Von »Nie wieder Deutschland« zu »Nie wieder Gaza«
Von Ignacio RosaslandaIn diesem Interview spricht die Journalistin Susann Witt-Stahl, Chefredakteurin des Kulturmagazins Melodie & Rhythmus, über die Ereignisse in Leipzig-Connewitz und widerspricht der medialen Darstellung eines »Linke gegen Linke«-Konflikts. Ihrer Einschätzung nach handelt es sich nicht um einen innerlinken Streit, sondern um einen grundlegenden Richtungs- und Definitionskampf – insbesondere um die Frage, wer heute bestimmt, was als »links«, »antifaschistisch« oder »antisemitisch« gilt.
Im Mittelpunkt steht ihre Analyse der sogenannten antideutschen Bewegung, die sie nicht mehr als Teil der linken Tradition betrachtet. Witt-Stahl beschreibt die Entwicklung dieser Strömung seit 1989/90 als ideologische Wende: vom antiimperialistischen Anspruch hin zu einer Orientierung an westlicher Außenpolitik, deutscher Staatsräson und bedingungsloser Israel-Solidarität. Historische Wegmarken seien der Golfkrieg 1991 und der »War on Terror« ab 2001.
Im Kern erkennt sie darin ein genuin antikommunistisches Projekt. Zentrale marxistische Kategorien wie Klassenanalyse, Imperialismustheorie oder materialistische Faschismusanalyse seien schrittweise verdrängt und durch liberale Deutungsmuster ersetzt worden – bis hin zur Gleichsetzung von Kommunismus und Faschismus im Sinne totalitarismustheoretischer Ansätze. Vor diesem Hintergrund versteht Witt-Stahl die aktuellen Auseinandersetzungen nicht als innerlinke Differenz, sondern als Ausdruck eines tieferen ideologischen Bruchs mit antikapitalistischen und antiimperialistischen Positionen in Deutschland.
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