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Kulturpolitik

Mancherlei Verrohung

Der Präsident des Goethe-Instituts, Klaus-Dieter Lehmann, hat vor wachsendem Einfluss rechter politischer Strömungen auf den Kulturbetrieb gewarnt. »Unsere Gesellschaft verändert sich zunehmend in lautstarker Auseinandersetzung, in Manipulation, Täuschung und Simplifizierung, in Verrohung der Sprache«, sagte Lehmann am Mittwoch in Berlin zur Eröffnung der Deutsch-israelischen Literaturtage laut Redemanuskript. Europa und speziell Deutschland erlebten deutlichen Zulauf zur »Neuen Rechten«, »Ressentiments und Feindbilder entstehen, ausländerfeindliche Politik und Parolen gegen Minderheiten gewinnen Schwungkraft«. Kultur werde »schleichend, aber mit einer klaren Ausrichtung«, in den Dienst »nationaler Erzählungen« gestellt. Gleichzeitig forderte Lehmann die Fähigkeit zum Diskurs. »Kultur ist immer auch Auseinandersetzung. Die muss geführt werden, mit Argumenten und Offenheit. Es darf keine Tabuisierung der Gedankenfreiheit geben.«

Ob jemand, der von Parolen mit Schwungkraft und der Tabuisierung der Gedankenfreiheit faselt, zudem einer Institution vorsteht, die höchst prekäre Arbeitsbedingungen und die massenhafte Beschäftigung von Scheinselbständigen zu verantworten hat, nicht selbst an der Verrohung der Sprache und der Verhältnisse teilhat, sagte Lehmann nicht. Das Erstarken »rechtspopulistischer« Politik ist das Thema der vom Goethe-Institut und der Heinrich-Böll-Stiftung organisierten Literaturtage, die am Sonntag enden. (dpa/jW)

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Erschienen in der Ausgabe vom 06.09.2019, Seite 11, Feuilleton

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