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Aus: Ausgabe vom 24.01.2026, Seite 3 / Ansichten

Verfolgte Minderheit des Tages: Angetüterte Radfahrer

Von Arnold Schölzel
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Der verstorbene Dichter Wiglaf Droste notierte vor 20 Jahren, dass aus Fahrrädern »Bikes« und aus den auf ihnen Sitzenden »Biker« geworden waren: »Und so sehen sie auch aus: Kampfmaschinen, die auf Kampfmaschinen hocken. Der Biker ist ein Unisex-Neutrum und -Monstrum und damit genau das, was die moderne Gesellschaft braucht: Krieger gleich welchen Geschlechts, eingezwängt in Gummis und Überzieher, gern bunt leuchtend und hauteng wie der zarte Saitling, in dem die Bockwurst lebt.« Biker radeln selten nur so vor sich hin, sie rasen gern über Fußwege und oft auch über Fußgänger. Eine Statistik aus dem Jahr 2022 besagt: 720 Personen wurden bei Kollisionen zwischen einem Radfahrer und einem Fußgänger schwer verletzt, davon 13 tödlich. Derjenige, der in der Berliner Torstraße zu Fuß durch Schwärme »risikoaffiner Radfahrender« – sprachlich sensibel muss auch die Unfallstatistik sein – der jW-Redaktion zustrebt, kann froh sein, wenn er heil ankommt. Die Zahl der zweiradfahrenden Mörder muss höher liegen, die Statistik lügt. Vor allem: Eine Alkoholfahne haben rasende Biker nie. Wer die aber zweirädrig auf einem wirklichen Fahrrad spazierenfährt, soll nach dem Willen von CDU und CSU jetzt an die Kandare genommen werden. Der CSU-Abgeordnete Stephan Stracke sagte am Freitag der Rheinischen Post, es sei »sinnvoll, die Promillegrenzen für Fahrradfahrer zu überprüfen und eventuell zu verschärfen«. Denn die Zahl an Fahrradunfällen unter Alkoholeinfluss steige. Was so dahergeredet nicht stimmt: Gestiegen sind allein die Saufunfälle der Biker und E-Biker, nicht die der klassischen Radfahrer. Die sind einfach nicht kriegstüchtig, erst recht, wenn sie was intus haben. Es müssen ja nicht immer die bisher genehmigten 1,6 Promille sein. Angetüterte Radfahrer sind gegenüber Kriegstüchtigen die Nüchternen.

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