Iran in Alarmbereitschaft
Von Ina Sembdner
Vordergründig scheint US-Präsident Donald Trump wieder einen Gang zurückgeschaltet zu haben: Am Donnerstag (Ortszeit) sagte er vor Journalisten in Washington über die Flugzeugträgergruppe »USS Abraham Lincoln«, die sich mittlerweile in unmittelbarer Nähe zu Iran im Arabischen Meer befindet, »hoffentlich werden wir sie nicht nutzen müssen«. Er habe bereits Gespräche mit Teheran geführt und plane, weitere zu führen. Pentagon-Chef Pete Hegseth versprach wiederum: »Wir werden bereit sein, alles zu liefern, was dieser Präsident vom Kriegsministerium erwartet.« Der erwartet viel: Ein Ende der Urananreicherung und die Aufgabe aller derzeitigen Bestände an atomwaffenfähigen Material. Davon sei jedoch – wie die New York Times anmerkte – der größte Teil unter Trümmern begraben, nachdem die USA im Juni 2025 die iranische Nuklearanlagen mit schweren Bomben angegriffen hatten. Die Forderungen gehen aber noch weiter. So verlangt Trump eine Begrenzung der Reichweite und Anzahl der ballistischen Raketen im iranischen Arsenal sowie die Einstellung jeglicher Unterstützung für »Stellvertretergruppen« – also für die sogenannte Achse des Widerstands.
Der Iran hatte unmittelbar nach dem von Israel begonnenen Zwölftagekrieg erklärt, bereit für Verhandlungen über sein Atomprogramm zu sein – aus dem entsprechenden Wiener Abkommen, das die Entwicklung unter internationale Kontrolle stellte, waren die USA 2018 in Trumps erster Amtszeit einseitig ausgestiegen. Mitte Juli 2025 erklärte der iranische Außenminister Abbas Araghtschi vor ausländischen Diplomaten, der Beginn von Verhandlungen bedürfe jedoch der Sicherstellung, »dass im Falle einer Wiederaufnahme der Gespräche die Entwicklung nicht zu einem Krieg führt«. Am Freitag erklärte er nun bei einem Besuch in Istanbul erneut, die iranische Regierung sei bereit für die Wiederaufnahme der Gespräche mit den Vereinigten Staaten, aber diese sollten fair sein und dürften nicht die Verteidigungsfähigkeiten des Iran zum Thema haben. Neben der Türkei bemühen sich auch die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien aktuell um eine diplomatische Lösung zwischen Washington und Teheran.
In Reaktion auf den Aufmarsch der USA befindet sich das iranische Militär in »höchster Alarmbereitschaft«, wie Abas Aslani vom Center for Middle Eastern Strategic Studies gegenüber Al Dschasira unter Berufung auf iranische Quellen sagte. »Sie sind bereit für einen erneuten Krieg.« Das untermauern auch aktuelle Satellitenaufnahmen vom Nuklearkomplex in Isfahan, die vom Institute for Science and International Security ausgewertet wurden. Sie zeigten neue Bemühungen des Iran, die mittleren und südlichsten Tunneleingänge mit Erde zuzuschütten, wie es schon vor dem Zwölftagekrieg zu beobachten war. Washington schickt derweil weitere Kampf- und Transportflieger Richtung Nahost, am Freitag legte ein Zerstörer der US-Marine im israelischen Hafen von Eilat an – laut Ynet sei dies vorher geplant gewesen und »Teil der laufenden Zusammenarbeit zwischen dem US-amerikanischen und dem israelischen Militär«.
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