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Kulturkritik

Die Drohung

Mit seinem nachgerade unverschämten Desinteresse an Oper und Ballett hat Timothée Chalamet (30) für Aufsehen gesorgt – jetzt will Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, ein wahrer Hans Dampf in allen Gassen, den Schauspieler mit einem Opernbesuch in Deutschland umstimmen. »Wer Ballett oder Oper nicht hautnah und live erlebt hat, kann auch mal danebenliegen«, sagte der in dieser Zeitung immer wieder mit Freude zitierte Weimer der Rheinischen Post. Deutschland sei »quasi Weltmarktführer« bei Orchestern, Opernhäusern und Tanzensembles. Den »Zauber der Oper und die Schönheit des Tanzes« will er Posterboy Chalamet spüren lassen. Der weiß vermutlich noch nichts von seinem Glück.

Chalamet (30) ist für seine Rolle als ehrgeiziger Tischtennisspieler in dem Film »Marty Supreme« als bester Hauptdarsteller nominiert. In einer knapp 90minütigen Gesprächsrunde hatte er sich mit seinem Kollegen Matthew McConaughey (56) unter anderem über die Zukunft der Kinobranche und das Interesse von Zuschauern an Filmen ausgelassen. Mit Ballett und Oper wolle er als Schauspieler aber lieber nix zu tun haben – Angelegenheiten, für die sich eh kein Schwein mehr interessiere, quasi künstlich am Leben erhalten. Ja, so ist das: Ein überschätzter Filmschauspieler redet Zeug, ein hart überambitionierter Kulturstaatsminister und professioneller Stöckchenspringer antwortet. Und das Leben geht weiter. (msa)

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Erschienen in der Ausgabe vom 09.03.2026, Seite 10, Feuilleton

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