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Aus: Ausgabe vom 17.02.2026, Seite 3 / Ansichten

Unverzichtbarer des Tages: Thomas Röwekamp

Von Nico Popp
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Marschall Vorwärts (an die Front): Thomas Röwekamp, hier als Teilnehmer einer Podiumsdiskussion bei der Bundeswehr-Tagung 2025 (Berlin, 7.11.2025)

Die Lage ist ernst. Vier Jahre Beschuss mit »Zeitenwende« und »2029 rollt der Russe westwärts« – und dann muss die schwere Feldhaubitze Spiegel melden, dass die neue Gardetruppe an der »Ostflanke« Probleme hat, auf Sollstärke zu kommen: Die Freiwilligenmeldungen für die sogenannte Litauen-Brigade, hieß es vergangene Woche unter Berufung auf ein internes Papier, bleiben deutlich hinter den Erwartungen zurück.

Dünn sind die Reihen vorläufig dort, wo vorne ist. Mannschaftsdienstgrade machen sich trotz der in Aussicht gestellten Zulagen rar, während die Stäbe weiter hinten ausreichend besetzt sind. Sichergestellt ist also immerhin, dass Befehle erteilt werden. Es muss sich, damit die auf der Lagekarte eingezeichneten Pfeile auch einen Sinn ergeben, nur noch jemand finden, der sie ausführt. Und zwar schnell, denn 2027 will Pistorius die Meldung »Truppe einsatzbereit« auf dem Tisch haben.

Der Minister hat 2023 voreilig versichert, dass ausschließlich Freiwillige herangezogen werden. Am Montag meldete sich deshalb der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses zum Dienst – nicht an der »Ostflanke«, sondern an der guten Sache. Thomas Röwekamp (CDU) hat den RND-Zeitungen gesagt, dass Freiwilligkeit der richtige Grundsatz bleibt. Aber: »Wenn dieser für einen sicherheitspolitisch unverzichtbaren Auftrag wie die Brigade in Litauen nicht ausreicht, muss der Dienst auch verbindlich angeordnet werden.« Schließlich hat sich, wer den Soldatenberuf ergreift, dafür entschieden, »Verantwortung für den Schutz von Frieden, Freiheit und unserer Bündnispartner« zu übernehmen.

Nun hebelt die Drohung mit dem Marschbefehl gerade das Prinzip der Freiwilligkeit aus. Kann man machen, solange genügend Leute ihr Weltbild vom Spiegel beziehen. Aber was ist, wenn sich zwischen Röwekamp und dem Kanonenfutter auch perspektivisch keine Einigkeit darüber herstellen lässt, wer oder was »unverzichtbar« ist?

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