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Aus: Ausgabe vom 25.02.2026, Seite 10 / Feuilleton
Geschichtswissenschaft

Das Schweigen der Faschisten

Zum Tod des Historikers Walther L. Bernecker
Von Ronald Weber
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Wer sich mit Spanien beschäftigt, kommt an seinen Schriften nicht vorbei: Walther L. Bernecker

Der Faschismus in Spanien warf einen langen Schatten. Obwohl die Franco-Diktatur mit dem Tod des »Caudillo« im November 1975 unrettbar ihrem Ende entgegenging, dauerte es noch einmal 25 Jahre, bis sich eine Bewegung Gehör verschaffte, die die Massenverbrechen der Franquisten und deren Opfer ins Zentrum stellte. Mit der Öffnung der ersten Massengräber ab dem Jahr 2000 kam ein Prozess ins Rollen, der bis heute anhält. Wer sich über die Erinnerungsbewegung und ihre Ausgangsbedingungen informieren wollte, der griff ab 2006 zum »Bernecker«, dem seitdem mehrfach neu aufgelegten und erweiterten Standardwerk. Walther L. ­Bernecker (und dessen Koautor Sören Brinkmann) schilderten knapp die Geschichte des Spanischen Krieges, um sich anschließend ausführlich der Erinnerungspolitik der Franquisten, dem »Pakt des Schweigens« nach dem Ende der Diktatur sowie dessen ziemlich lautem Zerbrechen zu widmen.

Bernecker hat sich von Beginn seiner akademischen Laufbahn an mit Spanien befasst. Promoviert wurde er 1976 in Erlangen mit einer Arbeit über die soziale Revolution ab 1936 (»Anarchismus und Bürgerkrieg«, 2006 erschien eine aktualisierte Fassung). Dort hatte er nach Stationen in Bielefeld, Augsburg und Bern ab 1992 einen Lehrstuhl für Auslandswissenschaft mit dem Schwerpunkt Romanischsprachige Kulturen inne und widmete sich neben der Geschichte Haitis, Mexikos und Portugals immer wieder Spanien. Wer sich heute mit der Geschichte der Iberischen Halbinsel im 20. Jahrhundert befasst, kommt kaum an diesem produktiven Historiker vorbei, der zuletzt 2024 ein biographisches Porträt über den 2014 abgedankten König Juan Carlos I. veröffentlichte. Jetzt ist Walther L. Bernecker im Alter von 78 Jahren in Erlangen gestorben. (row)

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