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MDR am Ende

Von Pierre Deason-Tomory
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Zeit für Tränen: Mann muss waschen

In einem Geheimpapier hat die AfD die Übernahme des Mitteldeutschen Rundfunks nach Landtagswahlsiegen im Osten skizziert. Demnach will sie alle Radioprogramme des MDR gleichschalten und umbenennen in Einheitssender Ost 88.8. Gespielt werden »Die besten Osthits der 70er und 80er«, ausgesucht und aufgelegt von Westnazi Björn Höcke. Außerdem gibt es Nachrichten und Werbung (»Wenn das Braunhemd mal bekackt ist / ja was ist denn schon dabei / dann nimmt man Braunhemd-Spee / das macht das Braunhemd schee«).

Die ARD hat Wind von den Plänen bekommen und bereitet eine Umformatierung des MDR vor. Am 1. April soll auf allen seinen Frequenzen der ORO starten, der Ostdeutsche Rundfunk Ostdeutschland. Rauf- und runtergenudelt werden, na klar, »Die besten Osthits der 70er und 80er«, ausgesucht und aufgelegt von Thomas Gottschalk. Zum Sendeschluss singt der Grönemeyer das Deutschlandlied. Für die Demokratisierung der Eingeborenen werden im »Zonenmagazin« Themen gesetzt wie »Sex in der DDR – es gab nie genug Gummis« oder »Honecker, Krenz, Epstein: War da was?«

Doch Holger Friedrich, Verleger der Berliner Zeitung und der OAZ, kommt AfD und ARD zuvor. Schon am Sonntag geht das Ostdeutsche Allgemeine Radio (OAR) online. Natürlich mit 70er-80er-Osthitshit, Chefredakteur wird Harald Martenstein, und die Nachrichten (»Immer drei Minuten später informiert«) werden präsentiert von Ruhla-Uhren (»Die gehen nach wie vor!«). Das »OAR-Ostblickfeature« am 8. März: »Wessimänner bringen’s nicht – Frauen aus Gera klagen an«.

Schön, dass das alles nicht passieren wird, nicht wahr? Was aber stattfindet, ist die Militarisierung der Kulturradios. Das neue »ARD-Radiofeature« in dieser Woche thematisiert die Bundeswehr-Brigade in Litauen tatsächlich unter der Überschrift »An vorderster Front« (WDR 2026, Di., 20.04 Uhr, MDR Kultur etc.). Sonst: Gesche Piening behandelt in ihrem Hörspiel »Blaupause Scheuklappe« das Blenden und das Ausblenden (Ursendung, DLF 2026, Di., 20.05 Uhr, DLF, Mi., 22.05 Uhr, DLF Kultur). Und »Ground Zero« bringt das Feature »Lore Wolf. Eine Antifaschistin erzählt«; die Genossin wurde ausgefragt, als sie einem Bildhauer Portrait saß (Mi., 14 Uhr, Radio Corax).

Hier dreimal Literatur: In der »Lesezeit« zu hören ist Christoph Peters mit seinem Roman »Entzug« (1/2) (Mi., 20.30 Uhr, DLF). In den »Radiogeschichten« Ruth Reinecke mit Auszügen aus »Luft zum Leben« von Helga Schubert (Do., 11.05 Uhr, Ö 1). Von Gert Haucke wird »Am Morgen vorgelesen«, und zwar die Erzählung »Haare« des alten Kommunistenfressers Erich Loest (Fr., 8.30 Uhr, NDR Kultur).

»Steck nie den Kopf in eine Hundehütte«, raten Markus Metz und Georg Seeßlen im »WDR 3-Kulturfeature«, nachdem sie aus der Kniehöhe der Peanuts die Welt betrachtet haben (DLF 2020, Sa., 12.04 Uhr, So., 15.04 Uhr). »Die Tochter« heißt ein Hörspiel am frühen Sonnabend abend nach dem Roman von Kim Hye Jin (NDR 2023, 18.05 Uhr, NDR Kultur), gleich danach kommt, mitgeschnitten am 10. Februar im Royal Opera House in Covent Garden in London, Mussorgskys »Boris Godunow« (19.05 Uhr, DLF Kultur).

Am Sonntag vernetzen sich Freie Sender zum »Radio zum internationalen feministischen Kampftag« (12 bis 22 Uhr, Radio Corax, Radio Frei, Radio Unerhört, Lora München, Freies Radio Kassel). Die Kolleginnen von Radio Lora in Zürich fangen damit schon früh um sechs an und halten bis Mitternacht durch. Und die Dreibeiner müssen in der WG beim Frauentagsfrühstücksdienst »Das Wissen« laufen lassen mit der Ausgabe »Männer und Hausarbeit – Zwischen Wollen und Wirklichkeit« (So., 8.30 Uhr, SWR Kultur).

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