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Aus: Ausgabe vom 17.02.2026, Seite 1 / Ansichten

Denken außer Mode

Neueste Propaganda gegen Russland
Von Jörg Kronauer
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Kein Karnevalsumzug: Parade der multinationalen NATO-Kampfeinheit im litauischen Kaunas (4.2.2026)

Russland mal wieder. Da stationiert die NATO, völlig harmlos, ein paar Bataillönchen und weitere Nichtigkeiten irgendwo in Osteuropa – in Litauen, in Lettland, in Estland, rein zufällig dort, wo angeblich auch die russische Westgrenze verläuft. Nein, niemand hat sich auch nur das Geringste dabei gedacht. Und was muss man lesen? Russland, böse, wie man es kennt, richte seine Streitkräfte zunehmend auf eine mögliche Konflikteskalation an seiner Westgrenze aus, schreiben der Generalinspekteur der Bundeswehr, Carsten Breuer, und der britische Generalstabschef Richard Knighton. Hochgefährlich sei das, es steigere die Kriegsgefahr. Was tun? Aufrüsten, die militärische Einsatzbereitschaft steigern, folgern die zwei Generale.

Ihr Glück, dass das Denken aus der Mode gekommen ist. Sonst könnte am Ende noch auffallen, dass Moskau mit einer stärkeren Orientierung seiner Streitkräfte nach Westen auf die offiziell gegen Russland gerichtete Hochrüstung der NATO reagiert. Oder irgendwer könnte gar realisieren, dass die beiden Militärs vor einer Streitmacht warnen, von der NATO-Generalsekretär Mark Rutte gerade in München höhnte, sie rücke in der Ukraine »kaum schneller als eine Gartenschnecke« vor: »Dieser sogenannte russische Bär existiert nicht.« Zugegeben: Die Parolenmaschine Rutte, die auf Knopfdruck blitzartig ausspuckt, was die taktische Lage erfordert, hat auch schon behauptet: »Russlands nächste Zielscheibe sind wir.« Das war im Dezember. Nur wenige Wochen zuvor hatte er gespottet, die russische Marine tauge nichts mehr; sie sei nur noch auf der »Jagd nach dem nächsten Mechaniker« für ihre kaputten U-Boote. Dem Mann muss dauerschwindlig sein.

Nun, die Propaganda nimmt halt, was sie kriegt. Und wenn es nur die Behauptung ist, der russische Oppositionelle Alexej Nawalny sei mit einem Sekret aus südamerikanischen Pfeilgiftfröschen umgebracht worden. Niemand weiß, wie Gewebeproben seines Leichnams in den Westen gelangt sein sollen. Also kann auch niemand wissen, ob sie nicht manipuliert wurden, falls sie überhaupt echt sind. Seriöse Beweisführung sähe anders aus. Macht aber nichts – die Froschtheorie, pünktlich zur Münchner »Sicherheitskonferenz« lanciert, trägt gleichfalls zur Legitimierung der Hochrüstung bei. Es darf nur, wie erwähnt, niemand anfangen, sein Gehirn zu gebrauchen.

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