Gegründet 1947 Donnerstag, 29. Januar 2026, Nr. 24
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Aus: Ausgabe vom 24.01.2026, Seite 6 (Beilage) / Wochenendbeilage
Rock

Der Hase schlägt Haken

Vor genau sechzig Jahren biss die Band Floh de Cologne erstmals zu. Einige Zeit später war sie die härteste deutsche Politrockgruppe
Von Gerd Schumann
1969
Nachfolger gesucht: Floh de Cologne(1969)

»… auch die Theorie wird zur materiellen Gewalt, sobald sie die Massen ergreift.« (Karl Marx)

Als Jeff Bezos vor etwa einem halben Jahr »im engsten Kreis« Hochzeit feierte und für sich und seine 250 Hochzeitsgäste Venedig abriegeln ließ, musste ich an Floh de Cologne und ihr Werk »Profitgeier« denken. Verkehrte Welt. Da sperrten die Mächtigen seelenruhig das Volk aus. Es schien fast, als machten sie sich bei Champagner, Koks, Hummer und Kaviar lustig über die Menschen, die sonst in der historischen Lagunenstadt, einem ehemaligen Zentrum des alten italienischen Städtekolonialismus, lebten. Die durften vergeblich protestieren und sich ansonsten draußen die Nasen plattdrücken, wenn sie wollten.

1971, auf dem Höhepunkt einer gesamtgesellschaftlichen Aufbruchstimmung, hatten die »Flöhe«, wie sie damals liebevoll genannt wurden, den Herrschenden »ein letztes gütliches Angebot« unterbreitet: »Sie sollen gehen, an den Genfer See oder in den Tessin, / und sollen sich dort einen Privatzoo einrichten, / einen Privatzoo mit echt goldenen Käfigen für sich selbst.« Darin sollten sie »leben in Saus und Braus, / das ist tausendmal besser, als wenn sie unsere Arbeitskraft ausbeuten. / Sie sollen alles haben – nur keine Macht mehr.« Wenn dann sonntags die Arbeiter mit ihren Familien in den Zoo gingen und die maßlose Prunksucht der Reichen belächelten, würden sie nur den Kopf schütteln »und sich fragen, wie sie nur so lange auf die reinfallen konnten«.

Sie hat ihr Bestes gegeben, die Künstlertruppe aus Köln, doch es hat nicht gereicht. Im Gegenteil. Der Hase »Fortschritt« schlug zunächst Haken, um schließlich gegen den Hoffnungstrend zu laufen, in die falsche Richtung. Letztlich blieben die Verhältnisse, wie sie waren, und heute staunt schon kaum noch jemand über die Maßlosigkeit des Billionärs Elon Musk und der ganzen zweit- bis hundertreichsten Multimilliardäre, deren jährliche Einnahmen von einem Tag auf den anderen Not, Elend, Hunger und die ökologische Krise eindämmen könnten.

Das juckt sie nicht. Statt dessen blicken sie aus ihren Domizilen quietschfidel, eiskalt und gefühllos auf ihre Untertanen, ausgestattet mit der Skrupellosigkeit eines Donald Trump und dessen schleimender Entourage. Die lassen die Stiefel ihrer mit Abstand stärksten Army der Welt marschieren, und dem gemeinen Volk bleibt nur noch, wenn überhaupt, der Ekel davor und der Versuch, sich zu widersetzen.

Floh de Cologne haben fast zwei Jahrzehnte hindurch probiert, den Hasen auf Kurs zu halten, Bewusstsein zu schaffen, auf dass die Menschheitsideen Freiheit und Gleichheit bar jeglicher Unterdrückung zur materiellen Gewalt würden. Es hatte auch verheißungsvoll begonnen, damals vor sechzig Jahren im Januar 1966. Das genaue Datum ihres ersten Auftritts ist heute leicht strittig. Sie selbst verorten ihr erstes Programm »Vor Gebrauch Kopf schütteln« in ihrem ersten Buch (»Profitgeier und andere Vögel«, 1971) am 20. Januar. Gruppenmitglied Dieter Klemm, Sprecher, Manager, Macher und bei der Gründung noch nicht dabei, zieht die Zeitungsrezension von der Uraufführung im Kölner Stadtanzeiger vom 26. Januar zu Rate. Er vermute, dass die Veranstaltung zwei Tage zuvor stattgefunden habe, und zwar im Hörsaal VII der Universität Köln. »Das ist ein Theatersaal mit circa 500 Plätzen und einer voll ausgestatteten Theaterbühne mit Beleuchtung, Zügen, Seitenbühne …«

