Nachschlag: Der Star ist das Haus
Mitten hinein in die Welle neu arrangierter Poirots von und mit Kenneth Branagh kam diese vorderhand bescheidene, tatsächlich wohltemperierte Verfilmung eines bislang unberührten Christie-Stoffs zu landen. »Crooked House«, wie er im Original mehrdeutig heißt. Mit deutlich weniger Budget als Branagh machte Regisseur Gilles Paquet-Brenner so gut wie alles richtig. Dabei ist das Erbe des Christie-Kinos so drückend nicht. Zieht man Wilders »Witness For the Prosecution« (1957) und Lumets »Murder on the Orient Express« (1974) ab, bleiben ein paar nette und vor allem missratene Filme. Das Setup hier ist zugegeben von der Stange. Ein schwerreicher Unternehmer stirbt unter seltsamen Umständen, wer aus dem Umfeld muss es gewesen sein, und alle sind dabei unter einem Dach. Der Star aber ist das Haus. Die Kamera nutzt die vorhandenen Winkel, die Architektur der Räume sichtbar zu machen. So entsteht auf der bildlichen Ebene ein Pendant zum verwinkelten, komplizierten Geflecht der Menschen, die darin leben. (fb)
links & bündig gegen rechte Bünde
Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.
Mehr aus: Feuilleton
-
»Wir tauchen unter Maschinen«
vom 02.03.2026 -
Vom Legato zum Stakkato
vom 02.03.2026 -
Die konstellative Methode
vom 02.03.2026 -
Die Definition von Liebe
vom 02.03.2026 -
Vorschlag
vom 02.03.2026 -
Veranstaltungen
vom 02.03.2026