Fabrikkampf bei Tesla
Von Oliver Rast
Der Clip kursiert seit wenigen Tagen im Werk, in der Gigafactory von Tesla-Boss Elon Musk in Grünheide. Ein Agitpropstreifen im Vorfeld der turnusmäßigen Betriebsratswahl in der Produktionsstätte für Elektroautos in Ostbrandenburg, wie jW aus dem Fabrikumfeld erfuhr. Ein Animationsfilmchen unter dem Titel »Betriebsratswahl 2026: Achtung vor gelben Betriebsräten! Sie arbeiten gegen euch!«.
Die Macher warnen vor korrupten Betriebsratsmitgliedern – »gelben« und »blauen«. Jenen also, die sich seitens der Geschäftsführung kaufen lassen – etwa durch Aufstiegsversprechen, Lohnerhöhungen und Sonderprämien. Im Gegenzug erwarten die Chefs eines: Ruhe im Betriebsrat (BR), Ruhe im Werk. Wie im Falle der managementnahen BR-Mehrheit um deren Vorsitzende Michaela Schmitz bei Tesla.
Und genau die sei die (unfreiwillige) Hauptdarstellerin des Clips, wissen Gewerkschafter auf jW-Nachfrage. Schmitz habe in den vergangenen vier Jahren eine Gehaltsstufe nach der anderen genommen und erhalte nach internem Vergütungssystem (»M4«) zirka 170.000 Euro brutto im Jahr. Ein Musterbeispiel, wie »durch Bevorzugung einzelner Betriebsräte eine starke Loyalität zum Arbeitgeber entsteht«, heißt es in einer Sequenz des Kurzvideos.
Übrigens: Der BR beim US-Elektroautobauer in Grünheide hat 39 Sitze. Bei der ersten Wahl 2022 nach Inbetriebnahme der Gigafactory war die IG Metall (IGM) kaum präsent. Bei der Neuwahl zwei Jahre später schon. Die Gewerkschaftsliste wurde mit knapp 40 Prozent und 16 Sitzen stärkste Fraktion. Aber rund 60 Prozent der Beschäftigten – und damit 23 Sitze – gingen an nichtgewerkschaftliche Listen, die zusammen die BR-Mehrheit bilden – mit Schmitz an der Spitze.
Und nun geht es in die nächste Runde; vom 2. bis 4. März sind mehr als 10.000 Beschäftigte wahlberechtigt. Eine Richtungsentscheidung – genauer: Ein Betriebsfight mit harten Bandagen, ein Infight der Belegschaft um neue BR-Mehrheiten. Denn die IGM hat mit ihrer »Liste 1: IG Metall – Tesla Workers GFBB« gute Chancen, ihre Position auszubauen.
Das will die Geschäftsführung verhindern. Tesla beschuldigt einen Vertreter der IG Metall, eine Betriebsratssitzung heimlich über seinen Laptop mitgeschnitten zu haben. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) ermittelt wegen des Verdachts auf Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes sowie eines möglichen Verstoßes gegen das Betriebsverfassungsgesetz. »Um die Ermittlungen zu beschleunigen und sich besser gegen die von Tesla verbreiteten falschen Vorwürfe wehren zu können, hat der IG-Metall-Kollege über seine Anwälte den Ermittlungsbehörden angeboten, mit seinem Passwort den Laptop für sie zur Durchsicht zu öffnen«, teilte der IGM-Bezirk Berlin, Brandenburg, Sachsen jüngst mit. Ferner stellte die Gewerkschaft Strafanzeige wegen übler Nachrede gegen Tesla-Geschäftsführer André Thierig.
Auch die Gewerkschaftslinke mobilisiert zur BR-Wahl bei Tesla, unterstützt von »Helle Panke – Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin«. Verein und Stiftung organisierten am Montag ein Podium zu Union Busting beim US-Autobauer in Grünheide (nach jW-Redaktionsschluss). Jannes Bojert, Leiter des Tesla‑Projekts der IG Metall, wollte nach Veranstalterinformation über die Lage für engagierte Kollegen im Werk berichten. Anschließend skizzierten die Journalistin Nina Scholz und der Linke‑Bundestagsabgeordnete Cem Ince die Methoden, wie Techkonzerne am Beispiel von Tesla gewerkschaftliche Organisierung torpedieren – und welche politischen Konsequenzen längst überfällig wären.
Wenig überraschend: Multimilliardär Musk hat nichts für Arbeiterorganisationen übrig. Seine Statthalter hierzulande folgen dieser Linie. Die FAZ hatte unlängst den Grünheider Werksleiter Thierig mit den Worten zitiert: »Dass wir nicht mit Gewerkschaften zusammenarbeiten, ist eine Position, die der Konzern weltweit vertritt.« Und: »Dass wir hier keine Gewerkschaft wollen und auch keinen Tarifvertrag, daraus werden wir keinen Hehl machen.« Bloß, wie ist die Situation im Betrieb zu ändern?
Ganz einfach, erklären die Clipmacher: einen BR wählen, der die Interessen der Kollegen vertritt, konsequent als »Schutzschild der Belegschaft«.
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