Aus Leserbriefen an die Redaktion
Pikant und einfühlsam
Zu jW vom 12.2.: »Flugzeuge am Himmel«
Die Filmrezension ist etwas dürftig, denn es handelt sich bei »Ein Kuchen für den Präsidenten« um einen großartigen Film! Er wurde in Cannes mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet. Der Film spielt mehrheitlich im Süden des Irak (südlich von Basra), in den mesopotamischen »Sümpfen«, welche vielen nicht bekannt sind. In diesen Feuchtgebieten, die vom Tigris und Euphrat gebildet werden, bewegen sich noch heute die Menschen in traditionellen Kanus (Meshouf) fort. Pikant: Eine Szene des Filmes zeigt Lamias Oma in »Saddams Restaurant«, welches Hussein offensichtlich in seiner Jugend frequentiert hat. Hasan Hadi hat ein eindrückliches, einfühlsames Drama geschaffen; ein »Must-see«, wie es im Englischen heißt.
Martin Mandl, Paris
Weltaufmischender Weltpolizist
Zu jW vom 10.2.: »Spiel in falschen Händen«
Bei allem Sanktionismus, den der »Wertewesten« beim angeblich so unpolitischen Sport gegen Russland auffährt, wundere ich mich immer wieder, wie eine Fußballweltmeisterschaft in diesem Jahr oder die Olympischen Sommerspiele 2028 in den USA überhaupt noch geplant und durchgeführt werden können. Der letzte Ignorant müsste doch merken, dass alles nur noch Heuchelei mit zweierlei Maß ist. Trump als moralisierender Weltpolizist mischt die Welt rücksichtslos auf, und die Welt macht mit, quatscht von Völkerverständigung mittels Sport. Geht’s noch?
Emmo Frey, per E-Mail
Altersarmut
Zu jW vom 9.2.: »Ist ein Erzwingungsstreik jetzt das Mittel der Wahl?«
Viele Rentnerinnen und Rentner in der BRD sind – wie ich persönlich – von Altersarmut betroffen. Und auch viele von uns treffen die ständig steigenden Kosten für Miete, Strom, Lebensmittel usw. besonders hart. Zudem kommt, dass besonders viele von Altersarmut betroffene Rentnerinnen und Rentner auf die »Tafeln« angewiesen sind und zusätzlich Pfandflaschen sammeln müssen. Die angeblichen »Rentenerhöhungen« gleichen die Preissteigerungen nicht aus. Da stellt sich die Frage: Wer setzt sich für uns Rentnerinnen und Rentner ein?
Joachim Becker, Eilenburg
British Smile
Zu jW vom 10.2.: »Kranke Versicherung«
Der Traum des deutschen Kapitals ist ein Gesundheitssystem nach US-amerikanischem Muster: Versorgt wird, wer soviel Geld hat, dass er sich privat versichern kann. Der Rest pflegt sein englisches Lächeln – die Zähne fest zusammengepresst, damit man nicht sieht, dass keine mehr da sind. Breit lächelt dann das Kapital, denn Arbeitgeberanteile zur Krankenversicherung brauchte es nicht mehr zu zahlen. Wie krank ist eine Gesellschaft, die so etwas Gesundheitssystem nennt?
Joachim Seider, Berlin
»Nie die Hand gebissen«
Zu jW vom 3.2.: »Universale Verblendung«
(…) Hierzulande gilt es als Schibboleth, das Kernstück der Marxschen Lehre »misszuverstehen«, um in den Genuss staatlicher Fürsorge in Form gut dotierter Universitätsposten zu gelangen. Das prominenteste Beispiel ist der Staatsphilosoph Nr. 1 der BRD, Jürgen Habermas. Auch für ihn werden die Proleten in der Produktionssphäre nicht beklaut. Aber gibt es jemanden, der durch den Gang der Geschichte so Lügen gestraft wurde wie Habermas? Detlef Kannapin ordnet die Dinge völlig richtig ein. Er stellt die Stärken und Schwächen der Kritischen Theorie richtig dar und aktualisiert sie anhand von Schweppenhäusers und Hartles Buch, die sich explizit in deren Tradition verorten. Horkheimer und Adorno haben m. E. nie die Hand gebissen, die sie fütterte. Selbst die Ästhetik Adornos schwitzt Marxsche Wahrheiten aus allen Poren. Zwar haben sie durch ihr »Verhältnis zur Praxis« dem System Konzessionen gemacht und durften im Dienste des Staates ihr Brot verdienen. Aber sie haben nicht das theoretische Fundament der Kritik der Politischen Ökonomie mit fadenscheinigen Argumenten untergraben. Es tut gut, dass der Autor Lenin und Lukács als Meisterschüler von Karl Marx bezeichnet. Zudem schärft es den Blick für Adornos Ressentiments gegen Lukács, insbesondere gegen dessen Werk »Die Zerstörung der Vernunft«.
Oliver Sümnick, Hundsbach
Keinen Krümel gegönnt
Zu jW vom 28.1.: »Reform mit Haken«
Es ist immer wieder erstaunlich, mit welch einer Kreativität, Intensität und Verbissenheit nach immer neuen und weiteren (repressiven) Möglichkeiten gesucht wird, den Ärmsten und Bedürftigsten in diesem Land bloß keinen Krümel zuviel vom gesamtgesellschaftlichen Kuchen zukommen zu lassen. Eine derart fanatische Vehemenz bei der Verfolgung und Aufklärung von inzwischen längst zur Regel gewordenen gigantischen Steuerverbrechen (siehe z. B. Cum-Ex und Cum-Cum) wäre hingegen wesentlich ertragreicher und würde den Finanzbedarf eines wirklichen und einer solchen Bezeichnung dann auch würdigen Sozialstaates mehr als bloß kompensieren. Statt dessen werden die Schwerstverbrecher systematisch gedeckt und vor Strafverfolgung geschützt (siehe die Absetzung der ehemaligen Kölner Oberstaatsanwältin Anne Brorhilker und die Protektion der Hamburger Warburg-Bank), während die schwächsten Bürger dieses Landes von den saturierten Politikern der etablierten Parteien via Mainstreammedien unentwegt diffamiert, stigmatisiert und kriminalisiert werden.
Reinhard Hopp, Berlin
Bei allem Sanktionismus beim angeblich so unpolitischen Sport, wundere ich mich immer wieder, wie eine Fußballweltmeisterschaft in diesem Jahr oder die Olympischen Sommerspiele 2028 in den USA überhaupt noch geplant und durchgeführt werden können.
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