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Aus: Ausgabe vom 17.03.2026, Seite 4 / Inland
Trump ruft nach NATO

Keine Truppen für Trump

Bundesregierung lehnt deutsche Beteiligung an Iran-Krieg ab. Wadephul dennoch für Sanktionen gegen das angegriffene Land
Von Philip Tassev
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Könnten laut Pistorius in der Straße von Hormus ohnehin nicht viel ausrichten: Marinesoldaten der Fregatte »Hessen«

Der mutwillig vom Zaun gebrochene US-israelische Krieg gegen die Islamische Republik Iran läuft für die Aggressoren nicht wie geplant. Auch nach einem mehr als zweiwöchigen Bombardement lässt der Verteidigungswille des angegriffenen Landes nicht spürbar nach. Alle wichtigen US-Stützpunkte um den Persischen Golf haben schwere Schäden erlitten, mehrere extrem teure Radaranlagen wurden von iranischen Drohnen zerstört. Der Flugzeugträger USS »Abraham Lincoln« musste sich offenbar nach iranischem Beschuss fast 1.000 Kilometer zurückziehen. Da die Meerenge von Hormus, durch die rund 20 Prozent des globalen Öl- und Gasbedarfs verschifft werden, von den iranischen Streitkräften kontrolliert wird – und diese die Schiffe ihrer Feinde nicht passieren lassen –, steigen die Preise für fossile Brennstoffe immer weiter.

Am Montag morgen kostete ein ­Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Mai fast 105 US-Dollar und damit etwa anderthalb Prozent mehr als am Freitag. Ein erster Höhepunkt wurde vor knapp einer Woche mit etwa 120 Dollar erreicht. Vor Beginn des US-israelischen Überfalls auf den Iran Ende Februar lag der Preis bei rund 73 Dollar pro Barrel. Viele Branchenexperten sehen in einem Preis von 140 bis 150 Dollar pro Barrel eine Schmerzgrenze, bei deren Überschreiten eine schwere Weltwirtschaftskrise inklusive Aufständen und Hungerrevolten droht.

Um die Straße von Hormus für Öllieferungen aus den Golfstaaten freizuschießen, ruft der US-Präsident jetzt nach der NATO. Die Kriegsallianz werde vor einer »sehr schlechten« Zukunft stehen, sollten »die Partner« nicht bei der Sicherung von Öltransporten helfen, sagte Donald Trump am Sonntag (Ortszeit) im Interview mit der Financial Times. Sollte es von seiten der Verbündeten »keine Reaktion geben oder sollte die Reaktion negativ ausfallen, wird dies, denke ich, sehr schlecht für die Zukunft der NATO sein«, drohte Trump demnach.

Die Reaktionen aus Europa, Japan und Australien fielen am Montag aber in der Tat eher »negativ« aus – zumindest für die Kriegstreiber in Washington und Tel Aviv. Keiner der traditionellen Verbündeten ist bisher bereit, seine teuren Kriegsschiffe in die Reichweite iranischer Hyperschallraketen zu fahren.

Auch Berlin lehnt es noch ab, deutsche Schiffe dafür bereitzustellen. »Die Bundesregierung wird sich an diesem Krieg nicht beteiligen. ‌Solange dieser Krieg andauert, gibt es keine Beteiligung, auch nicht an einer Operation, die Straße von Hormus mit militärischen Mitteln freizuhalten«, betonte Regierungssprecher Stefan Kornelius am Montag. Der Krieg habe nichts mit der NATO zu tun. »Die Vereinigten Staaten haben uns vor diesem Krieg auch nicht zu Rate gezogen, und insofern glauben wir, dass dies auch nicht die Angelegenheit der NATO und der Bundesregierung ist.«

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) schloss eine deutsche Beteiligung ebenfalls aus. »Es ist nicht unser Krieg. Wir haben ihn nicht begonnen«, sagte er am Montag nach einem Treffen mit seinem litauischen Amtskollegen in Berlin. »Das, was im Persischen Golf stattfindet, ist ausgelöst durch den Angriff der Vereinigten Staaten von Amerika und Israels auf das verbrecherische Regime des Iran«, so Pistorius. Das wiederum führe zur entsprechenden iranischen Gegenwehr mit den Folgen für die Region.

Die Bundeswehr könne dem Minister zufolge in dieser Situation sowieso nichts ausrichten: »Was erwartet Donald Trump von einer Handvoll oder zwei Handvoll europäischen Fregatten dort in der Straße von Hormus zu leisten, was die machtvolle amerikanische Navy dort alleine nicht hinbekommen kann?« Außerdem wies Pistorius Vorschläge zurück, die EU-Marinemission »Aspides« vom Roten Meer in den Golf umzuleiten. »Das ist eine völlig andere geopolitische und militärische Lage als die, die zum Mandat ›Eunavfor Aspides‹ geführt hat, und deswegen bräuchte es dafür sowohl ein anderes internationales Dach als auch einen Bundestagsbeschluss.« Er sehe aber »ganz klar keinerlei Veranlassung«, für einen neuen Militäreinsatz ein Bundestagsmandat einzuholen.

