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Aus: Ausgabe vom 20.01.2026, Seite 10 / Feuilleton
Kino

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Kathleen Kennedy hat Star Wars gekillt. Nun tritt sie bei Lucasfilm zurück
Von Felix Bartels
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»Ich analysiere nicht dauernd, ich tue es einfach« (Kathleen Kennedy)

Und keiner weint. Kathleen Kennedy, Head of Star Wars, gab am Freitag ihren Rücktritt bekannt. Gerüchte kursierten schon länger, sie selbst hatte noch zu Beginn des Jahres dementiert. Seit Disney 2012 Star Wars übernommen hat, steuerte Kennedy Lucasfilm. Star Wars stand für Fantasy und Science-Fiction, seine jüngere Produktionsgeschichte gehört in ein anderes Genre, Horror.

Als Produzentin war sie ab 1983 maßgeblich für die Amblin-Filme verantwortlich, in denen meist junge Charaktere phantastische Abenteuer erleben. »E. T.«, »Gremlins«, »Goonies«, »Jurassic Park«, »Zurück in die Zukunft«. Auch erwachsen konnte sie. »Die Farbe Lila«, »Schindlers Liste«, »Lincoln«, »The Sixth Sense«, »Krieg der Welten«, »Kap der Angst«. Was sollte schon schiefgehen bei dieser Vita?

In den Fängen des Mäusekonzerns wurde Star Wars in planvoller Planlosigkeit erdrosselt. Bei der Skywalker-Trilogie folgte auf den ängstlichen J. J. Abrams der todesmutige Rian Johnson, und auf den wieder der. Abrams’ Credo ist die Mystery Box: Zuschauer mit einem Geheimnis neugierig machen, das er mangels Ideen dann nicht auflösen kann. Johnson hat sein Credo mit »subverting expectations« umschrieben: Das Publikum hat eine Erwartung, er scheißt rein. Ab 2019 setzte Kennedy auf Serien, eine mieser als die andere (das herausragend gute »Andor« kann als Betriebsunfall gelten). Teils waren die Produktionen rein generisch, wenig originell und überladen mit Fanservice. Andernteils reagierte man auf Unbehagen beim Publikum. So entstand Dekonstruktion aus Unvermögen. Stur oszillierte das Franchise, neuartig auf der Interpretations-, generisch auf der Erzählebene, genau verkehrt also. Einzige Konstante scheint die Verachtung des Publikums, die sich als dessen Unterschätzung äußert.

Hinzu traten spezifische Probleme des Serienformats. Will Tavlin hat unlängst über »Casual Viewing« geschrieben, was eine Sorte Erzählung bezeichnet, die man auch beim Bügeln rezipieren kann. Konveniente Handlung entspringt allein der gerade laufenden Szene und kann nur genossen werden, wenn man nicht sonderlich darauf achtet, ob Charaktere und Handlung insgesamt konsistent bleiben. Plotholes und disparate Figuren, Autoren, die schreiben, wie sie es gerade brauchen. Unentwegt reden die Figuren darüber, was sie gerade tun, tun werden oder getan haben. Damit man auch mitkommt, während man am Handy daddelt. »Sie schauen nur und sehen nicht«, sagte Tarkowski einst. Casual Viewing bedeutet, nicht einmal mehr zu schauen.

Wenn alles Mist ist, muss ein Kopf rollen, auch wenn das Problem tieferliegt. Kennedys Rücktritt dürfte wenig ändern. Ihr Nachfolger Dave Filoni hat mit »Ahsoka« den, neben »The Acolyte«, unzweifelhaften Tiefpunkt des Franchise verantwortet.

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