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Aus: Naher Osten, Beilage der jW vom 15.05.2024
Naher Osten

Palästina in Trümmern

Nach 76 Jahren ist der durch Israels Staatsgründung befeuerte Territorialkonflikt zerstörerischer denn je
Von Ina Sembdner
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Symbol für das Recht auf Rückkehr: Das Ehepaar Hafez lebt im Flüchtlingslager Al-Dschalasun nahe Ramallah und bewahrt die Schlüssel zu ihren Häusern, aus denen sie vertrieben wurden, auf – wie Hunderttausende weitere Palästinenser (14.5.2011)

Die aktuelle Eskalation im sogenannten Nahostkonflikt bedarf der Kontextualisierung. Diese Beilage, die am 76. Nakba-Tag erscheint, versucht dazu einen Beitrag zu leisten. Die Nakba – das arabische Wort für Katastrophe – markiert den Beginn von massenhafter Vertreibung, Zerstörung, Gewalt und Tod für zunächst Hunderttausende und mittlerweile Millionen Palästinenser. Um zu verstehen, was am 7. Oktober passiert ist und in dessen Folge passiert, ist es notwendig, sich die vergangenen 76 Jahre seit der Staatsgründung Israels anzuschauen – mindestens, denn die Geschichte der kolonialen Bewegung des Zionismus reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück.

Knut Mellenthin seziert in seinem Text »Wie ›die Welt‹ Palästina teilte« die von der israelischen Propaganda vorgegebene und vom westlichen Mainstream weitgehend übernommene Vorstellung eines globalen Schulterschlusses zur Landfrage in dem britisch verwalteten Gebiet. Während »die Welt« 1947 eine kolonial und imperial dominierte war, leben heute in den damals marginalisierten Regionalgruppen der UNO rund 75 Prozent der Weltbevölkerung. Was folgte, waren Gewalt und Vertreibung. Der palästinensische Geograph und Historiker Salman Abu Sitta schildert im Gespräch mit Jamal Iqrith, wie er die Zeit der Nakba als Zehnjähriger miterleben musste. Er hat detailliert ausgearbeitet, wie es möglich wäre, das von der UNO garantierte Recht auf Rückkehr umzusetzen.

Ungeachtet dessen, ist man in Israel zum hochtechnologisierten Töten übergegangen. Jakob Reimann schildert in »Heiliges Land hochgerüstet« die Entwicklung von jüdischen Selbstverteidigungseinheiten und Terrorgruppen bis hin zum Einsatz tödlicher künstlicher Intelligenz im aktuellen Gazakrieg. Unterstützung in Form von Rüstungslieferungen erhielt und erhält Israel dabei von finanzstarken Verbündeten, allen voran den USA, gefolgt von Deutschland, als junger Staat aber auch von der Tschechoslowakei. »Die bedingungslose Unterstützung Israels« ist eines der Kernprobleme, die der israelische Journalist Gideon Levy für die anhaltende Gewalt und die Kriege verantwortlich macht. Dafür, dass sie auch in politische Entscheidungen umgemünzt wird, sorgt die besonders in den USA mächtige Israel-Lobby. In dem Land selbst sorgt der vom israelischen Historiker Moshe Zuckermann analysierte »Riss zwischen unten und oben« für eine tiefgehende Spaltung der Gesellschaft: Während die aus Europa eingewanderten Aschkenasim die Eliten des Landes stellen, sammeln sich die sozioökonomisch abgehängten Mizrachim in religiös-ideologischen Parteien wie der »Schas«.

Auch im aktuellen Krieg taucht immer wieder die Frage nach der Verantwortung arabischer Staaten auf. Wiebke Diehl kann in ihrem Text nur den »Verrat an Palästina« konstatieren. Während sich die Risse im arabischen Gefüge bereits vor der Staatsgründung Israels zeigten, begann mit dem ägyptischen Präsidenten Anwar Al-Sadat 1979 der bis heute fortgesetzte Weg der »Normalisierung« – immer im Spannungsfeld mit jeweils deutlich palästinasolidarischen Bevölkerungen. Aber auch das bedeutet für die Hunderttausenden, die während der Nakba vertrieben wurden und in diesen Ländern Zuflucht fanden, keine Besserung. Sie leben dort zumeist in Flüchtlingslagern »Ohne Staat, ohne Rechte«, wie Karin Leukefeld an den Beispielen Syrien, Jordanien und Libanon nachzeichnet.

In ihrem von Israel besetzten Land selbst erfahren Palästinenser jedoch Gewalt, Zerstörung und den Entzug der Lebensgrundlagen. Helga Baumgarten beschreibt in ihrem Text »Nakba ohne Ende«, wie radikale Siedler in ihrem kolonialistischen Vorgehen von Staat und Polizei geschützt werden und wie dadurch einer Zweistaatenlösung faktisch der Boden entzogen wurde. Daher gilt es, alternative Lösungen für den Territorialkonflikt zu finden. Jörg Tiedjen widmet sich in »Zwischen Utopie und Realismus« der Idee einer gemeinsamen Staatlichkeit mit gleichen staatsbürgerlichen Rechten für alle.

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