Neue Bündnisse
Von Susann Witt-Stahl
Der Verein »Freies Russland NRW« betrachtet den Kampf an der Seite der Ukraine als Verteidigung der Zukunft ganz Europas. Nach eigenen Angaben tritt der in Düsseldorf ansässige Verein, der von Anhängern des 2024 in Haft verstorbenen Oppositionellen Alexej Nawalny in der russischsprachigen Gemeinschaft gegründet wurde, für die »Wiederherstellung der Demokratie, für den Frieden, die Freiheit und die Menschenrechte in der Russischen Föderation« ein. Entsprechend großen Zuspruch bekommt er aus der deutschen Politik, aus Medien und Kultur. 2023 hielt die damalige FDP-Bundestagsabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann bei einer Kundgebung des Vereins im Rahmen der internationalen Kampagne zum »Jahr des Terrors« eine Rede auf dem Düsseldorfer Marktplatz. Kurz vorher hatte der Künstler Jacques Tilly den Verein mit einem Karnevalswagen über »Putins Wahn«-Vorstellungen über Nazis unter anderem in der Ukraine unterstützt, auf dem der russische Präsident als tobender Irrer in Flecktarn mit NSDAP-Armbinde – das Hakenkreuz war durch das Z-Symbol für die »Spezialoperation« ersetzt worden – dargestellt war.
Das »Russische Freiwilligenkorps« (RDK), eine der vielen ganz real existierenden Nazieinheiten, die für die Ukraine kämpfen, gab nun neue Bündnisse im westlichen Ausland bekannt. »Das Russische Freiwilligenkorps ist überzeugt, dass die nationale Einheit im Kampf gegen das Kremlregime eine wichtige Voraussetzung für den Sieg ist«, wurde Ende vergangener Woche auf dem RDK-Supporter-Kanal vermeldet. »Emigranten, die Diaspora, sind integraler Bestandteil der Nation. Wir wollen mit kremlfeindlichen russischen Menschen interagieren, wo immer sie sind.« Als einer der neuen Partner wird »Freies Russland NRW« genannt. Der Verein, dessen Vorstand von Juri Nikitin, einem Parteikollegen von Strack-Zimmermann geführt wird, bestätigte diese Angaben faktisch, indem er diese Erklärung auf seiner offiziellen Instagram-Seite verlinkte.
Dass das RDK, das in Charkiw stationiert ist und offenbar der »Timur«-Spezialeinheit des ukrainischen Militärgeheimdienstes angehört (zuständig für verdeckte Operationen hinter den feindlichen Linien wie Sabotageaktionen), nun auf die »freiheitlich-demokratische« Werteordnung einschwenkt, dürfte nicht zu erwarten sein. Die 250 bis 500 Mann starke Truppe rekrutiert vorwiegend Angehörige äußerst gewaltbereiter Neonazibanden, die vor russischen Strafverfolgungsbehörden in die Ukraine geflohen sind – darunter auch Mitglieder des internationalen Netzwerks »Blood and Honor« und der »National Socialist Black Metal Band Hitlers Hammer«. RDK-Gründer und -Anführer Denis »White Rex« Kapustin hat seit 2019 wegen seiner kriminellen und ultrarechten Machenschaften vor allem im Raum NRW ein Einreiseverbot in den Schengen-Raum. Bis März 2025 war dem RDK noch ein »deutsches Freiwilligenkorps« aus dem Umfeld der Neonazipartei »Der III. Weg« angeschlossen.
Das russische Nazikorps, das sich ganz offen in die Tradition von Hitlers Wlassow-Kollaborateursarmee stellt, sucht schon länger und findet auch mittlerweile nicht nur durch eine Partnerschaft mit »Freies Russland NRW« Anschluss bei der rechtsliberalen russischen Opposition und deren Verbündeten. Bereits Anfang März 2025 marschierte ein RDK-Block in einer von Julija Nawalnaja, der Witwe Alexej Nawalnys, angeführten »Anti-Putin-Demonstration« in Berlin mit. Im November traf sich RDK-Chefideologe Wassili »Kardinal« Kirjuschtschenko mit dem Unternehmer und Putin-Rivalen Michail Chodorkowski, weiteren Vertretern von dessen »Russischem Antikriegskomitee« sowie Emanuelis Zingeris, litauischer Delegierter der Parlamentarischen Versammlung des Europarates (PACE), auf einer Konferenz in Brüssel. Im Dezember reichte das RDK einen Antrag zur Aufnahme in die rund zwei Monate vorher geschaffene Plattform für den Dialog mit den russischen »demokratischen Kräften« in der Parlamentarischen Versammlung des Europarats (PACE) ein, die von ukrainischen Politikern wie Marija Mesenzewa von Selenskijs Partei »Diener des Volkes« vorangetrieben wird.
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