Nachschlag: Atridenupgrade
In-Yun. In traditionell koreanischer Vorstellung können zwei Menschen aus einem früheren Leben heraus verbunden bleiben, so dass sie sich nur scheinbar zufällig begegnen. Wer hier Buddhismus wittert, wittert richtig. In Europa sprechen wir von Liebe auf den ersten Blick, ohne den Reinkarnationshokuspokus zu benötigen. Zu den Funktionen religiöser Konzepte gehört auch der Versuch, die Magie des Lebens sublimiert zu bewältigen. »Past Lives« wendet sich aber ins Moderne. Der Titel spielt an auf In-Yun, doch das frühere Leben ist hier das eigene. Na-young und Hae-sung kennen sich aus der Kindheit. Nach Jahrzehnten begegnen sie einander wieder, das Leben ist über sie hinweggegangen, die alte Liebe kümmerts nicht. Ich, das man war, gegen Ich, das man wurde. Früher ist nicht real, aber vollkommen. Jetzt nicht vollkommen, aber real. Früher vollkommen, weil es nicht real ist. Jetzt real, weil es nicht vollkommen ist. In Europa löst man das anders. Agamemnon kehrt heim, Klytaimnestra ersticht ihn in der Wanne. (fb)
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