Klimaschutz abschaffen
Glaubenskriege um wissenschaftliche Erkenntnisse sind ja fürwahr keine neue Erscheinung. Sie waren, als Wissenschaft begann, den Bau einer göttlichen Ordnung Stein für Stein abzutragen, allerdings genau das: vergebliche Abwehr der Vertreter der alten Ordnung des Glaubens gegen den Angriff derer, die eine auf Vernunft gegründete etablieren wollten. Das hat nun auch nicht so recht geklappt, und heute ist Glaubenskrieg immer dann, wenn die anonyme und abstrakte Gottheit Profit nicht uneingeschränkt zu ihrem Recht kommt, mag Wissenschaft auch noch so viel Evidenz heranschaffen. So lesen sich die Reaktionen der Medien auf die Entscheidung des Weißen Hauses, dem Klimaschutz die Grundlage zu entziehen.
Gut so, findet die New York Post: »Die globalistische Linke hat sich dem Umweltfanatismus verschrieben, was zu einigen der schlechtesten politischen Entscheidungen der vergangenen zwei Jahrzehnte geführt hat. Deshalb haben wir sinnlose Vorschriften für Elektroautos, deshalb hat Deutschland törichterweise die Kernenergie abgeschafft, deshalb blockieren wir Pipelines, deshalb haben unsere Duschen so wenig Wasserdruck.«
Druck auf der Düse hat auch das Wall Street Journal aus ebenfalls New York: Die jetzt »endlich« aufgehobene »Gefährdungsfeststellung« war »der Startschuss für apokalyptische Warnungen, die nichts mit der Realität zu tun haben«. Die Auswirkungen von Treibhausgasen auf die globalen Temperaturen sind, das weiß man im Fachressort »Klimatologie« des Börsenblatts ganz genau, »umstritten«. Außerdem: Was macht schon das bisschen Treibhausgas aus den USA? »In jedem Fall wird eine Eindämmung der CO2-Emissionen in den USA nur geringe Auswirkungen auf das Klima haben, da die Emissionen in China, Indien und den Entwicklungsländern rapide ansteigen.«
Die FAZ betrachtet den Kasus ganz pragmatisch – oder opportunistisch? – als eine Angelegenheit des Geldes und der wechselnden Stimmungen. Die Abkehr vom Klimaschutz nennt die Zeitung ein »klimapolitisches Erwachsenwerden«. Trump habe »längst gespürt, dass den Bürgern das Klima weit weniger wichtig ist als Inflation oder Wohlstand«. Die Sache selbst – ein Planet, dessen Quellen des Reichtums endgültig zu versiegen drohen – verkümmert zur bloßen Momentaufnahme, weil Antizipation und Denken in längeren Fristen mit einem Brett vor dem Kopf ausgeschlossen sind. Gestern so, heute halt so: »Die Klimakrise konkurriert mit der Erschwinglichkeitskrise – und letztere scheint zu gewinnen.« (brat)
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