Eine Dekade bricht an

Sei’s drum. In jedem Fall bemerkt die Zeitungsrezensentin unter der Überschrift »Flöhe übten das Beißen«, dass sich eine Kolonne »hüpfgesunder Jungbeißer zusammengetan« habe, »um die Kölner das Jucken zu lehren«. Die Premiere sei ein Heimspiel mit starkem Andrang von Mitkommilitonen des Studierendenkabaretts gewesen, und sie zeigt sich bezüglich der zukünftigen Entwicklung eher skeptisch: »Warten wir die Reaktion der Öffentlichkeit ab.« Ab sofort stünde das Stück wöchentlich im »Franziskaner am Gürzenich« auf dem Prüfstand des Publikums.

Wie sich schnell herausstellte, war es bereit für ein Politspektakel der besonderen Art. Das Ensemble unter der Leitung von Gerd Wollschon wetzt sich, so die Journalistin vom Stadtanzeiger, »an höchst allergischen Punkten unserer Gegenwart«, »an den Russen und unseren Brüdern in der Zone, am Geschwätz der Pazifisten, an entnazifizierten SS-Leuten, an der Mauer und dem Bildungsstand der Akademiker«, auch am Vietnamkrieg.

So begann ein Projekt, das nicht nur die Kulturszene lange bewegen sollte und als Gegengewicht zum allgegenwärtigen Trend einer Inbesitznahme und Verflachung avantgardistischer Kunst durch die Unterhaltungsindustrie fungierte. Bilanz zum Abschluss 1983: 1.571 Auftritte in fast zwei Jahrzehnten in 324 Städten der Bundesrepublik und in Westberlin, der DDR, Tschechoslowakei, Luxemburgs, Finnlands, der Niederlande, Schweiz und Österreichs mit insgesamt etwa 1,25 Millionen Zuschauern, 15 Bühnenprogrammen, elf Langspielplatten, Hörspielen, Theaterproduktionen … Musik immer: Floh de Cologne. Die Texte durchweg aus den eigenen Reihen, aber auch von Autoren wie – in der Gründungszeit – Peter Handke, Detlef Michel und anderen, später dann von Peter Maiwald.

Der Premiere an der Kölner Uni, aufgeführt von Wollschon, Britta Baltruschat, Udo Weinberger und Markus Schmidt, folgen bis 1969 sechs weitere Programme. Das Denken veränderte sich rasant – ein überdeutliches Zeichen des sich schnell wandelnden Zeitgeistes, vom Mord an Benno Ohnesorg, von Schahscheinheiligkeit, den Notstandsgesetzen und der ersten, sonderbaren »Großen Koalition« mit einem Altnazi als Kanzler und einem Antifaschisten als dessen Vize.

Eine Dekade bricht an, in der die alten Normen der Restauration und des gesellschaftlichen Stillstands hinterfragt werden, auf Demonstrationen gegen Springer, gegen alte Nazistrukturen und wegen des Vietnamkriegs entsteht eine neue, kritische, außerparlamentarische Opposition, die die Tendenz von Suchen und Hinterfragen, nächtelanger Debatte und umstürzlerischer Praxis in sich trägt. Floh de Cologne sind dabei und werden zudem auf den Essener Songtagen 1968 beeindruckt von den US-Underground-Bands Mothers of Invention von Frank Zappa, Tuli Kupferbergs The Fugs sowie der englischen Edgar Broughton Band. Die Flöhe verlassen daraufhin die Sprechbühne. Mit anderen Mitteln wollen sie eine andere Klientel erobern. »Mit dem bürgerlichen Kabarett kann man bei dem bürgerlichen Publikum als Sozialist nichts erreichen.« Das Publikum wolle »eine scharfe Kritik genießen, sich anbrüllen lassen und das Ganze eine Spur zu einseitig finden. Diese Leute lassen sich sogar anpissen, wenn es formal gut gelöst wird.« Da hatten die Flöhe andere Ansprüche.

