Scheiden tut weh
Von Marc Hairapetian
Nicht immer sind aller guten Dinge drei. Nach seinen ersten zwei Regiearbeiten, dem Remake »A Star Is Born« (2018) und der Leonard-Bernstein-Hommage »Maestro« (2023), bei denen Bradley Cooper auch als Hauptdarsteller, Drehbuchautor und Produzent in Personalunion tätig war und insgesamt 15 Oscar-Nominierungen einheimsen konnte, hat er nun ein weiteres Befindlichkeitsmelodram gedreht. In »Is This Thing On?« spielen sein Koautor Will Arnett und die normalerweise großartige Laura Dern ein Paar, das sich nach vielen gemeinsamen Jahren entscheidet, getrennte Wege zu gehen. Konflikte werden in der unspektakulären Tragikomödie allerdings allenfalls angedeutet. Nie hat der Zuschauer das Gefühl, dass für die von Dern und Arnett verkörperten Figuren Alex und Tess, die zudem Eltern der beiden zehnjährigen Söhne Felix (Blake Kane) und Jude (Calvin Knegten) sind, etwas auf dem Spiel steht.
Nach der Trennung beginnt die komplizierte Phase, in der sie herausfinden müssen, wie sie ohne einander weitermachen, die Kinder großziehen, die gemeinsamen Freundschaften pflegen usw. Während Alex in seinem neuen Hobby als Stand-up-Comedian aufgeht, das ihm in einer Art Selbsttherapie erlaubt, über seine verflossene Beziehung auf der Bühne laut nachzudenken, träumt Ex-Olympionikin und Hausfrau Tess nach der Scheidung davon, als Volleyballtrainerin in ihren alten Sport zurückzukehren. Klingt langweilig? Ist es auch.
Bradley Cooper selbst mimt Alex’ verkrachten besten Kumpel »Balls«. Der mittlerweile 51jährige wurde von der Academy bisher fünfmal als Schauspieler für den Oscar vorgeschlagen, darunter viermal in der Kategorie »Bester Hauptdarsteller« (»Silver Linings«, 2013; »American Sniper«, 2015; »A Star is Born«, 2019; »Maestro«, 2024) und einmal als »Bester Nebendarsteller« (»American Hustle«, 2014). Für »Is This Thing On?« wird wohl eher keine Nominierung erfolgen. Zu gespielt kaputt kommt er daher. Und die beiden Hauptakteure setzen auch keine Glanzlichter. Vor allem Will Arnetts Beiträge in einem überteuerten Nachtklub vor dem »Open Mic«, bei dem er sich mehrfach vergewissern muss, ob es tatsächlich »an« ist, sind allesamt unlustig und genauso nervtötend wie die zum Soundtrack gehörende Kinderchor-Coverversion des Songs »Under Pressure« (seinerzeit von Queen feat. David Bowie).
Der seltsam blutleere Film bleibt echte Pointen nicht nur in den Stand-up-Auftritten schuldig, sondern auch in der lahmen Inszenierung Bradley Coopers. Das hat sogar Auswirkungen auf die handwerklichen Aspekte: Die Bildarbeit von seinem Stammkameramann Matthew Libatique ist teilweise zu dunkel. Thematische Berührungspunkte mit Noah Baumbachs »Marriage Story« (2019), wo Laura Dern als Scheidungsanwältin überzeugender war, sind vorhanden, doch menschelt es hier halt ein paar Nummern kleiner0.
»Is This Thing On?« Regie: Bradley Cooper, USA 2025, 121 Min., bereits angelaufen
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