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Aus: Ausgabe vom 18.03.2026, Seite 10 / Feuilleton

Freiligrath, Hentsch, Löser

Von Jegor Jublimov
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Jürgen Hentsch (3. v. l.) und die üblichen Verdächtigen

Vor 150 Jahren starb am 18. März, dem Gedenktag für die Märzgefallenen der 1848er Revolution, der Dichter, Übersetzer und Sozialist Ferdinand Freiligrath in Cannstadt an Herzversagen. Er hatte ein unstetes Leben hinter sich. Als Lehrersohn 1810 in Detmold geboren, schrieb er schon in der Schulzeit Gedichte, ergriff dann aber einen kaufmännischen Beruf. Sein Weg führte ihn u. a. nach Amsterdam, Barmen, Unkel, Darmstadt und Weimar, wo er schließlich auf eine durch Alexander von Humboldt vermittelte Pension durch den preußischen König verzichtete, weil er oppositionell eingestellt war. Statt dessen veröffentlichte er in Mainz seinen politischen Gedichtband »Ein Glaubensbekenntnis«. Der Polizei entkam er durch Flucht nach Brüssel, wo er Karl Marx traf. Als die 1848er Revolution ausbrach, verwarf Freiligrath seinen Plan, nach Amerika zu gehen, und unterstützte die Revolutionäre in Düsseldorf sowie Frankfurt am Main und trug im Kölner Arbeiterverein erstmals sein Gedicht »Trotz alledem!« vor. Nach dem Vortrag seines den Märzgefallenen gewidmeten Poems »Die Todten an die Lebenden« im heute »frühsozialistisch« genannten Düsseldorfer Volksklub wurde der Dichter wegen »Aufreizung zu hochverrätherischen Unternehmungen« verhaftet, aber nach umfangreichen Protesten, an denen sich auch Karl Marx beteiligte, freigesprochen. Der stellte darauf Freiligrath als Auslandsredakteur der Neuen Rheinischen Zeitung ein. 1851 siedelte er nach London über, weil ihm unterstellt worden war, an einem Komplott zum Umsturz der Staatsregierung beteiligt zu sein. Erst 1868 war es ihm möglich, nach Deutschland zurückzukehren.

In dem Karl-Liebknecht-Film »Trotz alledem« von Günter Reisch hat Jürgen Hentsch nicht mitgespielt, wohl aber 1965 im vorausgegangenen Teil »Solange Leben in mir ist«. Der gebürtige Görlitzer, seit 1957 ein Theaterstar, den es nach Berlin (Deutsches Theater) auch nach Wien und München verschlug, stand seit Mitte der sechziger Jahre oft vor der Kamera. Sein Defa-Debüt mit Herrmann Zschoches »Karla« (1965) kam mit großer Verspätung heraus, dafür war er um so häufiger im DFF zu sehen, oft unter der Regie von Gerd Keil (»Die erste Reiterarmee«, 1966). Die Kinokarriere setzte sich mit Filmen von Heiner Carow, Siegfried Kühn und Konrad Wolf fort. Seine schönste Altersrolle spielte Hentsch 2002 als Heinrich Mann in dem Mehrteiler »Die Manns« von Heinrich Breloer. Hentsch wäre am Dienstag 90 Jahre alt geworden und starb mit 75.

Die aus Chemnitz stammende Schauspielerin Christa Löser wurde 86 und wäre am Sonntag 100 Jahre alt geworden. Von 1952 an blieb sie für vier Jahrzehnte eine verlässliche Ensemblestütze am Berliner Maxim-Gorki-Theater. In dieser Zeit spielte sie auch viele kleine Rollen bei Film und Fernsehen, aber Herrmann Zschoche vertraute ihr 1977/78 eine Hauptrolle als Lagerleiterin in dem Kultfilm »Sieben Sommersprossen« an. Wie sie diese Rolle zwischen Verantwortung und Spaß beim Spiel im Spiel anlegte, macht sie unvergesslich.

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