Kein ruhiges Hinterland

Im siebten Programm machten sie nun »in Pop. Eine selbstgebastelte Verstärkeranlage half uns, das Publikum scharenweise aus dem Saal zu treiben. Wir hatten einen entscheidenden Schritt getan: Das Kabarett war tot.« Mit Dieter Süverkrüp wurde das Album »Vietnam« konzipiert, verlegt im Pläne-Verlag, »Fließbandbabys Beat-Show« ist dann die erste Platte, die nicht nur beim größeren Label Metronome/Ohr erschien, sondern sie als Politrockgruppe bundesweit bekannt machte.

Es war soweit: »Wir haben fünf Jahre gebraucht / um rot zu werden / Es geht sicherlich auch schneller.« Aufklären über die Verhältnisse, Bewusstsein schaffen für Veränderung durch Organisierung, Aufstand, Widerstand, es gibt kein ruhiges Hinterland. »Nicht ohne Erfolg«, gibt sich das »Rock-Lexikon«, Sonderausgabe 2003, eher zurückhaltend, hätten Floh de Cologne »ihr jugendliches Publikum in klassenkämpferische Stimmung zu bringen« versucht. Die Autoren stellen zudem fest, dass es der »härtesten deutschen Politrockgruppe« (Der Stern) als erster überhaupt gelang, der »Aggressivität, Spontaneität und Emotionalität des Rock ’n’ Roll mit annähernd gleichwertigen Texten gerecht zu werden«.

Auch das Floh-Ensemble hatte sich verändert, Wollschon und Schmidt blieben, die anderen stiegen nach und nach aus, Hansi Frank (ab 1966), Dieter Klemm (1967), Dick Städtler (1969, Gitarren) kamen hinzu, Anfang der Siebziger dann Theo König an den Blasinstrumenten und schließlich, nachdem den Keyboarder und Sänger Markus Schmidt die Liebe erwischt hatte und er in seine Schweizer Heimat zog, stieg Vridolin Enxing ein, ein ausgebildeter Musiker, der komponiert und gestaltet.

Private Gründe und unterschiedliche Auffassungen über Gewicht und Bedeutung von Musik und Text mögen schließlich Anlass gewesen sein, dass Gründungsmitglied Wollschon 1974 ausstieg. Er verstarb 2012, die Trennung sei sehr schade gewesen, meint dazu Dieter Klemm, »denn aus dem Gespann Wollschon-Enxing hätte ein neues Brecht-Eisler-Gespann werden können«.

Mit »Profitgeier« – 1970 eingespielt, das Cover ziert ein spektakuläres Geiergedärm zum Rausziehen – erscheint die erste deutschsprachige »Rockoper«, ein Konzeptalbum, auf dem eine in sich geschlossene Handlung erzählt wird, in diesem Fall basierend auf Gesprächen der Gruppe in Jugendzentren und im Lehrlingsmilieu. Das Stück richtet sich an die Arbeiterjugend und handelt »von zwei Lehrlingen, von Gili und Uwe. Die Namen haben wir geändert«, vermerken sie.

Verglichen mit englischsprachigen, jeweils poppigen Markttrends angepassten, nichtsdestotrotz anregenden »Rockopern« wie »Tommy« und »Quadrophenia« von The Who, »Jesus Christ Superstar« oder »Arthur (Or the Decline and Fall of the British Empire)« von den Kinks ist »Profitgeier« zumindest textlich reines Dynamit. Das kapitalistische Wirtschaftssystem wird bis auf die Knochen seziert, auf die herrschenden Besitzverhältnisse heruntergerechnet, und die Folgen, auch die psychischen, für die davon alltäglich Betroffenen werden aufgezeigt.

»Die Profitgeier hocken in allen Betrieben / sie hocken in den Justizpalästen und im Bundestag / sie hocken in den Banken und Industrieklubs / sie machen aus menschlicher Kraft Kaufkraft / aus Bewusstsein Markenbewusstsein / aus menschlicher Schwäche schlagen sie Kapital / aus dem Geltungstrieb machen sie Geltungssucht / aus der Lust am Leben machen sie Lust am Kaufen / die Liebe verkaufen sie als Intimspray / die Solidarität wird zu Neid und Missgunst / Aus menschlicher Wärme zeugen sie eisige Kälte und Misstrauen / aus dem Menschen kondensieren sie eine Büchse voller Komplexe / aus der Arbeitskraft machen sie eine Ware.«

