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Die langerwartete Ölkrise

Von Lucas Zeise
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Wie war das noch, als im Januar 1980, ein Jahr nach der iranischen Revolution, James Earl Carter vor dem US-Kongress in einer »Rede an die Nation« die »Carter-Doktrin« formulierte? Die Doktrin erklärte den Persischen Golf zur »vitalen Sicherheitszone« der USA, die mit allen, auch militärischen Mitteln »verteidigt« werden sollte. Zweck der Doktrin war damals erklärtermaßen, die störungsfreie Versorgung der (westlichen) Welt mit Erdöl. 46 Jahre später macht sich Carters Nachfolger Donald Trump nach einigen Vorübungen im vergangenen Jahr daran, dem seit 1979 bestehenden Mullah-Regime den Todesstoß zu versetzen. Er lässt den Iran seit dem 28. Februar großflächig bombardieren und verlangt nicht weniger als die »bedingungslose Kapitulation«.

Kritik erfährt der gegenwärtige US-Präsident gerade von denen, die mit der Carter-Doktrin ansonsten vollkommen einverstanden sind. Ihr Ziel, die störungsfreie Versorgung mit Erdöl, werde von der US-Regierung nicht nur nicht erreicht, sondern die Gefährdung der Erdölversorgung gehe von dieser Regierung aus. Seit 1980 sei das Horrorszenario einer weltweiten Ölkrise immer die Schließung der »Straße von Hormus« gewesen, durch die schon seit Jahrzehnten ein Fünftel des globalen Transports von Erdöl laufe. Mit Herrn Trumps miserabel geplantem und von Israel vorangetriebenen Angriffskrieg ist das Erwartbare und Erwartete eingetreten: Der Regierung in Teheran, die sich ein Jahrzehnt lang allen Erpressungsversuchen der USA und ihrer Verbündeten weitgehend gebeugt und immer weiter verhandelt hat, bleibt nun bei Strafe des Untergangs nichts anderes übrig, als die Meerenge faktisch zu schließen, die Golfstaaten zu bombardieren und eine weltweite künstliche Verknappung bei Öl und Gas und den darauf beruhenden Chemierohstoffen zu verursachen. Unmittelbar leiden die mit den USA verbündeten Golfstaaten. Katar hat die Gasförderung, Bahrain die Düngemittel- und Aluminiumproduktion eingestellt. Flughäfen müssen geschlossen werden. Gas- und Ölpreise sind in klassischer Weise nach oben geschnellt. Sie schwanken täglich in riesigen Sprüngen, je nachdem, ob Trump andeutet, sein Krieg oder, wie er sagt, sein »Ausflug« werde bald beendet sein oder noch lange dauern. Nach zwei Wochen Krieg werden sogar Aktien- und Bondmärkte nervös.

Die Kritik an Trumps Geopolitik kommt auch von Leuten, die ansonsten mit dem imperialen Anspruch und seiner offensiv kriegerischen Durchsetzung vollkommen einverstanden sind. Sie richtet sich durchaus auch gegen Trumps Vorgängerregierungen. Ohne Not haben die von den USA angezettelten Kriege gegen Irak (Bush junior) und Libyen (Obama) sowie die Sanktionspolitik gegen Venezuela (diverse) und Russland (Biden) zu schädlichen Verwerfungen an den internationalen Öl- und Energiemärkten mit langen Hochpreisperioden geführt.

Um den Ölpreis zu drücken, hat die nach der ersten Ölkrise gegründete Internationale Energieagentur auf Veranlassung der US-Regierung beschlossen, ein Viertel der staatlichen Ölreserven der G7-Staaten in den Markt zu schütten. Die Wirkung war bisher bescheiden. Die Hoffnung, dass Trump den Rückzug antritt, wächst allerdings.

Unser Autor ist Finanzjournalist und Publizist. Er lebt in Aachen.

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  • Leserbrief von Istvan Hidy aus Stuttgart (16. März 2026 um 11:01 Uhr)
    Eigentlich müsste der Titel lauten: »Die selbstverschuldete Ölkrise.« Denn wer einen Krieg gegen den Iran beginnt, braucht sich über eine folgende Ölkrise kaum zu wundern. Das ist keine unvorhersehbare Entwicklung, sondern eine absehbare Konsequenz. Offenbar müssen die USA im Nahen Osten wieder einmal eine Lektion lernen, die sie schon mehrfach hätten begreifen können: Militärische Luftüberlegenheit allein entscheidet keinen Krieg – erst recht nicht gegen ein großes, bevölkerungsreiches Land wie den Iran, das über vielfältige Möglichkeiten asymmetrischer Kriegsführung verfügt. Bombardements mögen Schlagzeilen produzieren, aber sie ersetzen keine politische Strategie. Und was geschieht, wenn das iranische Regime die Angriffe übersteht? Der Iran ist kein kleines, wirtschaftlich isoliertes Land wie Venezuela, sondern ein regionaler Machtfaktor mit beträchtlichen Ressourcen und strategischer Tiefe. Sollte sich der Konflikt ausweiten und Staaten wie Russland oder China beginnen, Teheran politisch, finanziell oder militärisch zu unterstützen – ähnlich wie der Westen die Ukraine unterstützt –, dann droht ein langwieriger Stellvertreterkrieg. Ein solcher Konflikt hätte keinen schnellen Sieger, aber viele Verlierer. Mit einer gewissen Ironie wird man zudem beobachten können, wie die wohlhabenden Golfmonarchien mit den Folgen umgehen. Ihre glänzenden Städte, ihre Wirtschaft und ihr luxuriöser Alltag beruhen auf offenen Seewegen und stabilen Energieexporten. Sobald diese Selbstverständlichkeiten ins Wanken geraten, zeigt sich, wie belastbar das Modell der »verwöhnten Neureichen« tatsächlich ist.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Joachim S. aus Berlin (15. März 2026 um 20:18 Uhr)
    Wieso moniert Lucas Zeise einen »miserabel geplanten Angriffskrieg«? Wäre ein perfekt geplanter und durchgeführter besser? Und wie ist das mit den »ohne Not angezettelten Kriegen«? Wären solche mit Not besser gewesen? Sind die wirtschaftlichen Verwerfungen andernorts wirklich das Verwerflichste am Krieg? Oder sind sie nicht eher von den Brandstiftern als manchmal ziemlich begrüßenswerte Nebenwirkungen (wie für China) eingepreist? Die Worte machen den Text. Man muss die richtigen finden, um das Richtige zu sagen.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich H. aus Stadum (13. März 2026 um 21:39 Uhr)
    Trump sollte den Rückzug antreten, sonst könnten noch ein paar KC-135-Tanker aus allen Wolken fallen.

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