Eine Stadt nach der anderen
Von Ina Sembdner
Während Mord, Vertreibung und Hunger im Sudan aktuell vor allem die Region Kordofan im Westen des Landes bedrohen, wird auf diplomatischer Ebene der Eindruck von Friedenswillen erweckt. Zehntausende Menschen wurden seit April 2023 sowohl von den paramilitärischen RSF unter Mohammed Hamdan Daglo als auch von den Sudanesischen Streitkräften (SAF) unter De-facto-Präsident Abd-Al Fattah Al-Burhan getötet, Millionen vertrieben und in Hungersnöte gestürzt. Nach den Massakern in der norddarfurischen Hauptstadt Al-Fascher Ende Oktober hatte US-Präsident Donald Trump erklärt: »Ich dachte, das wäre nur etwas Verrücktes und Unkontrollierbares. Aber ich sehe jetzt, wie wichtig das für dich und viele deiner Freunde hier im Raum ist, Sudan, und wir werden anfangen, an Sudan zu arbeiten.« Angesprochen war der saudiarabische Kronprinz Mohammed bin Salman, der hinter Al-Burhans Führung steht. Nun steht mit Al-Obeid die nächste Provinzhauptstadt vor der Einnahme durch die RSF.
Am Wochenende meldete das Portal Mashaweer News, dass Washington und Riad Al-Burhan, eine neue Initiative zur Beendigung des Krieges vorgelegt hätten. Sie sind Teil des Quad genannten Mediationsteams, dem noch Ägypten und die RSF-Unterstützer Vereinigte Arabische Emirate angehören und das schon zuvor eine Initiative zur Beendigung der Feindseligkeiten vorgeschlagen hatte. Kernpunkte: eine humanitäre Waffenruhe, die in einen dauerhaften Waffenstillstand mündet und später den Übergang zu einer zivilen Regierung ermöglicht. Al-Burhan, der in der Kritik steht, einen Friedensprozess zu verzögern, brachte daraufhin Ende Dezember einen eigenen Vorschlag in den UN-Sicherheitsrat ein. Er sah laut Sudan Tribune einen umfassenden Waffenstillstand vor, der gemeinsam von UNO, Afrikanischer Union und Arabischer Liga überwacht werden soll. Weitere zentrale Bedingung war der Rückzug der RSF, die sich in dafür vorgesehenen Lagern sammeln sollten. Am Freitag bekräftigte er seine »harte Haltung«, als er vor Gläubigen nahe der Hauptstadt Khartum erklärte, dass der Krieg gegen die RSF so lange fortgesetzt werde, bis die »Rebellion« und ihre Unterstützer vernichtet seien.
Tags darauf erließ der General ein Dekret zur Wiederherstellung des Obersten Rates für strategische Zusammenarbeit und Koordination zwischen Saudi-Arabien und Sudan. Jüngsten Medienberichten zufolge ist Riad auch eng in einen Waffendeal zwischen Pakistan und Al-Burhan eingebunden. Wie Reuters am 9. Januar berichtete, plant Islamabad den Verkauf von Waffen, Drohnen und Kampfjets an die SAF im Wert von 1,5 Milliarden US-Dollar. Unklar blieb, ob sich das Königreich auch finanziell daran beteiligt.
Auf die dramatische humanitäre Lage unter diesen Bedingungen machte in den vergangenen Tagen erneut die UNO aufmerksam. So besuchte der Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, fünf Tage lang verschiedene Orte im Sudan und sprach am Sonntag bei einer Pressekonferenz in Nairobi von einem »Abgrund unvorstellbaren Ausmaßes«, in den der Krieg Sudan gestürzt habe. Dabei scheint der revolutionäre Geist nach dem 2019 vom Militär gekaperten Aufstand noch nicht verloren. So betonte Türk, dass das, was er gesehen habe, das Ausmaß der humanitären Tragödie widerspiegele, aber auch die außergewöhnliche Widerstandsfähigkeit des sudanesischen Volkes zeige. »Der Kampfgeist für Frieden, Gerechtigkeit und Freiheit ist trotz fast drei Jahren brutalen Krieges gegen die Zivilbevölkerung ungebrochen.« Der UN-Kommissar traf demnach auch mit Aktivisten der sogenannten Widerstandskomitees zusammen, die während des Aufstands und seither im Krieg versuchen, ihre Gemeinden am Leben zu halten. Diese jungen Menschen würden ihre Bemühungen fortsetzen, obwohl sie wissen, dass sie »den Krieg nicht beenden können, aber alles tun, was in ihrer Macht steht, um Zivilisten am Leben zu erhalten«. Diesem »langen Verzeichnis von Grausamkeiten« – zu dem auch der Einsatz sexualisierter Gewalt als Kriegswaffe zählt – könne nur Einhalt geboten werden, wenn diejenigen gestoppt werden, die die Kriegsparteien mit Waffen beliefern oder wirtschaftlich vom Konflikt profitieren.
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