Unser Krieg
Wenn Krieg ist, steht das politische Personal unter besonderer Beobachtung. Auch wenn das eigene Land beim laufenden gegen den Iran nicht mitmacht, jedenfalls nicht direkt, will man wissen, wo die Staatsrepräsentanten stehen und was sie zu tun gedenken, schließlich ist man ja nicht irgendein Land, sondern eines mit Moral und Ambitionen.
Die FAZ müht sich schon seit Tagen, den Außenminister in gutem Lichte erscheinen zu lassen, obwohl zeitweilig der Eindruck entstehen musste, Wadephul habe Tausende deutsche Dubai-Urlauber ihrem kläglichen Schicksal überlassen wollen: »In der allgemeinen Empörung wurde allerdings übersehen, was eigentlich (…) passiert war: Johann Wadephul hatte in der Kommunikation Fehler gemacht, aber er lag mit seiner Analyse und Bedächtigkeit richtig. Er geriet nicht in Panik.«
Sagenhaft diese Ministerleistung. Kaum schlechter steht der Kanzler da, jedenfalls im Vergleich zum Mann im Weißen Haus, weiß und weiß wiederum nicht die Süddeutsche Zeitung: »Wie soll ein im großen und ganzen vernünftiger Politiker, der zwar Fehler, aber auch manches richtig macht, einer, der Ansprüche an sich selbst stellt, die er nur manchmal erfüllen kann, einer, der selbstbewusst ist, aber nicht in Hybrisgefahr schwebt – wie also soll einer wie Friedrich Merz mit einem Hybrisbolzen wie Donald Trump umgehen?« Ja, wie bloß? Diese Eier des Kolumbus wird der Friedrich, dieser Mann wie du und ich, einer mit Ecken und Kanten, einer zum Knuddeln und Liebhaben (wie ja auch Schüler des Streiks gegen die drohende Wehrpflicht jüngst befanden), zu finden haben.
Also durchaus (kriegs)tauglich die von der CDU. Nicht so die Sozialdemokraten. Zunächst ist da der Bundespräsident, dem Bild in Erinnerung ruft, dass er noch bis vor kurzem immer wieder mal ein paar warme Worte für das Regime in Teheran übrig gehabt habe. Doch jetzt steht Steinmeier »vor dem Scherbenhaufen seiner anbiedernden Appeasement-Politik. Solange die islamistische Diktatur im Iran an der Macht ist, wird es keinen Frieden im Nahen Osten geben.«
In der FAZ wird sodann der Verteidigungsminister angegangen, der sinngemäß gesagt hat: Das ist nicht unser Krieg. Der Zauderer wird mit unbequemen Wahrheiten konfrontiert. Vom »stationären Flugzeugträger« Ramstein laufen jetzt schon US-Operationen gegen den Iran, und würde das NATO-Land Türkei oder Zypern verstärkt Ziel iranischer Raketen, könne Deutschland nicht abseits stehen. »Warum also das nicht gleich klar sagen, statt erst einmal rhetorisch Zweifel zu säen. (…) Deutschlands Interesse kann es nicht sein, (…) jetzt mit den Schultern zu zucken.« Wir lesen zwischen den Zeilen: Es ist unser Krieg. (brat)
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Leserbrief von Wilfried Schubert aus Güstrow (9. März 2026 um 11:21 Uhr)»Dem Frieden der Welt zu dienen« heißt es in der Präambel unseres Grundgesetzes. Dem werden unsere Regierenden bislang kaum gerecht. Kanzler Merz geht beim Angriff der USA und Israels auf den Iran von anfänglicher Unterstützung allmählich auf Distanz. Das reicht natürlich nicht, wenn man bedenkt, dass Trump das iranische Volk nicht befreien, sondern zu Vasallen Israels und der USA machen will. Trump will als Kriegsheld in die Geschichte eingehen. Israel träumt von einem Großisrael und leibt sich palästinensische Gebiete und des Libanon ein. Als nächstes, so erklärt es der selbstgewählte Präsident des Friedensrates Trump, ist Kuba an der Reihe. Sein Größenwahn ist unersättlich. Dem muss im Interesse der Menschheit Einhalt geboten werden. Die Blutspur der USA ist jetzt schon viel zu groß. Das zeigen z.B. Libyen 110.000, Syrien 600.000, Afghanistan 1 Million, Irak, 1.5 Millionen, Nordkorea 3 Millionen und Vietnam 4 Millionen Tote.
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