Nachschlag: Vollkommene Leere
Zu irgendwas taugt jeder, selbst Dan Brown. Das Publikum liebt historische Stoffe, in denen Vernunft und Irrationales, Philosophie und Okkultismus verwoben sind. Jenes Fluidum aus mittelalterlichen Handschriften, Vatikan, Leo da Vinci, Jesuiten, Freimaurern, Anagrammen und Symbolen evoziert die Ahnung eines Höheren, ohne dass dazu nötige Denkarbeit geleistet werden muss. Was selbst für Ecos semiotische Epik gilt, in der ja immerhin noch reichlich Gehalt steckt. Für den Teil des Publikums, der nicht bloß die Denkarbeit scheut, sondern die Stimmung gleich ganz ohne Inhalte will, gibt es Brown. Sein Held Robert Langdon ist Symbologe, ein Semiotiker also, wie er Reader’s Digest gefällt. Langdons Expertise ist eher Behauptung, man sieht sie nicht. Dafür bleibt sein Charakter ohne Brüche, also langweilig. Wie das Plotmuster aller Langdon-Romane. Der Topchecker wird in Harvard aufgesucht und macht eine Heldenreise ohne Mentor in eine alte Welt. Begleitet stets von einer Frau, der er alles mansplainen kann. (fb)
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