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Aus: Ausgabe vom 06.09.2019, Seite 11 / Feuilleton
Theater

Nur wer sich bewegt ... »Rosa – Trotz alledem« auf Brasilien-Tour

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Ein Erbe, das noch im letzten Winkel des Regenwaldes am Amazonas von Bedeutung ist: Rosa Luxemburg (Susanne Jansen, r.)

»Und nun spielen wir dort, wo es brennt«, schrieb Regisseurin Anja Panse vor dem Abflug nach Brasilien. Am Wochenende beginnt in São Paulo die Gastspieltournee ihres Stückes »Rosa – Trotz alledem«. Das ist seit der Premiere im Sommer 2017 schon viel herumgereist, wurde erfolgreich auch auf der Rosa-Luxemburg-Konferenz und dem UZ-Pressefest auszugsweise aufgeführt. Am Anfang beugt sich Susanne Jansen in der Titelrolle herunter zu einer Rosa-Luxemburg-Puppe und bekommt von der scheinbar ihren Text eingeflüstert: »Mein Ideal ist es, alle zu lieben. Im Streben danach und im Namen dieses Ideals ist es mir vielleicht auch vergönnt zu hassen!«

In der nächsten Szene wird sie von den Bluthunden der SPD misshandelt, verhöhnt, ermordet. Dann wird auf das Leben der Arbeiterführerin zurückgeblickt, wobei Regisseurin Panse auch Traum- und Assoziationssequenzen einbaut, Zitate von Naomi Klein und Passagen einer Rede von Sahra Wagenknecht.

Die Tour durch Brasilien wird vom dortigen Goethe-Institut und der Rosa-Luxemburg-Stiftung organisiert. Auftakt ist in São Paulo. Es folgen Auftritte in Rio de Janeiro, Porto Alegre und Salvador. Die Regisseurin ist mit vier Schauspielern angereist, Hauptdarstellerin Jansen hat ein Zitat von Luxemburg zu ihrem Motto der Tour erkoren: »Nur wer sich bewegt, spürt seine Fesseln.« Sie wird den Zuschauern in Brasilien die Tränen der Revolutionärin über das Schwinden der Singvögel nahebringen, »dieser wehrlosen, kleinen Geschöpfe«, deren »Nist- und Nahrungsbedingungen Schritt für Schritt vernichtet« würden durch rationalisierte Landwirtschaft. Zum tiefen Gefühl kam bei Rosa Luxemburg immer der scharfe Verstand.

Es geht im Stück auch um ihre unkonventionellen Liebesbeziehungen, ihre Begeisterung für Opern und Literatur, ihre Auseinandersetzungen mit Lenin. Ein Erbe, das noch im letzten Winkel des Regenwaldes am Amazonas von Bedeutung ist. Denn: »Es ist ein immanentes Gesetz der kapitalistischen Produktionsweise, dass sie danach strebt, nach und nach selbst die entlegensten Orte miteinander materiell zu verknüpfen, in ökonomische Abhängigkeit voneinander zu bringen und schließlich die ganze Welt (…) dem Gedanken der Profitmaximierung« zu unterwerfen. Mit diesem Luxemburg-Zitat verabschiedete sich Anja Panse am vergangenen Sonntag nach Brasilien. Er ist auf dem Blog nachzulesen, der während der Tour gepflegt werden soll. (jW)

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