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Aus: Ausgabe vom 14.02.2026, Seite 3 / Ansichten

Profiteure des Tages: Liebesschwindler

Von Max Grigutsch
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Mit der Liebe spielt man nicht (Basel, 8.4.2025)

Mit Geld kann man alles kaufen. Auch Liebe. Weiß der Liebesschwindler. Nicht mit Liebestrank, sondern mit der Kunst, aus der Distanz Nähe vorzugaukeln, überzeugt der Hochstapler seine Opfer, ihm Geld zu schicken. Ein krankes Kind, ein Autounfall usw. Der Verliebte fällt drauf rein, als wäre ihm ein magisches Gesöff eingeflößt worden. »Sie lauern auf Datingportalen und Apps«, berichtet ein Antibetrugfachmann gegenüber dpa.

Was punktuell geht, geht auch als Masche. Reproduzierbar, skalierbar. Enter: Liebesschwindelbanden. Allein in den USA erleichterten kriminelle Enterprises 2024 ihre ansonsten lieblosen Betrugsopfer um insgesamt 1,1 Milliarden Dollar, berichtete dpa am Freitag mit Verweis auf Schätzungen der Handelsbehörde FTC. Hohe Dunkelziffer vermutet. In veritablen »Scam-Fabriken« seien Menschen unter sklavenähnlichen Bedingungen angehalten, »romance scams« am Fließband zu fabrizieren. Vielfach und systematisch, Reproduktion auf höherer Ebene.

Was kriminell geht, geht auch legal, denkt sich manch einer. Aus Korruption kann ja auch Lobbyismus werden. Ein Geschäftsmodell entsteht. Berufsbezeichnung »Chat-Moderator«, passender »Chatter« genannt. Die Aufgabe: auf »Erwachsenenplattformen im Namen eines Models« schreiben, eine Beziehung mit Nichtsahnenden aufbauen. Die Unglücklichen am anderen Ende zahlen pro Nachricht oder kaufen Nacktbilder und wissen nicht, dass sie mit Fakeprofilen chatten. Besonderes Pech hat der, der sich qua solcher Hin-und-her-Schreibereien in einer echten Liebesbeziehung wähnt. Für die Chatter erschöpft sich die Nähe in einem knappen Hinweis am Bildschirmrand, etwa: »Denkt, wir sind seit drei Jahren in einer Beziehung«. Ein Blick in die AGB würde die Möglichkeit des Betrugs ins Bewusstsein der Getäuschten rufen, aber wer macht das schon. Alles legal, versteht sich.

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