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Aus: Ausgabe vom 15.05.2024, Seite 6 / Ausland
Kriegsverbrechen

Gerechtigkeit Down Under

Zivilisten in Afghanistan ermordet: Australischer Whistleblower für Enthüllung verurteilt. Prozess gegen Soldaten wegen Kriegsverbrechen vertagt
Von Dominik Wetzel
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Erklärt, er habe nichts Unrechtes getan: Militäranwalt und Whistleblower David McBride am Dienstag in Canberra

Er ist der erste Verurteilte in der seit Jahren andauernden Auseinandersetzung mit australischen Kriegsverbrechen in Afghanistan. Sein Verbrechen ist jedoch nicht deren Ausführung, sondern ihr Aufdecken. Am Dienstag wurde der Whistleblower David McBride von einem Gericht in Australiens Hauptstadt Canberra zu fünf Jahren und acht Monaten Haft verurteilt, eine Chance auf Bewährung besteht frühestens in zwei Jahren und drei Monaten.

Die britische Krone – der sich Australien noch immer zugehörig fühlt – war 2001 zum mittlerweile vierten Mal seit 1838 gegen Afghanistan in den Krieg gezogen. 2011 und 2013 hatte auch der Militäranwalt McBride zweimal in Afghanistan gedient und kehrte mit einer bedrückenden Erkenntnis zurück: »Afghanische Zivilisten werden ermordet, und die australische Militärführung schaut zumindest in die andere Richtung und genehmigt dieses Verhalten im schlimmsten Fall stillschweigend«, begründete er in seiner eidesstattlichen Erklärung 2021, warum er sich im Jahr 2015 an die Medien gewandt hatte. McBride wurde angeklagt, Regierungsdokumente gestohlen und an Journalisten weitergegeben zu haben, die vertuschte Morde an unbewaffneten Zivilisten durch australische Soldaten in Afghanistan enthüllten.

Er kontaktierte verschiedene Journalisten, und die von ihm freigegebenen Dokumente lieferten die Basis für die 2017 von Journalisten der Australian Broadcasting Corporation (ABC) veröffentlichten »Afghan Files«. Abgeschnittene Hände von Gegnern als Kriegstrophäen waren nur die Spitze des Eisbergs. 2020 kam der von General Paul Brereton durchgeführte »Brereton-­Report« zum Schluss einer unkontrollierten »Kriegerkultur« unter den Soldaten. Nachdem über 400 Zeugen ausgesagt hatten, konnte die vierjährige Untersuchung der Regierung später 23 mögliche Kriegsverbrechen, darunter die Ermordung von 39 Afghanen, belegen. Der Bericht hatte unter anderem Beweise für sogenanntes Blooding gesammelt. Eine Praxis, bei der junge Soldaten sich ans Töten gewöhnen sollen, indem sie Gefangene erschießen. Neben den getöteten Afghanen seien schließlich Waffen plaziert worden, um die Verbrechen zu vertuschen.

McBride bekannte sich in drei Anklagepunkten schuldig, darunter Diebstahl und Weitergabe von als geheim eingestuften Dokumenten an Pressevertreter. »Die mangelnde Reue«, erklärte Richter David Mossop in seinem Urteil, Dokumente, die als »geheim« eingestuft waren, an die Öffentlichkeit zu bringen, mache »eine allgemeine Abschreckung erforderlich, um weitere Enthüllungen dieser Art zu verhindern«.

Am selben Tag ist ein Kriegsverbrecherprozess zu Afghanistan vertagt worden. Ein Soldat der australischen Kommandoeinheit Special Air Service (SAS), Oliver Schulz, soll 2012 den etwa 25 Jahre alten, unbewaffneten Bauern Dad Mohammad, in einem Weizenfeld in der afghanischen Provinz Urusgan erschossen haben. Nachdem Mohammads Vater bei den australischen Streitkräften Beschwerde eingereicht hatte, wurde Schulz im März 2023 verhaftet und eine Woche später auf Kaution freigelassen, wie die australischen 9 News berichteten. Nun sollen Tausende neue Beweise aufgetaucht sein, weswegen das Gericht in Sydney das Verfahren am Dienstag bis Mitte September verschoben hat.

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