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Aus: Ausgabe vom 02.03.2026, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Rundreise

Zu jW vom 21./22.2.: »Geschichte auf Grabsteinen«

Die Artikel von Thomas Berger lese ich besonders gern, insbesondere seit ich vor 1,5 Jahren mit meiner Frau – die australische Staatsbürgerin ist – das Land kennengelernt habe. Wir waren vier Wochen auf Rundreise (Sydney, Darwin, Melbourne, Cairns …). Mit dem »Ghan«-Luxuszug sind wir von Darwin nach Adelaide gefahren. Mit der indigenen Kultur konnte man dabei ein paar Mal auf eindrucksvolle Weise in Berührung kommen. Es ist schon tragisch, dass die quasi westliche Zivilisation, die historisch so kurze Zeit dort »herrscht«, kaum in der Lage ist, ein für beide Seiten günstiges Auskommen zu finden. Die Kolonisatoren haben keine Vergangenheit und die Aborigines keine Zukunft. Die ABC-Serie »Total Control« beschreibt das eindringlich.

André Möller, Berlin

Schade eigentlich

Zu jW vom 23.2.: »Gegen Westdominanz«

Dem jW-Leser André Möller und seinem Brief auf den Leserbriefseiten vom 26. Februar kann ich nur zustimmen: Die meisten Menschen aus dem Gebiet der DDR haben sich wohl leider (!) damit abgefunden, dass ihre Fabriken, Werften, kulturellen Einrichtungen usw. nach der Annexion der DDR plattgemacht wurden und nun auch noch die letzten Reste beseitigt werden. Schade, dass dem westdeutschen Kapital so kampflos das Feld überlassen wurde.

Joachim Becker, Eilenburg

Reformplan

Ist schon jemand auf den Gedanken gekommen, unseren Regierungs- und Verwaltungsapparat in Bund und Ländern der BRD als Einsparpotential zu nutzen? Ist es notwendig, dass wir uns eine immer größer werdende Horde an Abgeordneten mit einem »leistungsfreien Grundeinkommen« leisten? Brauchen wir wirklich einen hochbezahlten Bundespräsidenten als Repräsentanten der BRD? Kann diese Aufgabe nicht durch einen jeweils verfügbaren Minister übernommen werden? Wie wäre es mit einer Reform des Wahlverfahrens? Könnte hier nicht, durch den Wegfall einer Anzahl nicht notwendiger, unwichtiger, hochdotierter Posten und Pöstchen, einiges an »Finanziellem« frei werden? Regierung einfach mal effektiver gestalten. Ballast abwerfen. Dort Kosten sparen. Arbeiten denn unsere »Politiker« genug? Wie oft sind sie krank? Leisten sie genug, außer zu reisen und Reden zu schwingen? Bekommt unsere Regierung denn etwas auf die Reihe? Zum Wohle ihres Volkes? Parteienfinanzierung, Diäten, Personal, Büros, Dienstwagen, Wahlkampfkosten usw.? Alles Fragen, auch an Herrn Merz. Vielleicht könnte darüber mal eine Diskussion entbrennen?

Ulrich Manz, Odenwald

Das Internet, wie es mal war

Zu jW vom 26.2.: »Antisoziale Medien«

(…) Warum soll »mit einem Verbot der Verlust politischer Informationen drohen«? Entschuldigung, ich konnte mich, bevor Web 2.0 standardisiert wurde, auch politisch informieren. Allerdings konnte man zu dieser Zeit das »Netz« auch noch (halbwegs) vernünftig nutzen. Mit etwas Ausdauer und Hartnäckigkeit kam man an die Information, die man wollte, auch wenn man ein Thema erst einkreisen musste. Das wird inzwischen sehr schwer, jedenfalls mit den üblichen Suchmaschinen. Die »erweiterte Suche« hilft etwas, aber mühsam bleibt es. Und ganz ohne Netz ging die Informationsbeschaffung auch. Um es kurz zu machen: Das emanzipatorische Potential, das im aufkommenden Internet, so um 1990 herum, enthalten war, ist inzwischen im Arsch. Die Entwicklungsprobleme und psychischen Beeinträchtigungen von Kindern und Jugendlichen sind ja nur ein Teil der gesamten Problematik. Mit allem möglichen Smartzeugs wird die Weltbevölkerung daten- und informationsmäßig nicht nur enteignet, sondern dumm gemacht und gehalten. Beispiel: Wesentliche Parameter, die mein Heizkessel parat hat und die mir helfen könnten, die Anlage optimal einzustellen, spuckt er nicht aus. Um an die Daten zu kommen, müsste ich bei Bosch eine Einrichtung kaufen, die mir das ermöglicht. Analog geht es bei praktisch allen elektronischen Gerätschaften. Und noch ein konkretes Beispiel: Zu den Großdemonstrationen in den 80er Jahren wurde u. a. mit Telefonketten (Black Phone mit Nummernschalter) und Postkarten mobilisiert. Wo sind heute die Hunderttausenden mit Facebook und Co.?

Heinrich Hopfmüller, Stadum

Wenn sanktionieren, dann richtig

Zu jW vom 21./22.2.: »Kriegstreiber unter sich«

Ohne ein weiteres Mal Sinn und Unsinn von »Sanktionen« und Boykott im allgemeinen abzuhandeln oder speziell die antirussischen, die es etwa bei Äpfeln nicht vermochten, die hiesigen Verbraucherpreise wieder bezahlbar zu machen, und dies trotz reichlicher Ernte. Eine einzige, ganz bestimmte Sanktion fehlt. Nicht genug damit, dass die Werke in Gronau/Westfalen und Lingen/Niedersachsen ohne jede Logik vom hiesigen Atomausstieg »ausgenommen« wurden und bislang bleiben. In Lingen kooperiert die russische Rosatom mit der französischen Framatom und sorgt nach wie vor für Lieferketten für Atomreaktoren in Europa.

Umgekehrt würde ein Schuh draus: Die Unterbrechung der Lieferketten in Lingen ist überfällig. Womöglich werden die Atomausstiege zahlreicher bereits ausstiegswilliger Staaten dadurch befördert. Vielleicht suggeriert dies auch dem ewig gestrigen Nichtaussteiger, dass zukunftsfähige Energiepolitik ja auch sinnvoll wäre – oder zumindest werden die Lieferketten spürbar verteuert.

Für derart segensreiche Beiträge zu mehr energiepolitischer Vernunft wäre mir jede Begründung recht. Rosatom muss für immer sanktioniert/boykottiert werden, selbst wenn perspektivisch der Handel mit allen harmlosen Handelsgütern außer eben Uranprodukten irgendwann wieder ganz normal erfolgen wird.

Bernhard May, Wuppertal

Das emanzipatorische Potential, das im aufkommenden Internet, so um 1990 herum, enthalten war, ist inzwischen im Arsch.

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