Kanzler kriecht zu Kreuze
Von Niki Uhlmann
Bundeskanzler Friedrich Merz ist zu Gast bei seinem US-amerikanischen Amtskollegen Donald Trump. Den erachtet die herrschende Klasse der BRD als unverzichtbaren strategischen Partner, obwohl er sie allenthalben mit genau dieser vernagelten Abhängigkeit erpresst. Die bürgerliche Presse schickte sich darum am Dienstag an, dem Bundeskanzler zweckdienliche Verhandlungstipps oder Grußformeln zu übermitteln.
»Redlich Mühe« soll Merz sich vorab gegeben haben, »den Kriegsherrn im Weißen Haus« mittels »auffälligem Verständnis für die Angriffe« gegen den Iran »milde zu stimmen«, kommentierte das Handelsblatt. Diesen »völkerrechtlichen Offenbarungseid« mögen die »Spindoktoren im Bundeskanzleramt noch so sehr als pragmatische Realpolitik verkaufen«. Letztlich degradiere er die BRD abermals zum »Zaungast« der US-Hegemonie. Für seinen Zollkrieg etwa werde Trump weiterhin »alles in Bewegung setzen«, während man hierzulande kusche: »Dieser vorauseilende Gehorsam grenzt an Selbstverleugnung.« Das widersprüchliche Taktieren zwischen Abhängigkeit von China und Abhängigkeit von den USA sei eben »nicht einfach« und der strategische Umgang mit Trump »eine nahezu unmögliche Mission«, wünschte man dem Regierungschef in Düsseldorf »Glück«. Da wird er sich freuen!
Mit Blick auf den Iran werde Trump sich »in seinem Urteil über die Europäer bestätigt sehen: große Klappe, nichts dahinter«, befand auch die FAZ. Gemeinsam mit London und Paris hatte Berlin nämlich erklärt, notfalls militärische Stellungen des Irans anzugreifen, und daraufhin schleunigst einen Rückzieher gemacht. Da der US-Präsident das dortige Gemetzel aber nicht von deutscher Komplizenschaft abhängig mache, soll sich Merz »im Oval Office auf die Zölle und die Ukraine konzentrieren«. Immerhin könne »jeder Taurus, den die Luftwaffe nicht im Iran verschießen muss/kann«, gegen Russland in Stellung gebracht werden, argumentierten die Frankfurter für eine Arbeitsteilung der transatlantischen Kriegstreiber.
»Vermutlich ist Merz froh, wenn Präsident Trump heute genauso viel und ausschweifend redet, wie beim ersten Aufeinandertreffen im Oval Office«, unterstellte Tagesschau.de dem Kanzler, in seiner Rolle als unterwürfiger Lakai ganz und gar angekommen zu sein. Dafür wird er von Trump offenbar geadelt: Als »besondere Geste« sei für Fritze das »edelste Bett« bereitet worden. Da kann er dann angesichts der jüngsten Verbrechen seiner Wertepartner wahlweise ein oder zwei Augen zudrücken. (nu)
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