Aus: Ausgabe vom 13.12.2017, Seite 11 / Feuilleton

A wie Ausbeutung

Zur Jahrespressekonferenz des Goethe-Instituts

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Kämpft gern um die Rückführung von »Beutekunst« aus der ehemaligen Sowjetunion: Klaus-Dieter Lehmann

Neben Erfolgsmeldungen zur Frequentierung von Sprachkursen und Kulturangeboten ging es bei der Jahrespressekonferenz des Goethe-Instituts (GI) am Dienstag in Berlin um miese Arbeitsbedingungen und stockende Expansionsbestrebungen. Der kaufmännische Direktor Rainer Pollack nannte die finanzielle Situation der Institute im Inland »angespannt«. Immerhin hätten Kostensteigerungen in den Auslandsfilialen unter anderem durch »Strukturkosten-Optimierungen« aufgefangen werden können. Wie der Unterschied in den Bilanzen zustande kam, ist ein offenes Geheimnis: Die freien Mitarbeiter des Instituts im Inland haben Interessenvertretungen. Seit Jahren kämpft die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) gegen die Honorarverträge, die das GI für seine freien Mitarbeiter vorhält, womit laut GEW »zwangsläufig Lohndumping« verbunden ist. In diesem Jahr hat nun die Rentenversicherung eine Prüfung veranlasst, die klären soll, ob das GI im großen Stil Scheinselbständige beschäftigt. Man sei darüber »in konstruktiven Gesprächen«, beteuerte GI-Generalsekretär Johannes Ebert am Dienstag.

Eines seiner Hauptziele des GI ist die Vermittlung eines »Deutschlandbildes«. Im Präsidium sind Bundesfinanzministerium und Auswärtiges Amt (AA) vertreten. Letzteres kann bei »politisch schädigendem Verhalten von Mitarbeitern deren sofortige Suspendierung erwirken. Nach 1989/90 gründete das GI zahlreiche Büros in Osteuropa. Dort führe man »plötzlich wieder Diskussionen, die viele von uns für ausgestanden gehalten hatten«, erklärte Ebert, und versprach, weiter »das Gespräch (zu) suchen – auch dort, wo Gemeinsamkeiten nicht auf der Hand liegen«.

GI-Präsident Klaus-Dieter Lehmann, bekannt als Kämpfer für die Rückgabe deutscher »Beutekunst« aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion und auch Mitglied im Kuratorium der Bertelsmann-Stiftung, äußerte sich schließlich erstaunlich vernünftig zum vom AA forcierten Engagement in Afrika. Die deutsche Kolonialvergangenheit sei bisher nur sporadisch aufgearbeitet, erklärte er. Die afrikanische Sicht der Dinge erscheine hierzulande immer noch sehr homogen. Geboten sei, »die afrikanischen Geschichtsdiskurse differenzierter wahrzunehmen«. Ab 2018 will das GI ein entsprechendes Pilotprojekt mit afrikanischen Wissenschaftlern auflegen. Derzeit hat es 159 Institute in 98 Ländern.(jW)


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