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Aus: Ausgabe vom 12.02.2026, Seite 1 / Ansichten

Polizeiauflauf in »Gigafactory«

Union Busting bei Tesla
Von Oliver Rast
Tesla Gigafactory Berlin-Brandenburg(1).jpg
Vor BR-Wahl: Der Schlagabtausch zwischen IG Metall und Werksleitung wird immer ruppiger (Grünheide, 16.12.2024)

Das Gute ist: Die Fronten sind klar – so klar wie fast nirgendwo in der hiesigen Automobilindustrie. Beim E-Autohersteller Tesla im ostbrandenburgischen Grünheide, in der »Gigafactory« von Techmilliardär Elon Musk. Nun eskaliert die Werksleitung weiter, schraubt die Konfrontation auf ein neues Level – mitten im Betriebswahlkampf. Kein Zufall, fraglos.

Was ist passiert? Tesla-Bosse spielen ihre Rolle als Union Buster, als Gewerkschaftshasser, als BR-Feinde und lassen einen Sekretär der IG Metall vom Betriebsgelände abführen – durch Polizisten. Eine Machtdemonstration, fraglos.

Der Grund: Der IGM-Vertreter soll am Dienstag als Gast an der BR-Sitzung teilgenommen und das Treffen mit seinem Laptop aufgezeichnet haben – heimlich, verbotenerweise. So behauptet es der Fabrikleiter in einer theatralischen Rundmail. Eine Schmierenkomödie, fraglos.

Oder wie es die regionale IGM formuliert: »Diese Behauptung ist eine dreiste und kalkulierte Lüge.« Der Metaller sei zu Beginn der BR-Sitzung von einem »Beschäftigtenvertreter der Arbeitgeberfraktion« der vermeintlichen Audioaufnahme bezichtigt worden. Daraufhin habe die »gelbe« BR-Chefin den Werksschutz gerufen und den Gewerkschafter bis zum Eintreffen der Polizei festgesetzt. Die beschlagnahmte »zur Beweissicherung« den Computer – und setzte den IGM-Funktionär vors Werkstor.

Hinter dem Fabrikgatter wählen Anfang März rund 10.700 Kollegen einen neuen BR. Bislang dominiert in dem Gremium ein »gelbes« Listenbündnis – wenngleich mit knapper Mehrheit. Die größte Fraktion ist die »IG Metall – Tesla Workers GFBB«. Die steht im Fadenkreuz der Bosse. Weil: Arbeitshetze, Absatzeinbruch, Krankenstände, Mitbestimmungssabotage – all das soll Verschlusssache bleiben. Fraglos.

Sicher, die Front verläuft quer durch die »Gigafactory«. Die Linien haben sich in den vergangenen ein, zwei Jahren verschoben – zugunsten der IGM. Deshalb die Aggro-Manöver der Gelben. Was tun? Das, was opportun ist: solidarische Organisierung der Belegschaft für kollektiven Druck. Instrumente aus dem Repertoire des betrieblichen Klassenkampfes. Besser wäre das.

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  • Leserbrief von Reinhard Hopp aus Berlin (12. Februar 2026 um 14:20 Uhr)
    Vor allem sollte man all die Kollaborateure in der Politik und in der Verwaltung nicht vergessen, die diesen gemeingefährlichen Tesla-Psychopathen ins Land gelassen und dessen menschen- und umweltverachtende Praxis dort somit erst ermöglicht haben und als Mittäter immer noch weiter decken.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich H. aus Stadum (11. Februar 2026 um 20:51 Uhr)
    Mit dem beschlagnahmten Rechner müsste sich ja beweisen lassen, dass keine illegalen Aktionen damit durchgeführt wurden. Wie sieht es mit illegalen Aktionen der Gelben aus?
    • Leserbrief von Onlineabonnent/in Stephan K. aus Neumarkt i.d.OPf. (12. Februar 2026 um 18:14 Uhr)
      »Mit dem beschlagnahmten Rechner müsste sich ja beweisen lassen, dass keine illegalen Aktionen damit durchgeführt wurden.« Da bin ich mir nicht so ganz sicher. Fanden sich schon vor Jahrzehnten manchmal Dinge im Spind eines kämpferischen Gewerkschafters oder eigentlich nicht kündbaren Betriebsrates, »Diebesgut«, können nicht nur im Imperium des Hightech-Großkonzerns von Musk auch Dinge auf Laptops gefunden werden, die nicht der Eigener aufgespielt hat.
      • Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich H. aus Stadum (13. Februar 2026 um 15:02 Uhr)
        Diesen Aspekt muss man natürlich in Betracht ziehen. Allerdings müssten ausgesprochene Spezialisten den IGM-Vertreter-Laptop manipuliert haben, damit die Manipulation nicht durch Computer-Forensik aufgedeckt werden kann. Ihr Hinweis sollte (praktisch) jede veranlassen darüber nachzudenken, wie sie ihre digitale Umgebung manipulationssicher machen kann. Dann muss man auch nicht darauf vertrauen, dass ein beschlagnamtes Gerät nicht manipuliert wird. Gegen den Verlust eines Beweisstücks ist man trotzdem nicht gefeit. Das ist aber halb so schlimm, wenn man ein aktuelles Backup hat. Dank der Funk- und Cloudtechnik wäre ja das Monitoring eines Geräts möglich, das Aktivitäten mit Zeitstempeln aufzeichnet. Mit einer Google-Suche nach »aktivitätsmonitoring laptop« werden sie geholfen, jedenfalls im ersten Ansatz.

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