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Aus: Ausgabe vom 14.02.2026, Seite 2 / Ansichten

Klimaschutz abschaffen

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Glaubenskriege um wissenschaftliche Erkenntnisse sind ja fürwahr keine neue Erscheinung. Sie waren, als Wissenschaft begann, den Bau einer göttlichen Ordnung Stein für Stein abzutragen, allerdings genau das: vergebliche Abwehr der Vertreter der alten Ordnung des Glaubens gegen den Angriff derer, die eine auf Vernunft gegründete etablieren wollten. Das hat nun auch nicht so recht geklappt, und heute ist Glaubenskrieg immer dann, wenn die anonyme und abstrakte Gottheit Profit nicht uneingeschränkt zu ihrem Recht kommt, mag Wissenschaft auch noch so viel Evidenz heranschaffen. So lesen sich die Reaktionen der Medien auf die Entscheidung des Weißen Hauses, dem Klimaschutz die Grundlage zu entziehen.

Gut so, findet die New York Post: »Die globalistische Linke hat sich dem Umweltfanatismus verschrieben, was zu einigen der schlechtesten politischen Entscheidungen der vergangenen zwei Jahrzehnte geführt hat. Deshalb haben wir sinnlose Vorschriften für Elektroautos, deshalb hat Deutschland törichterweise die Kernenergie abgeschafft, deshalb blockieren wir Pipelines, deshalb haben unsere Duschen so wenig Wasserdruck.«

Druck auf der Düse hat auch das Wall Street Journal aus ebenfalls New York: Die jetzt »endlich« aufgehobene »Gefährdungsfeststellung« war »der Startschuss für apokalyptische Warnungen, die nichts mit der Realität zu tun haben«. Die Auswirkungen von Treibhausgasen auf die globalen Temperaturen sind, das weiß man im Fachressort »Klimatologie« des Börsenblatts ganz genau, »umstritten«. Außerdem: Was macht schon das bisschen Treibhausgas aus den USA? »In jedem Fall wird eine Eindämmung der CO2-Emissionen in den USA nur geringe Auswirkungen auf das Klima haben, da die Emissionen in China, Indien und den Entwicklungsländern rapide ansteigen.«

Die FAZ betrachtet den Kasus ganz pragmatisch – oder opportunistisch? – als eine Angelegenheit des Geldes und der wechselnden Stimmungen. Die Abkehr vom Klimaschutz nennt die Zeitung ein »klimapolitisches Erwachsenwerden«. Trump habe »längst gespürt, dass den Bürgern das Klima weit weniger wichtig ist als Inflation oder Wohlstand«. Die Sache selbst – ein Planet, dessen Quellen des Reichtums endgültig zu versiegen drohen – verkümmert zur bloßen Momentaufnahme, weil Antizipation und Denken in längeren Fristen mit einem Brett vor dem Kopf ausgeschlossen sind. Gestern so, heute halt so: »Die Klimakrise konkurriert mit der Erschwinglichkeitskrise – und letztere scheint zu gewinnen.« (brat)

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  • Leserbrief von Georg F. aus Heidelberg (14. Februar 2026 um 12:07 Uhr)
    Das Problem – seit 1990 schon, gerade als die Wissenschaft soweit war (IPCC1) – war und ist, dass über die üblichen Kapitalist*innen hinaus auch allzu viele, die sich links nennen, genauso redeten. Und als inzwischen rund 1 Milliarde Menschen auch so leben. Es bleibt bizarr, dass 7 Milliarden Menschen kaum an der Zerstörung teilhaben, und die westliche Kulturwissenschaft sich meist »postkolonial« nennt, während sie meist neokolonial ist. Zerstörer Trump and friends/Wähler und die Mehrheit der Verharmloser aller Geschlechter und Klassen (leider) haben in dieser Frage mehr gemein, als sie glauben. Wie ja in Deutschland nicht nur »Anti«-Deutsche, sondern ganze techno-scenes um 1990–2010 und universitäre Strömungen Klimafragen verhöhnten bzw. belanglos fanden. Wie leider winzige marxistische Gruppen eine Allergie dagegen hatten, weil Klima Thema der von ihnen gehassten Grünen war. In Deutschland allerhöchstens bis 1995, wonach die Grünen zur Partei der zerstörerischen Reichen wurden, eine zweite FDP/CDU; so links wie die Taz. Der Rechtsruck der Grünen entging vielen, weil sie nicht zugeben konnten, dass vor 1990 einige Grüne auf ihrer Seite waren. Immerhin ein Vorteil der intelligenten Machtphilosophie, die seit 1990 etwa intellektuelle Mehrheit wurde: sich aus allem rausölen, nie einen Fehler zugeben, das lehrte dann doch niemand besser als die illustre Reihe Nietzsche-Foucault-Derrida-Deleuze-Zizek-Butler-Brown usw. So wird niemand rot und würgt vorm Spiegel, wenn sie Jahrzehnte die Zerstörung verniedlichten, und dann, gern ab 2014 und Naomi Kleins »this changes everything« (es änderte leider fast nichts), von »Gaia« oder was immer redeten. Bei einer Milliarde Menschen bleibt auch »auf uns kommt’s nicht an« beliebt. Sind ja 8 Milliarden! Näwwaa? Sollen die Reichsten da »verzichten«? Näwwaa? Klappt doch alles seit 35 Jahren, lass uns endlos reden, hicks. Bin aber voll gegen Frontex und dass die da zu uns kommen, näwwaa. Weil’s zu heiß wird. Näwwaa.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich Hopfmüller aus Stadum (13. Februar 2026 um 20:27 Uhr)
    Nein, (brat), nicht die Quellen des Reichtums versiegen, die Senken, in denen er versickert, versagen!

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