Männerministerin des Tages: Karin Prien
Von Niki Uhlmann
Wie steht es um die Gleichstellung der Frau in der BRD? Frauen verdienen weniger, schultern nach wie vor den Großteil unbezahlter Sorgearbeit und leben in ständiger Angst vor patriarchaler Gewalt; nicht mal volle Souveränität über ihre Körper haben sie. Wie nun in den Worten der zuständigen Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Karin Prien? »ganz ordentlich«, zumindest im internationalen Vergleich.
Es gebe aber »durchaus noch Luft nach oben«, räumte die CDUlerin anlässlich des Internationalen Frauenkampftags gegenüber der Rheinischen Post ein. Als Tritt nach unten dürfen die Demonstrierenden ihre speziellen Sorgen begreifen: Künstliche Intelligenz könnte Vorurteile reproduzieren; im Iran sollten Frauen an der künftigen Regierung beteiligt werden; in Führungspositionen seien Frauen unterrepräsentiert. Geht es um Gleichstellung, hat Prien offenbar vor allem Visionen – und ihre gehobenen Klassenschwestern im Sinn.
Die einfache Arbeiterin bleibt außen vor. Das Ganze sei eben auch eine Frage der »wirtschaftlichen Zukunftsfähigkeit«. Da gehören verarmte, entrechtete, also bestens auszubeutende Frauen nun mal dazu. Was schert Prien, dass die EU-Kommission den volkswirtschaftlichen Schaden dieser Benachteiligung mit 390 Milliarden Euro pro Jahr beziffert, solang sie und ihresgleichen sich von den ärgsten Übeln des Patriarchats freikaufen können?
Eines aber treibt die Ministerin um: die Sorgen der Männer. Darum gab sie am Freitag bekannt, »Männerministerin« werden und sich der »Sichtbarkeit von Männern in ihren besonderen Bedarfslagen« widmen zu wollen. Wenn sie die genauso ruiniert wie die Frauen, indem sie reihenweise Fördergelder streicht, wird sich immerhin eine Gleichstellung am Tiefpunkt ergeben: alle arm, alle entrechtet, alle geprügelt. Mann darf hoffen, dass ein Patriarch sie stoppt.
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