Achterbahnfahrt im Davos-Zirkus
Von Arnold Schölzel
Genervt, resigniert und wenig angriffslustig kehrte der deutsche Tross vom Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos zurück. Trump war mit einer Rede wie aus der Gummizelle Star im »Zirkus«, wie Wolfgang Ischinger am Freitag auf mehreren Kanälen sagte. Dem WEF folgte am Donnerstag abend ein Sondergipfel der EU, über den sich faz.net unter der Überschrift »Wie die EU den US-Präsidenten beeindruckt haben will« amüsierte und von einer »wilden Achterbahnfahrt« für die EU in den vergangenen Tagen schrieb. In Brüssel hätten sich die EU-Staats- und -Regierungschefs bemüht, sich »starkzureden«. Merz habe vorab erklärt: »Geschlossenheit und Entschlossenheit können etwas bewirken.« Das wurde in Rom, wo er am Freitag war, öffentlich nicht als Witz bezeichnet. Das wiederum war die amtliche Bezeichnung aus Italien, als 15 deutsche und andere Soldaten für zwei Tage nach Grönland geschickt wurden. Die Welt formulierte es auf Seite eins am Freitag so: »Merz spricht von ›neuer Ära‹ und liefert nur alte Antworten.« Die Welt-Korrespondenten hatten gestoppt: »Acht Sekunden Applaus bekam Merz am Ende.« Das sei mehr als Olaf Scholz seinerzeit. Die deutschen Messlatten waren schon für Gewichtigeres im Einsatz.
Zum Glück gibt es die EU-Abgeordneten der Grünen, die das Mercosur-Abkommen zusammen mit allen Faschisten im Parlament (aber auch vielen Christ- und Sozialdemokraten) auf die lange Bank schoben. Gäbe es so etwas wie die Auszeichnung »Verräter der Woche«, erhielten sie ihn von allen deutschen Bürgerredaktionen. In der Welt jammerte Gordon Repinski am Freitag, das »verunsicherte Europa« hätte ein »Zeichen des Aufbruchs« dringend gebraucht. Es habe an den Grünen gelegen, dass dieses Signal ausgeblieben sei. Am selben Tag moralisierte Philipp Eppelsheim in der FAZ, was die Grünen sich geleistet hätten, sei »an Verlogenheit kaum zu überbieten«. Und weil’s Spaß macht, sagt Julia Löhr im FAZ-Wirtschaftsteil am selben Tag dasselbe und prophezeit: Das werde die Partei »noch lange verfolgen«. »Alle Bemühungen der Parteivorsitzenden«, die Grünen »auch für bürgerliche Wähler wählbar zu machen«, seien »zunichte gemacht«. Es gibt ja sonst nichts Wichtiges auf der Welt. Aber Löhr darf gewiss sein: Die Kriegsverdienste der Grünen von Jugoslawien bis zur Ukraine sind weiter oben unvergessen.
Die FAZ-Mitherausgeber Berthold Kohler und Gerald Braunberger halten sich mit »grünen« Nebensächlichkeiten nicht auf. Braunberger: »So groß die Macht der Vereinigten Staaten auch erscheint, so mag sie nicht nur wegen der wenig auffallenden Präsenz von Chinesen und Indern überschätzt werden.« Siehe künstliche Intelligenz: US-Unternehmen spielten eine führende Rolle, aber nur wenige sprächen »über vernehmliche Wirkungen auf ihre Gewinne«. Da hängen die Trauben so hoch, dass sie für sauer erklärt werden. Kohler fasst noch mehr Mut vorm Fürstenthron: »Amerika wird einiges tun müssen, um seine Glaubwürdigkeit als zuverlässiger Verbündeter und Anführer der NATO wiederherzustellen – wenn Washington daran gelegen ist.« Mit dem Nachsatz hat der unermüdliche Krächzer für die deutsche Atombombe die fällige Demut gezeigt.
Lustiger als das Gelalle Trumps scheint der Auftritt Elon Musks in Davos gewesen zu sein. Die Neue Zürcher Zeitung meint, Blackrock-Chef und WEF-Kovorsteher Larry Fink habe den zum ersten Mal dorthin gelockt. Hat sich gelohnt. Musk löste dort endlich das Menschheitsrätsel, ob es außerirdisches Leben gibt: »Wenn jemand etwas über Aliens unter uns wüsste, wäre ich das. Ich bin selbst einer.«
Die US-Amerikaner machen die EU-Großbourgeoisie, speziell die deutsche, zur Davoser Zirkusnummer. Fast verdienstvoll.
Die US-Amerikaner machen die EU-Großbourgeoisie, speziell die deutsche, zur Davoser Zirkusnummer. Fast verdienstvoll.
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Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich H. aus Stadum (24. Januar 2026 um 17:32 Uhr)Die Aliens sinken massiv in meiner Achtung. Haben die nichts schlimmeres als den Musk zur Verfügung?
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