Internationaler Tag der Bildung offenbart große Defizite
Von Gudrun Giese
Die Unterschiede könnten größer kaum sein: Die einen befassten sich anlässlich des Internationalen Tages der Bildung am 24. Januar mit »mentaler Gesundheit«, für andere geht es darum, überhaupt eine Schule zu besuchen. Weltweit können derzeit mehr als 272 Millionen Kinder und Jugendliche nicht zur Schule gehen. Daran erinnert die kirchliche Organisation »Brot für die Welt« in einer aktuellen Erklärung. Besonders dramatisch sei dabei die Lage in Konflikt- und Krisengebieten, wo Schulen geschlossen oder Lehrkräfte vertrieben werden. »Die aktuellen Kürzungen internationaler Fördermittel und das Erstarken nationalistischer Interessen gefährden unzählige Bildungsinitiativen und befördern neue Zugangsbarrieren«, heißt es. Doch in Anbetracht von Kriegen, der Klimakrise und anderen Konflikten wäre mehr und nicht weniger Geld für die Bildung weltweit nötig. »Neben mehr Solidarität und Investitionen braucht es auch politischen Druck, damit Bildung auf der internationalen Agenda nicht in den Hintergrund gerät.« Bildungsfinanzierung dürfe nicht an wirtschaftlichen Interessen ausgerichtet sein.
Hierzulande ist zwar der Schulbesuch für den Nachwuchs mehr oder weniger obligatorisch, immerhin gibt es eine gesetzliche Schulpflicht. Doch die Qualität der Bildungsangebote schwankt – je nach Wohnort und Schultyp – gewaltig. Anlässlich des besagten Tages erinnerte der Sozialverband Deutschland (SoVD) daran, dass gute Bildung »maßgeblich über gesellschaftliche Teilhabe, berufliche Perspektiven und die Möglichkeit, Armut dauerhaft zu vermeiden«, entscheide. Erforderlich sei »entschlossenes politisches Handeln für mehr Bildungsgerechtigkeit – von der Schule über die Ausbildung bis hin zur Fort- und Weiterbildung im Erwachsenenalter«, unterstrich Michaela Engelmeier, die Vorstandsvorsitzende des SoVD. Die Startbedingungen im Schulbereich seien je nach Herkunft sehr ungleich verteilt. Kinder, die in Armut aufwachsen, hätten deutlich schlechtere Bildungs- und Entwicklungschancen. »Wir brauchen kostenfreie Lehr- und Lernmittel, barrierefreie und inklusive Schulen sowie eine verlässliche schulische Unterstützung für alle Kinder – unabhängig vom Geldbeutel der Eltern«, forderte Engelmann Ende vergangener Woche.
Probleme reklamieren aber auch jene Schüler für sich, bei denen es eher nicht an Geld mangelt: Die Bundesschülerkonferenz und Länderschülervertretungen luden am Wochenende zum Bildungskongress nach Berlin. Schwerpunktthema dabei war die »mentale Gesundheit im Bildungssystem«. Der Kongress bilde einen Höhepunkt »unserer bundesweiten Mental-Health-Kampagne«, hieß es in der Einladung, und er biete die Möglichkeit, »gemeinsam an Lösungen für ein gesünderes Bildungssystem zu arbeiten«. Unterdessen möchte FDP-Chef Christian Dürr den ärmeren Kindern mit schlechten Deutschkenntnissen die Sommerferien kürzen: Zwei Wochen sollen solche Schüler nach seinen Vorstellungen opfern müssen, um – dem Vorbild Österreichs folgend – in einer »Sommerschule« die deutsche Sprache zu erlernen. Gegenüber dem Focus sagte Dürr, gutes Deutsch sei »die Grundlage für Integration, echte Teilhabe und reale Aufstiegschancen«. Wie motiviert junge Menschen sind, denen einfach mal zwei Wochen Ferien genommen werden, interessiert ihn offenbar nicht.
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