdienst oder auf einer Intensivstation verbringen und im Weg stehen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 30.04.2021, Seite 10, Feuilleton

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