Suaasat
Von Maxi WunderDass sich reiche Privatleute Inseln kaufen, ist man ja gewöhnt, auch Charter Cities sind schon länger ein Begriff. Aber ein Staatschef auf Ländershoppingtour, das ist neu. »Grönland ist nur der Anfang, jede Wette«, meint Udo. »Kommt mir vor, als ob sich Trump jetzt mal vom arktischen Meer an Russland ranrobben will und an Chinas Handelsrouten. Demnächst kommt Norwegen in den Einkaufskorb. Das Land hat Öl und das Nordkap. Und es war böse, weil ›die Regierung‹ dem Donald keinen Friedenspreis gegeben hat.«
Armes Skandinavien. Schiss vor Russland, aber wer ihnen jetzt völlig überraschend die Tür eintritt, ist Trump. Das kleine Europa zappelt aufgeregt herum wie ein Kabeljau im Schleppnetz. Und Rezeptkolumnen wie diese sehen sich genötigt, das grönländische Nationalgericht zu verbreiten:
Für die eiweißreiche Fischsuppe Suaasat verwenden wir Robben, Wale, Moschusochsen, Rentiere und Vögel, zum Eindicken der Brühe Gerstengrütze, Graupen oder Reis. Hinzu kommen Kartoffeln und Zwiebeln, Salz und Pfeffer. Das ist eigentlich alles.
Roswitha tanzt durch die Wohnung: »Es war einst ein König in Thule, dem sterbend seine Buhle ein’ goldnen Becher gab«, singt sie glockenhell. Goethes Faust schon wusste von den Schätzen Grönlands, die in diesem von Gretchen gesungenen Volkslied Erwähnung finden. Der Teufel selbst hat ihr’s in die Kammer geschmuggelt. Gretchen kam daraufhin nicht auf die Idee, Grönland zu kaufen, sondern trug das Kasterl der Versuchung zum Priester. Schade drum, aber sie wusste es nicht besser. »Gretchen hat noch nicht ökonomisch gedacht, das war ihr Problem«, meint Rossi. »Und sie hatte keine Atomwaffen«, ergänzt Udo und serviert heißen Gløgg:
1/4 Tasse blanchierte, klein gehackte Mandeln zusammen mit einer halben Tasse Zucker, einer halben Tasse Rosinen, zwei Zimtstangen, drei EL Madeira und 700 ml Rotwein so lange erhitzen, bis sich alle Aromen entfaltet haben. Mit einer halben Zitronenscheibe am Glasrand servieren.
Wahrscheinlich wusste Goethe noch nichts von Grönlands Bodenschätzen, sonst hätte er das »freie Volk auf freiem Grund« dort angesiedelt, wo die USA zukünftig ihre Server kühlen.
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