Eine aufregende, weil nicht an irgendeiner Hollywoodwelt orientierte Darstellung der Wirklichkeit mündet in Kritik an der entmutigenden, zudem seltsamen Passivität der Betroffenen. »Und die Menschen sehen nicht, dass die Profitgeier Angst haben vor ihnen, / weil sie nur wenige sind, die die Mehrheit ausplündern.« In der abstrahierten Beschreibung der Realität durch die Flöhe findet sich das Publikum dann auch wieder und ebenfalls in der Kritik, nichts dagegen zu tun. »Wir stehen am Rande / Und gucken zu / wenn einer zur Sau gemacht wird / wenn einem Unrecht geschieht (…)« Last but not least zeigt die Gruppe Auswege auf, die mit dem Wort »Gegenwehr« treffend umschrieben sind: »Es hat erst angefangen / wir werden immer mehr / Wir haben erst angefangen / wir werden immer mehr.« Hymnenartig endet »Profitgeier« mit dem Aufruf, sich zusammenzuschließen.

Transparenz, Aufklärung, Kritik und Agitation durchziehen das Werk Floh de Colognes. Und sicherlich ist es nicht untertrieben zu behaupten, dass auch alle auf »Profitgeier« folgenden Platten Konzeptalben sind. Die ebenfalls live produzierte Doppel-LP »Lucky Streik« erzählt aus dem Alltag eines Streikpostens. Die Solidarität gegen den Faschismus in Chile 1973 (»Mumien«) vollzieht die Hintergründe des Putsches gegen Salvador Allende nach, die »Geyer-Symphonie« (1974) durchbricht alle Normen bürgerlicher Unterhaltungskultur und ist zugleich avantgardistisch. In einer multimedialen Aufführung von Bildern und O-Tönen der Beerdigung des »Nazis und Kriegsverbrechers und mehrfachen Millionärs« Friedrich Flick durchleuchtet es die engmaschige Beziehung von Ökonomie und Politik und deren historische Kontinuität in Westdeutschland.

Politische Therapie

Nach einer Aufführung beim Festival des politischen Liedes im »Haus der jungen Talente«, Berlin/DDR, so Dieter Klemm, stand der Theaterwissenschaftler und Brecht-Experte Ernst Schumacher (1921–2012) »nach der Vorstellung etwas verloren im Backstagebereich, wo wir von vielen strahlenden Gratulanten umringt waren. Ich sprach ihn an, er stellte sich vor, mir war sofort klar, wer er war. Und er sagte: ›Das war das beste politische Theater seit Piscator.‹ – ein Satz, der einen gewissen Stolz erzeugte«, meint Klemm, und man kann sich gut hineinversetzen in die Gefühle von Künstlern, die es im eigenen Land alles andere als leicht haben. Verbote, Gerichtsverfahren, zerstochene Reifen, Drohungen, TV-Abstinenz gehören dazu.

Der »Geyer-Symphonie in Rock-Dur, Knöchelverzeichnis 4712« folgten weitere Stücke, die sich mit dem Alltag der Arbeiterjugend beschäftigten. »Tilt« (1975) und »Prima Freiheit« (1979), dazwischen das Kinderstück »Rotkäppchen« (1977), unter anderen mit Franz Josef Degenhardt, Hannes Wader, Fasia Jansen, Dieter Süverkrüp und Hanns Dieter Hüsch als Erzähler. Die allgemeine Entpolitisierung hat längst eingesetzt, einige der Exrevoluzzer haben sich auf den Marsch durch die Institutionen begeben und landen im Bürgertum, einige verenden in der Anonymität des Privaten oder auf der Straße. »Der Traum ist aus«, singt Rio Reiser mit Ton Steine Scherben, doch irgendwann Ende der 1970er landen die Flöhe mit ihrer zweiten Rockoper »Koslowsky« noch einen starken Coup.

Sie sehen sich im oberpfälzischen Sulzbach-Rosenberg um, dem westdeutschen Standort der Maxhütte, Pendant zum DDR-Stahlwerk in Unterwellenborn. Monatelang recherchieren »fünf Langhaarige aus Preußen«, wie Enxing formuliert, vor Ort, heraus kommt eine authentische Arbeitervita voller eingängiger Songs – die Geschichte von einem, der am 14. September 1979 nach einer Wirtshausschlägerei von der Polizei in vorübergehenden Gewahrsam genommen, am darauffolgenden Tag verschwunden ist und seither nicht mehr gesehen wurde.