Außenminister Johann Wadephul (CDU) betonte vor einem Treffen der EU-Außenminister, man sei sich mit den »Freunden« in Israel und den USA einig, dass die iranische »Gefahr« nicht fortbestehen dürfe. Zugleich forderte er die israelische und die US-Regierung auf, bei der Festlegung von Kriegszielen für »Klarheit« zu sorgen. Des weiteren wolle er sich für Sanktionen gegen diejenigen einsetzen, »die verantwortlich sind für die Blockade der Straße von Hormus«. Das sind in Wadephuls Augen offenbar nicht die Angreifer, sondern die iranische Regierung.

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  • Leserbrief von Roland Winkler aus Aue (17. März 2026 um 13:02 Uhr)
    Der deutsche Außenminister nannte die Aggressoren USA und Israel unsere Freunde. Sich als Trump-Freund bekennen, sich mit Völkermördern im Gaza solidarisieren, deren Tun rechtfertigen, das führt nicht zu Kritik und Diffamierung dieser Freundschaft und Freunde. Einem Putin darf dagegen niemand auch nur geringstes Verständnis, Rechtfertigung oder auch nur eigene Interessen zugestehen. Freund Trump und Co. balancieren die Welt immer näher an den dritten Weltkrieg, und Deutschland gehört zu denen, die Freundschaftsfahnen wehen lassen, alle Freundschaft unter nach Weltmacht strebenden »Freunden« da endet, wo es um die eigenen Interessen an Macht und Einfluss geht. Freund Trump ist da nicht zimperlich, wenn es um seine Interessen geht. Halten wir also weiter fest: In den Verdacht, Putinfreund zu sein, davor sollte sich jeder hüten. Trump-Freund und Freund aller aggressiven Weltherrscher zu sein, das gehört zu einer Räuberbande, weil es um die Beute, um den Platz am Fressnapf geht – Platz an der Sonne gab es auch schon mal. Bei Trump weiß man mitunter nicht, ob es Genialität oder Dummheit ist. Den Deutschen u. a. unliebsamen »Freunden« in Konkurrenz bei der Neuaufteilung der Welt nicht noch Hilfestellung zu geben, versteht sich unter solchen Freunden. Genial könnte es sich erweisen, seinen Freunden die Kriegslasten aufzubürden, unter denen sie ökonomisch, politisch und militärisch schwer zu tragen und zu leiden haben. Es sei nicht unser Krieg, sagt der deutsche Kriegsminister. Was ist unser Krieg, Herr Pistorius, und welche Kriege sollen die unseren werden, wenn wir kriegstüchtig sind? Wo noch linke Interessen liegen, das muss sich jeder ernsthaft fragen, der einen van Aken hört, der meint, das iranische Regime müsse weg. Wie das völkerrechtlich und ohne Krieg und Bürgerkrieg gehen soll, wohin es nach aller Erfahrung führt, das hat er nicht gesagt. Ist ihm Trump schon ein Vorbild? In der Welt der Politik ist wahrlich alles durcheinandergeraten, orientierungslos geworden, und vor allem sind Verstand, Vernunft u. v. m. verloren gegangen. Eine Prognose wagen? Kapital – Krise – Krieg – das ist und bleibt uns sicher bis in die absolute Katastrophe, wenn kein »Wunder« geschieht oder die Völker dem Kapitalkrisen und -kriegen das Ende bereiten. Eine Absage an Trump rettet keinen Weltfrieden und uns nicht vor den nächsten Kriegen.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Andreas E. aus Schönefeld (16. März 2026 um 22:08 Uhr)
    Vielleicht sollten Wadephul und Pistorius nicht rumeiern, sondern es klar auf den Punkt bringen – dieser Krieg gegen den Iran ist völkerrechtswidrig. Aber da scheut man sich dann doch, denn Bundeskanzler Merz hat sich ja gerade vor »Seiner Wahnsinnigkeit« im Weißen Haus in den Staub geworfen. Die USA sind innerhalb ganz weniger Monate, nämlich seit dem Beginn der zweiten Präsidentschaft von Trump, zum schlimmsten Massenmörder der letzten Jahre avanciert. Dieser Typ in Washington gehört vor ein Kriegsverbrechertribunal – und nichts anderes! Findet sich jemand, der Trump aus Washington rausholt und in den Knast steckt, wie er es mit Präsident Maduro getan hat? Oder – um der Schizophrenie die Krone aufzusetzen – jetzt will er sogar von China, seinem erklärtermaßen größten Feind, Kriegsschiffe, um die Straße von Hormus freizumachen. Ich bin kein Fachmann – aber ich glaube, das kann man wirklich als geisteskrank bezeichnen – ich mache es zumindest …

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