Nachschlag: Lahme Rose
Kein Film kann dem Buch, das ihm vorausgeht, gerecht werden. Kein Buch es mit dem Film, der ihm folgt, aufnehmen. Zwei Genres, zwei Erfordernisse. Als Jean-Jacques Annaud 1986 »Der Name der Rose« drehte, glich er aus, was auch bei jedem anderen Roman auf der Strecke geblieben wäre: die Fülle der Erzählung. Gedanken, Beschreibungen, Dialoge. Bei diesem Roman besonders. Denn Ecos Erstling von 1980 versteckt unterm Mantel des Krimis eine historische und eine philosophische Erzählung, eine ungeheure Fülle Materials in diesem Buch für kluge Kinder. Annaud kompensierte den unvermeidlichen Verlust durch Atmosphäre und feinsinniges Spiel. Als 2019 Italiens RAI die Rose in eine Serie verwandelte, ward eine Chance vertan. Das Mehr an Laufzeit nicht genutzt, mehr vom Buch aufzunehmen. Statt dessen wurde die Krimistory zäher und das Schauspiel blutleer. Aufgefüllt zudem mit einem belanglosen Mädchen-hat-Bogen-Strang. Seit Anfang des Jahres kann das Machwerk auf Disney plus bestaunt werden. (fb)
links & bündig gegen rechte Bünde
Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.
Mehr aus: Feuilleton
-
Verzierte Abrissbirne
vom 09.03.2026 -
Frankensteins Familienalbum
vom 09.03.2026 -
Das zufällige Glück des Gelingens
vom 09.03.2026 -
»Wie Margarita als Hexe über Moskau fliegt«
vom 09.03.2026 -
Vorschlag
vom 09.03.2026 -
Veranstaltungen
vom 09.03.2026