Rudi Koslowsky, Jahrgang 56, Sohn eines Arbeiters, der 1969 an den Spätfolgen einer Kriegsverletzung einen »nachgereichten Heldentod« stirbt. Dessen Witwe bringt sich und ihren Sohn als Putzfrau in Duisburg-Meiderich durch. Rudis Vater war das Kind polnischer Landarbeiter, die nach dem Ersten Weltkrieg an den Rhein kamen, »um ihr Glück zu machen«. Die Flöhe erzählen die proletarische Familienbiographie bis in eine Gegenwart voller neuer und alter Widersprüche und erhalten für »Koslowsky« sogar den Deutschen Kleinkunstpreis.

Im Veranstaltungssaal der Gaststätte »Jägerklause« in Sulzbach-Rosenberg wird die Premiere an zwei Abenden sozusagen doppelt gefeiert, und das bayerische Bier ist nicht das schlechteste. Die »geistig-moralische Wende« des in den Startlöchern hockenden zukünftigen Kanzlers Kohl lauert, in die Unterhaltungskultur schwappt die Neue Deutsche Welle, im Privatfernsehen wird gestrippt – und Floh de Cologne veröffentlichen gegen den ganzen Trend 1983 »Faaterland«. Sie lassen sich nicht von ihrem niemals marktorientierten Konzept abbringen. Jedoch öffnet sich die Schere zwischen dem Zeitgeist und den Verhältnissen immer weiter. Der anspruchsvolle musikalische Rahmen von »Faaterland« ist schwer vermittelbar, »zunehmend isoliert« gewesen seien sie wegen ihrer »rührend konsequenten Außenseiterhaltung im kapitalistischen Musikbetrieb«, meint das »Rocklexikon« sich selbst entlarvend: Es verkennt – wie zu erwarten – den verdummenden Einfluss des Geldes.

Beim mehrstündigen Abschiedskonzert am 14. Mai 1983 versammeln sich noch einmal Weggefährten, Freunde und Bekannte auf der Bühne und werden von 6.000 Menschen in der Kölner Sporthalle gefeiert. Und vielleicht schwingt in den Köpfen etwas Nostalgisches wie der Gedanke an die Möglichkeiten, durchzubrechen auf die andere Seite (Jim Morrison) mit. Letztlich haben die Profitgeier gewonnen, was wohl selbst die beschlagensten Dialektiker nicht in Frage stellen. Welche Perspektive sie indes haben, bleibt offen. Sicher ist, die objektive Lage verlangt, dass sie verschwinden, doch der subjektive Faktor hängt der Erkenntnis hinterher. Nachfolger von Floh de Cologne werden gesucht. Auf dass nicht länger der Schein das Bewusstsein bestimme.

Nachtrag: In Vorbereitung für Frühjahr 2026 befindet sich bei der Plattenfirma ZYX eine Gesamtausgabe der Werke von Floh de Cologne in zwei LP-Boxen und einer CD-Box. Die Arbeit daran geht weiter.

Gerd Schumann lebt als Autor in Mecklenburg und Berlin. Zahlreiche Publikationen, darunter »Baskenland. Frauengeschichten – Frauengesichter« (2000, mit Florence Hervé, Fotos von Mundo Cal), »Das Morgen im Gestern. Erkundungen eines Wessis im Osten« (2019), »Wollt ihr mich oder eure Träume? Joschka Fischer« (2021). An dieser Stelle schrieb er zuletzt in der Ausgabe vom 6./7.Dezember 2025 über den südafrikanischen Jazzpianisten Abdullah Ibrahim und den Aufstand von Soweto: »Oh Man(n)enberg!«

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Wolfgang S. aus Berlin-Mariendorf (25. Januar 2026 um 13:25 Uhr)
    Ach, was hat Gerd Schumann für einen schönen Artikel geschrieben. Man ist erfreut, gerührt zugleich, hat Tränen in den Augen und ballt die Faust. Ja wirklich: Nachfolger gesucht. Nicht nur für Floh de Cologne, denn die im Artikel genannten Barden sind entweder Tod oder haben abgeschworen und sind im Bürgertum gelandet. Der einzige noch ist Konstantin Wecker. Der reicht nicht. Die »objektive Lage« verlangt junge, den Kapitalismus krass entlarvende und aufrüttelnde Sänger bei den Demos. Die brauchen Mut, denn die »Profitgeier« verschärfen gerade die Gesetze zur Sicherung ihrer Macht und zur Manipulation der Massen.

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