Hessens Bester
Von Marc Hairapetian
»Du hast doch alles: Du brauchst so ’ne Plage vom Fernseher bis zur Stereoanlage«, wusch der hessisch babbelnde Gerd Knebel, Frontmann der 1979 in Offenbach begründeten Kultband Flatsch!, in »Sei doch mal ’n bissi lieb« als spießige Mutter der Tochter den Kopf: »Und als Dank, wie könnt’ es anners sein, schleppst du uns en Ausländer rein.« In vielen Nachrufen auf den am 24. Januar mit 72 Jahren an Krebs verstorbenen Sänger, Schauspieler und Komödianten wurde Flatsch! prompt unterschlagen. Sehr viel mehr zu lesen war über das, klar, geniale Comedy-Duo Badesalz, Henni Nachtsheim war hier Knebels Partner.
Dabei war die bis 1988 bestehende Gruppe Flatsch! bereits überzeugend politisch unkorrekt (und klug), als es den Begriff quasi noch gar nicht gab. Benannt nach dem Geräusch, das eine Torte macht, wenn sie im Gesicht landet, boten der sich durch die Stücke kaspernde Knebel und die anderen eine tolle Bühnenshow, verteilten gekonnt satirische Hiebe, Slapsticknummern, Kostümwechsel inklusive.
Der zweifache Vater Knebel, der auch auf der 84er Platte »Volle Lotte« von den Rodgau Monotones sang und mitgetextet hatte, erfand dann mit seinem Kumpel Henni Nachtsheim das Badesalz-Theater. Als Nebenbeschäftigung gedacht, waren Badesalz alsbald das große Aushängeschild der beiden. Insgesamt drei Sketchsendungen hatten sie am Start: »Och Joh« (1990, ARD), »Comedy-Stories« (1999–2000, Sat. 1) und 2007 die eigene »Badesalz«-Show bei Comedy Central. 1991 enterten sie mit der Sprechplatte »Nicht ohne meinen Pappa« die Charts, mischten 1998 »Wetten, dass.. ?« gehörig auf.
Knebel sorgte später mit Kabarettsoloprogrammen wie »Wörld of Drecksack« (ab 2013) oder »Weggugge« (ab 2018) für ausverkaufte Säle. »Und auch wenn ihr es vielleicht nicht glauben mögt … er hat uns noch in den letzten Minuten zum Lachen gebracht«, schreibt Nachtsheim, der etwas größere Eintracht-Frankfurt-Fan der beiden, auf der Badesalz-Website über den besten, weil humorvollsten und scharfsinnigsten Botschafter, den Hessen je hatte.
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